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Wie im Märchen von 1001 Nacht...

Ovationen für Justus Frantz

Bad Nenndorf (dis). Die richtige Wahl der Werke ist eine Kunst für sich, die Justus Frantz und dessen Philharmonie der Nationen beherrschen. Das haben sie beim stürmisch gefeierten, ausverkauften Konzert in der Wandelhalle bewiesen. Dort gelang es dem großen Ensemble aus 15 Nationen nämlich aufs Schönste, dem Publikum Titel schmackhaft zu machen, die sich gerade deshalb einprägten, weil sie so verschieden waren.

Mit Beethovens einleitender Leonoren-Ouvertüre Nr.3 steuerte Frantz sein dynamisch agierendes Orchester erst einmal in die Vollen. In diesem Epos hat der Komponist übrigens die Grenzen der Opernouvertüre gesprengt und eine selbständige sinfonische Dichtung geschaffen, die ein Bild der Dramatik und des tieferen Sinnes von "Fidelio" wiedergibt. Der agile Dirigent forderte mit federnden Gesten von seiner jugendfrischen Crew nicht nur orchestrale Strahlkraft, sondern zudem Schwung und Transparenz. Hellwach war die Schar danach auch im Dialog mit dem Pianisten Frantz, als sie das selten zu hörende 5. Klavierkonzert van Beethovens vortrug. Mit gewohntem Schwung und variantenreicher Anschlagtechnik wurde Frantz dem episch-heroischen Charakterüberaus gerecht. Obwohl sich der Solist gleichzeitig um die mit immer neuen Farben und bei Bedarf mit kammermusikalischer Leichtigkeit aufwartenden Instrumentalisten kümmerte, blieben lyrisches Potenzial und der große Atem des heiklen Parts nicht eine Sekunde lang auf der Strecke, sondern wurdenvirtuos ausgekostet. Den folgenden Jubel beantworteten die Spieler mit der Zugabe des berauschenden 1. Satzes aus der 4. Sinfonie. Mit Rimsky-Korsakows "Capricco Espagnol", op.33, einer Darstellung von Natur und spanischem Leben, zeigte das Team, wie unbändig vertonte Stücke zu bändigen sind: mit der Lust, die Widerhaken zum Klingen zu bringen, mit dem Mut zur furiosen Attacke und zugleich der Sorgfalt, keinen Klangbrei anzurichten. Anschließend malte die von Frantz fantasievoll angeführte Truppe den Zauber in der "Scheherazade" des gleichen Komponisten mit Detailakribie aus. Der Stabführer konnte sich dabei auf eine bei allen Bläsern vorhandene Elastizität ebenso verlassen wie auf die Geschlossenheit der Streichergarde. Und der Primarius gestaltete die Partie der um ihr Leben ringenden Erzählerin zusammen mit der Harfenistin so bildhaft, dass der Beifall keine Grenzen kannte. Von diesen orientalischen Märchenfiguren ließ sich das Auditorium gern verzaubern und erklatschte sich nach drei Stunden noch eine schmissige Zugabe. Der euphorische Applaus mündete in Standing Ovations.




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