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Motor Veteranen Club Hameln veranstaltet "Rattenfänger Klassik" mit 66 historischen Fahrzeugen

Oldtimer knattern durchs Weserbergland

Weserbergland. Was sie verbindet, ist die Liebe zu alten Automobilen. Nur wenige müssen ernsthaft sparen für diese Liebe zum glänzenden Blech mit knatternden Motor - die meisten der 66 Teilnehmer der "Rattenfänger Klassik" gönnen sich ihr Hobby als Ausgleich zum Stress in Hochleistungsjobs. 66 Fahrer und ihre Begleiterinnen trafen sich am Freitagabend vor der Weserrenaissancekulisse des Schlosshotels Münchhausen in Schwöbber. 500 Kilometer hatte Familie Schweyen aus der Eifel zurückgelegt. Und betrat damit touristisches Neuland: "Wir werden wieder kommen, das ist ja sehr hübsch hier", meinte die Copilotin. Seit 12 Uhr Mittags saß sie neben ihrem Mann Hans-Josef Schweyen im Jaguar E Baujahr 1965 und lotste einen kleinen Konvoi mit zwei weiteren Oldtimernins landschaftlich reizvolle Weserbergland.

Von seinem Großvater übernahm Jürgen Keden die Dixi 3/15 Baujahr
U. Truchseß

Autor

Ulrike Truchseß Reporterin / Wir von Hier

Obwohl der Jaguar bereits eine eingebaute Luftkühlung hat, funktionierte die nicht so reibungslos, wie in digital gesteuerten Fahrzeugen des 21. Jahrhunderts. Auch der Ferrari von Klaus Schütz streikte in Glesse. Doch diese Malessen nehmen Besitzer von Oldtimern ganz gelassen: Jeder von ihnen ahnt zumindest, auf was er sich einlässt, wenn ersich zum Kauf eines Historienfahrzeuges entscheidet und dieses mit Originalteilen repariert. Denn das ist Voraussetzung zur Teilnahme echter Oldtimer-Treffen, auf denen gefachsimpelt wird, wie am Wochenende in der Scheune des Schlosshotels. Der Handel mit original nachgebauten Ersatzteilen bis hin zu Oldtimern floriert vor allem über das Internet. Ihr Kauf und Einbau ist kostspielig. "Wir mussten Zwangspausen einlegen, damit sich der Jaguar abkühlen konnte", berichtet Hans-Josef Schweyen Reinhard Burkart, dem Organisator dieses Wochenendvergnügens. Für den Vorsitzenden des Motor Veteranen Club Hameln e.V., der bereits seit 1984 "Rattenfänger Ral lyes" unter historische Motti gestellt hat, erfüllte sich an diesem Wochenende ein Traum: Nach 25-jähriger Vereinsgeschichte hat er es geschafft, den Mercedes Knight Baujahr 1912 von Heinrich Brühne, mit dem er schon eine vierzehntägige Baltikumtour bestritten hat - und dessen Daimler Baujahr 1925, gefahren von Ulrich Küm mecke, nach Hameln zu locken. Auch beim Anblick eines Vorläufers des BMW, einer Dixi Baujahr 1928, deren Besitzer Jürgen Keden gestern als Sieger in der Gruppe der ältesten Karossen gekürt wurde, regt sich in Burkharts Brust Stolz und Zufriedenheit: Dem Sohn des Karosseriebauers Jacob Burkart liegt es am Herzen die Faszination über die rasante Entwicklung der Automobiltechnologie den Hamelner Bürgern und Besuchern mit den Oldtimern vor Augen zu führen. Wer Burkarts langanhaltendes Bemühen um die historische Anerkennung des Sperber, Colibri und Selve noch von den Oldtimer-Treffen in der Helpensener Scheune kennt, kann nachvollziehen, mit wie viel Stolz er jetzt den Eigentümern automobiler Raritäten das kleine Hamelner Automobilmuseum beim Zwischenstopp auf dem Hefehof präsentierte. Über 60 sorgfältig gepflegte Zeugen deutscher, französischer, britischer, italienischer und amerikanischer Automobilentwicklung begaben sich am Samstag auf die von Fahrtleiter Meier zu Eisen ausgewählten Strecken südlich und nördlich von Hameln. Und den Oldtimerfahrern war es, wie das Ehepaar Brenner mit ihrem Adenauer Daimler Benz Baujahr 1952 beteuerte, ein Vergnügen, durch das reizvolle Weserbergland zu rollen und das Ambiente des Schlosshotels zu genießen. Alle Teilnehmer bestritten den 30-km/h-Test in Völkerhausen, ließen sich von einem Kipper-Test mit Plastikflaschen am Hydraulikkipper von Othmer in Börry überraschen und schwangen den Golfschläger in Hummersen. Nach demÜbersetzen der Oldtimer per Fähre in Polle stiegen einige Beifahrerinnen in ein Amphibienfahrzeug. Auf kleine Abenteuer sind sie an der Seite von Männern gefasst, die kein Geld und keine Zeit scheuen, ihrer Liebe zum Automobil öffentlich zu fröhnen. Doch mit zunehmendem Selbstbewusstsein und dem nötigen Kleingeld steigen auch Frauen in diese Liga der automobilen Abenteurer auf, wie die Gesamtsiegerin des großen Preises der Stadt Hameln und die Siegerin als bestes Damenteamm Susanne Schoppe-Grothkopf, mit ihrem Austin-Healey 100/4 Baujahr 1955 bewies und zwei Pokale vonBürgermeisterin Ina Loth in Empfang nahm. Die Hamelner Oldtimer bliebenübrigens in den Garagen. Alle Vereinsmitglieder beteiligten sich an der Organisa tion der Veranstaltung und ernteten dafür Respekt von Teilnehmern, die wissen, dass vergleichbare Rallyes sonst von professionellen Veranstaltungsteams gemanagt werden.

Die Fahrt mit dem historischen Amphibienfahrzeug aus Aerzen bege
  • Die Fahrt mit dem historischen Amphibienfahrzeug aus Aerzen begeisterte die Frauen.
Scheibenreinigung mit aufgeschnittener Kartoffel am Daimler Bauj
  • Scheibenreinigung mit aufgeschnittener Kartoffel am Daimler Baujahr 1925.


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