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Historische Parks und Gartenanlagen in Schaumburg

Paradies vom Reißbrett

Nach biblischer Überlieferung lebten Adam und Eva zu Beginn ihres irdischen Daseins im paradiesischen Garten Eden. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sich die Menschheit auf zuweilen träumerische Weise zu schönen Landschaften und zu schön gestalteten Naturräumen hingezogen fühlt. Von einer solchen Sehnsucht wurden und werden seit Jahrhunderten auch zahlreiche Schaumburger erfasst.

Autor:

VON WILHELM GERNTRUP

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die ohnehin als überdurchschnittlich reizvoll und abwechslungsreich geltende heimische Region kann mit einer Fülle sehr unterschiedlicher, mittels Blumen, Bäumen, Hecken, Wegen, Teichen, Grotten, Plastiken und/oder lauschigen Ruheecken zu persönlichen Rückzugsräumen geformten Gärten Eden aufwarten. Art, Ausmaße und Aussehen haben nicht nur mit dem Geschmack und Geldbeutel ihrer Besitzer, sondern naturgemäß auch und vor allem mit den jeweiligen Standortbedingungen und dem während der Planungsphase vorherrschenden Zeitgeist zu tun. Die Palette reicht von verwunschenen Schloss- und Klosteranlagen, weitläufigen Landschaftsparks, erinnerungsträchtigen Begräbnisorten und hinter hohen Mauern versteckten Villenhainen bis hin zu bäuerlichen Obstbaum- und Kräuterhöfen und eigenwillig gestalteten Schrebergärten-Parzellen.

Zu den interessantesten und sehenswertesten Beispielen gehören die herrschaftlichen Repräsentations-Anlagen. Bei dem Anfang der 1990er Jahre vom Deutschen Heimatbund in Auftrag gegebenen Forschungsprojekt „Erfassung der historischen Gärten und Parks in der Bundesrepublik Deutschland“ fanden die Fachleute im Landkreis Schaumburg 24 schützenswerte Orte vor: in Apelern die Parks bei den Rittergütern von Münchhausen und von Hammerstein, in Bad Eilsen und Bad Nenndorf die Kurpark-Anlagen, in Bückeburg den Schlosspark, den Palais-Park, den Jetenburger und den Reformierten Friedhof, den Judenfriedhof, den Park bei Schloss Baum und beim Gasthaus „Alte Klus“, in Hagenburg den Schlosspark, die Anlagen bei den von Oheimbschen Gutshöfen in Enzen und Helpsen, den Park bei Burg Hülsede, in Lauenau den Park am von Meysenburgschen Gut und den Gutspark Schwedesdorf, in Rinteln die Wallanlagen und den Park bei Schloss Arensburg, und in Stadthagen den Schlosspark, den Stadtgarten, die Wallanlagen, den Westernfriedhof und den Bruchhof.

Wer die seinerzeit alphabetisch nach Standorten zusammengestellte Liste näher betrachtet, wird (mindestens) zwei weitere Highlights vermissen, nämlich die Parks und Gärten der Rittergüter von Wartensleben in Exten und von Münchhausen in Remeringhausen. Und historisch gesehen darf man auch den Garten des Münchhausen-Hofs im neuerdings im Kreis Hameln-Pyrmont angesiedelten Hessisch Oldendorf dazuzählen.

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In der Liste unerwähnt bleiben musste, weil nicht mehr vorhanden, der „Hortus Medicus“ (Botanischer Garten) der Ex-Universität Rinteln. Die 1621 zusammen mit der „Academia Ernestina“ in Betrieb genommene Anlage darf als eine der bislang interessantesten heimischen Grünzonen gelten. Das rund 4000 Quadratmeter große Areal sollte eine praxisbezogene Lehrtätigkeit der drei Medizin-Professoren in Sachen Pharmazie ermöglichen und war zu diesem Zweck von Universitätsgründer Fürst Ernst mit „jeglicher Gattung von einheimischen wie auch exotischen Pflanzen ausgestattet worden“. Das war damals keine Selbstverständlichkeit.

Die Außenanlage war eine der ersten ihrer Art nördlich der Alpen. „Auch sonst fehlt es Rinteln durchaus nicht an äußerlichem Glanz und Schmuck, denn es ist mit einer herausragenden Pfarrkirche, einem Rathaus und Umfang an Straßen sowie neuerdings einem Universitäts-Kolleg nebst Garten, mit exotischen Pflanzen üppig (…) ausgestattet, bestens ausgezeichnet worden“, heißt es in einem 1622 gedruckten Werbeprospekt. Die Hoffnung auf eine „blühende“ Zukunft erfüllte sich nicht. Nach Auflösung der Universität im Jahre 1809 war es auch mit dem botanischen Vorzeigeprojekt vorbei.

Das Gros der heute noch vorhandenen heimischen Gartenträume ist im Stil englischer Landschaftsparks angelegt worden – eine auf der britischen Insel entstandene, durch einen ungezwungenen und zuweilen schwärmerischen Umgang mit der Natur geprägte Auffassung von gärtnerischer Gestaltungskunst. Auslöser der sich hierzulande im 17. und 18. Jahrhundert durchsetzenden Entwicklung waren die Ideen und Ideale der „Aufklärung“.

Als bedeutsamster Verfechter der neuen gestalterischen Freiheit gilt der Philosoph und Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742-1792). Der in Kiel lehrende Professor erkannte als einer der ersten den Wert öffentlicherErholungs- und Freizeitparks. Volksgärten seien eine wichtige Aufgabe einer „humanen und weisen Regierung“, heißt es in Hirschfelds berühmt gewordenem Standardwerk „Theorie der Gartenkunst“.

Die hierzulande auf der Grundlage der von Hirschfeld und Co. verbreiteten Thesen entstandenen Anlagen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. „Als begehbares und dabei sinnlich erfahrbares Denkmal ermöglichen sie eine Erlebnisdichte, die nur wenige andere historische Zeugnisse vermitteln können“, erklärt die promovierte (Kunst-) Historikerin Annette von Stieglitz das Interesse. Darüber hinaus hätten die über einen langen Zeitraum hinweg gewachsenen Naturräume eine „metaphysische Dimension“. Wenn man sich in einem altehrwürdigen Garten aufhalte, werde man „auf versöhnliche Art mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert“.

Quellenhinweis: Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem sei das reich bebilderte Buch „Träume vom Paradies, historische Parks und Gärten in Schaumburg“ (Band 58 der „Schaumburger Studien“, Celle 1999, ISBN 3-88368-306-X) empfohlen.

Entwurf des Garteninspekteurs Franz Maxwald aus dem Jahre 1906 zur Gestaltung der damals beabsichtigten (und anschließend ausgeführten) Erweiterung des Bückeburger Schlossparks in Richtung Südwesten.




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