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Anklage vor dem Amtsgericht Hameln gegen drei mutmaßliche Schläger und zwei Polizeibeamte

Oktoberfest-Attacke: Prozess nach zwei Jahren

Nettelrede (mf). Wenn heute Abend die Nettelreder Musikanten in Volkers Scheune zum Oktoberfest aufspielen, werden bei Thomas Sturm Erinnerungen wach. Böse Erinnerungen. Zwei Jahre ist es her, dass der heute 52-Jährige auf dem nächtlichen Heimweg von der Veranstaltung brutal zusammengeschlagen wurde. Übernächste Woche soll den mutmaßlichen Tätern nun endlich der Prozess gemacht werden.

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Sturm hatte in den frühen Morgenstunden seine erwachsene Tochter und deren Freundin am Festplatz abholen wollen, die dort mit mehreren hundert anderen Besuchern ausgelassen gefeiert hatte. Plötzlich sei eine Gruppe Unbekannter vor seinem Auto aufgetaucht und habe die Straße blockiert, schildert Sturm. Ein Wort habe das andere gegeben, es kam zu Handgreiflichkeiten. Dann sei er plötzlich hinterm Steuer weggezerrt und auf offener Straße geschlagen und getreten worden, sagt Sturm. Vor den Augen seiner Tochter.

Das für Sturm noch immer Unbegreifliche: Zwei hinzugerufene Polizisten hätten nicht etwa konsequent eingegriffen, sondern die Täter noch gewähren lassen. Später hätten ihn die Beamten trotz seiner schweren Verletzungen in ein Alkoholtestgerät pusten lassen und von ihm als einzigem Beteiligten die Personalien aufgenommen. Obwohl er stark blutete, sei auch kein Rettungswagen gerufen worden. „Mir wurde gesagt, ich solle mich ins Auto setzen und nach Hause fahren, damit Ruhe einkehre“, berichtete Sturm damals nach dem Vorfall und erstattete Anzeige.

Die anschließenden Ermittlungen der Polizei zogen sich lange hin, für manche Beobachter ungewöhnlich lange. Doch nun müssen sich die mutmaßlichen Täter vor Gericht verantworten. Bei zwei der drei Angeklagten handelt es sich um Ehefrau und Sohn eines münderschen Polizeibeamten. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass sie sich wegen einfacher beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung „mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung“ strafbar gemacht haben. Am Dienstag übernächster Woche will das Amtsgericht den Fall aufrufen.

Eigentlich sollte nur zwei Tage später auch ein Verfahren gegen die beiden damals zum Ort des Geschehens gerufenen Polizisten eröffnet werden. Wie Oberstaatsanwältin Irene Silinger von der Staatsanwaltschaft Hannover gestern mitteilte, wird ihnen gemeinschaftliche versuchte Strafvereitelung im Amt vorgeworfen. Der Prozesstermin wurde jedoch kurzfristig aufgehoben – auf Antrag eines der beteiligten Rechtsanwälte, wie es heißt. Die Verhandlung gegen die beiden Beamten sei damit aber nur vertagt, versichert ein Sprecher des Amtsgerichts. Der Strafvorwurf bleibe bestehen.



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