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15 Jahre sind genug: Thorsten Kretzer tritt im September nicht mehr zur Wahl an

„ Ortsbürgermeister wirst du sowieso nicht“

EXTEN. Wenn er schon antritt, dann wollte Thorsten Kretzer sich auch nicht blamieren. An einen Wahlsieg dachte der heutige Ortsbürgermeister damals noch gar nicht. Vor 15 Jahren konnten Freunde den Rechtsanwalt überzeugen, sich als Listenerster für die CDU in Exten aufzustellen. „Aber keine Sorge, Ortsbürgermeister wirst du sowieso nicht“, habe man den Politneuling damals noch beruhigt, erinnert sich Kretzer im Gespräch mit der Schaumburger Zeitung. „Hätte ich vorher gewusst, dass es darauf hinausläuft, ich hätte mich gar nicht aufstellen lassen“, meint der 47-Jährige und lacht.

Autor:

von Jakob Gokl

Die Sanierung des Angers scheiterte an finanziellen Gründen

Frisch gewählt stürzte sich Kretzer dann auch gleich in sein neues Amt. „Exten ist ein extrem umtriebiges Dorf“, findet er, „da fällt es als Ortsbürgermeister natürlich leichter, das zu begleiten.“ Aber dennoch: Thorsten Kretzer füllte sein Amt als Ortsbürgermeister mit Leib und Seele aus. Wichtigstes Projekt seiner Amtszeit sei wahrscheinlich der zweite Fußballplatz des Sportvereins gewesen, erinnert er sich.

Ein langes Hin und Her mit der Verwaltung endete letztendlich damit, dass die Extener es selbst in die Hand nahmen. Mit 80 000 Euro von der Stadt in der Tasche und großer Unterstützung der Vereine und Ehrenamtlichen gelang der Dorfgemeinschaft, woran andere gescheitert wären.

Thorsten Kretzer wird im September nicht wieder als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stehen. Foto: la

Das zweite große Projekt, die geplanten Sanierung des Angers, scheiterte kurz vor knapp an der mangelnden Bereitschaft der Stadt, Geld zu investieren. „Dabei hätten wir 50 000 Euro Fördermittel bekommen“, ist sich Kretzer bis heute sicher – also die Hälfte der benötigten Summe. „Aber als CDU-Ortsbürgermeister hat man es natürlich etwas schwerer“, schließt er das Kapitel ab.

Positiv in Erinnerung bleibt Kretzer die gute Zusammenarbeit im Ortsrat über alle Parteigrenzen hinweg. „Mit der SPD kamen wir immer gut zusammen.“

Auch mit WGS und Grünen habe man sich in Sachfragen immer einigen können und die Belange des Dorfes über persönliche Befindlichkeiten gestellt. „Man kann nur hoffen, dass der Zusammenhalt weiter besteht.“ Er könne jedem nur empfehlen, sich in der Ortspolitik einzubringen.

Aber auch auf die Unterstützung von Vereinen und Feuerwehr habe Exten immer zählen können. „Es gab und gibt viele junge Leute, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.“

Kern seiner Aufgabe als Ortsbürgermeister sei daher immer gewesen, diese Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen und das Engagement aufrechtzuerhalten. „Und alle unterstützen sich natürlich gegenseitig“, erklärt Kretzer, „die Schützengilde unterstützt den Sportverein, die Feuerwehr den Heimatverein, der Heimatverein die Schützen, und wieder zurück.“ Ein besonderes Highlight sei, neben dem jährlichen Schützenfest, die Feier zum 1111-jährigen Bestehen des Dorfs gewesen. „Liveband auf dem Anger, das müssten wir eigentlich wieder mal machen.“ Doch das bleibt wohl dem nächsten Ortsbürgermeister überlassen.

Ein Projekt, das Kretzer als Ortsbürgermeister nicht bis zum Ende begleiten konnte, ist die Buswendeschleife. Er hofft, vielleicht bis zum 11. September zumindest noch einen positiven Bescheid „miterleben“ zu können, doch den tatsächlichen Bau, den wird Kretzer dann nur als „Zivilist“ einweihen können.

Viel konnte Kretzer in seiner Zeit als Ortsbürgermeister verwirklichen. Aber manche an ihn herangetragenen Wünsche, wie etwa eine Umgehungsstraße für die Behrens-straße, könne er auch bei größtem Wohlwollen nur als unrealistisch abstempeln.

Als Grund für seinen Austritt nennt Kretzer in erster Linie Zeitmangel. „Wenn man es vernünftig machen will, dann muss man auch etwas Zeit investieren.“ Außerdem habe er den Posten jetzt 15 Jahre lang besetzt und finde, dass etwas frischer Wind dem Ort ebenfalls guttun werde.

Exten wünscht der scheidende Ortsbürgermeister vor allem, dass es auch in Zeiten des Internets ein lebendiges, geselliges Dorf bleibe.

„Trotz aller neuen Medien, beim Bier an der Theke kommen die Dinge auf den Tisch.“




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