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Angeklagte sagen vor dem Hamelner Amtsgericht aus: Keiner der drei will‘s gewesen sein

Oktoberfest-Attacke: Sachverhalt bleibt unklar

Bad Münder (st). Kurz nach der diesjährigen Ausgabe des beliebten Nettelreder Oktoberfestes hat gestern vor dem Hamelner Amtsgericht der Prozess gegen drei Münderaner begonnen, die bei der Feier vor zwei Jahren einen heute 52-Jährigen angegriffen und schwer verletzt haben sollen. Zum Prozessauftakt gaben die Angeklagten ihre Aussagen zu Protokoll – und keiner will‘s gewesen sein.

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Staatsanwältin Iris Kötz wirft den beiden Männern (21 und 24 Jahre alt) sowie der Mutter des älteren (46) einfache beziehungsweise gefährliche Körperverletzung „mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung“ vor. Der 52-Jährige, der 2009 seine erwachsene Tochter und deren Freundin vom Oktoberfest abholen wollte, landete nach einer brutalen Attacke mit Bruch der Augenhöhle im Krankenhaus. Doch wer hat dem Münderaner so brutal zugesetzt, dass eine Operation unumgänglich war – samt anschließender zeitweiser Arbeitsunfähigkeit?

Der jüngste der drei Angeklagten, ein Fenstermonteur aus Bad Münder, will laut eigener Aussage bei der betreffenden Schlägerei gar nicht dabei gewesen sein. „Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass wir ein Taxi gerufen haben. Und als ich aus der Scheune kam, war da ein Riesentumult.“ Zu diesem Zeitpunkt war nach Angaben des 21-Jährigen bereits alles gelaufen. „Ich hab nix davon mitbekommen“, beteuerte der Angeklagte vor Richter Ulrich Schöpe. Alkoholisiert sei er gewesen, aber nicht so stark, dass er sich nicht daran erinnern würde, einen anderen Menschen verprügelt zu haben, sagte der 21-Jährige.

Während die 46-Jährige Münderanerin zunächst keine Angaben zum Tathergang machen wollte, schilderte ihr Sohn seine Sicht der Dinge. Er sei gemeinsam mit einem Freund, seiner Mutter und zwei weiteren Frauen auf dem Weg zum wartenden Taxi gewesen, als auf der engen Zufahrt ein Auto angefahren kam. „Das fuhr einfach immer weiter, bis es fast gegen meine Mutter gefahren wäre. Wir gingen dann an dem Auto vorbei. Anschließend beschwerte sich der Fahrer, sein Spiegel sei umgeklappt worden. Und er forderte uns auf, den Spiegel wieder zurückzuklappen. Wir weigerten uns.“ Daraufhin hätte der 52-jährige Fahrer aus dem Auto heraus nach dem Freund des Angeklagten geschlagen, sei dann ausgestiegen und die beiden hätten sich weiter gerauft. „Dann hat der Fahrer meiner Mutter mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Und ich habe ihn von hinten gepackt und von meiner Mutter weggezogen.“

Bei der anschließenden Rangelei, bei der auch Fäuste geflogen seien – „aber keine Megaschläge“ –, sind laut dem 24-jährigen Angeklagten dann er und der Fahrer des Autos am Rande eines Grabens zu Boden gegangen. „Plötzlich kam ein weiterer Beteiligter hinzu und hat auf uns eingetreten. Ich habe mich selbst geschützt und ihn dadurch nicht erkannt. Die meisten Tritte hat wohl der Fahrer des Autos abbekommen“, gab der 24-Jährige zu Protokoll. Durch diese Tritte dürften nach Ansicht des Angeklagten auch die schweren Verletzungen des Geschädigten entstanden sein. Anschließend sagte die Mutter doch noch aus, aber wenig Erhellendes: „Ich habe mich mit der Tochter des Angeklagten in den Haaren gezogen – gegenseitig.“

Weil nicht alle Zeugen anwesend waren, beraumte Richter Schöpe kurzerhand einen neuen Termin an, der allerdings noch nicht feststeht. Dann sollen alle Zeugen – unter anderem der Geschädigte, dessen Tochter und deren Freundin – geladen werden, um ein wenig Licht ins Dunkel um die Geschehnisse in dieser Nacht zu bringen.

Besonders pikant: Zwei der Angeklagten sind Ehefrau und Sohn eines münderschen Polizeibeamten. Dessen Kollegen, die in der Nacht vor Ort waren, müssen sich – aufgrund von Anschuldigungen des Geschädigten und dessen Angehörigen – in einem gesonderten Verfahren wegen gemeinschaftlich versuchter Strafvereitelung im Amt verantworten.



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