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Ehrenamtliche Helfer hoffen auf hohe Beteiligung: „Lieber mehr auszählen als viel Leerlauf am Tag“

Ohne sie hätten wir am Sonntag keine Wahl

Hameln. Ohne ihr Engagement wäre keine politische Wahl möglich. Schließlich sorgen sie dafür, dass auch wirklich nur die Wahlberechtigten ein Kreuz machen, überwachen das Wahlgeheimnis und zählen letztendlich die Stimmen aus: Die Rede ist von den zahlreichen Wahlhelfern. 300 davon gibt es allein in der Stadt Hameln. Zwei von ihnen, Kristina Bandow und Joachim Stefener, erzählen, wie sie zu diesem Ehrenamt kamen, warum sie über Jahre am Ball blieben und wie ihr Wahlsonntag abläuft.

Autor:

Friedrich W. Thies

Für den Versicherungsangestellten Joachim Stefener ist die Demokratie ein wichtiges Gut: „Durch meine Mitarbeit als Wahlhelfer möchte ich dazu beitragen, es zu pflegen.“ Genauso sieht es Kristina Bandow, die beruflich als Geschäftsführungsassistentin tätig ist: „Ich möchte die Demokratie unterstützen, auch wenn ich gegen den allgemeinen Wahlverdruss nichts machen kann.“ Als der 54-jährige 1983 noch politisch aktiv war, hat man ihn angesprochen, und Stefener hat Ja gesagt. Und damit seine Ehefrau Gabi sich an Wahltagen nicht langweilt, sitzt sie als Schriftführerin gleich mit im sechsköpfigen Wahlvorstand. Auch Kristina Bandow (54) wurde Anfang der 90er Jahre angesprochen: „Seither bin ich dabei.“ Rund zwei Drittel der Hamelner Wahlhelfer engagieren sich morgen freiwillig. Das weitere Drittel bilden Mitarbeiter der Verwaltung.

Der Pastor kam erst eine Minute vor 18 Uhr

Da Stefener und Bandow inzwischen viel Routine haben, sind sie Wahlvorsteher ihrer Wahllokale, die in der Basberg- und Papenschule liegen. In der Basbergschule sind die Wähler aus gleich vier Wahlbezirken aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. „Da kann es schon mal vorkommen, dass jemand im verkehrten Wahllokal landet. Den leiten wir dann freundlich auf den richtigen Weg.“ Denn nur, wer auch in die Wählerliste des Lokals eingetragen ist, kann sein Kreuz hier machen. „Ich war viele Jahre im Wahllokal im Rathaus dabei. Dort kam immer eine ältere Dame, die am Kastanienwall wohnte und deshalb im Rathaus wählen wollte, obwohl ihr Wahllokal die Papenschule ist“, erzählt Kristina Bandow, „wir mussten sie jedes Jahr wegschicken.“

Am Freitagabend vor der Wahl erfolgt eine Einweisung. Joachim Stefener: „Seit einigen Jahren erhalten wir dann bereits die Wahlunterlagen wie Wählerverzeichnis, Stimmzettel und Aushänge.“ Am Sonntag beginnt der „Dienst“ für die Helfer in der Regel gegen halb acht mit der Vorbereitung des Wahllokals. Der Tag ist dann meist in zwei Schichten aufgeteilt. Von 8 bis 18 Uhr sind dann die Wähler dran. Dabei hoffen Stefener wie Bandow stets auf eine hohe Wahlbeteiligung. „Lieber ein paar mehr Wahlzettel auszählen als viel Leerlauf den Tag über haben“, so der 54-Jährige. Wahlbenachrichtigungen überprüfen und mit dem Verzeichnis vergleichen, Stimmzettel aushändigen, den Wahlvorgang überwachen, dass sind dann die Aufgaben.

Auch ohne Wahlbenachrichtigung klappt übrigens eine Stimmabgabe. „Dann muss derjenige den Personalausweis vorzeigen, oder es reicht auch, wenn der Betreffende dem Wahlvorstand persönlich bekannt ist.“ Einschreiten bei der Stimmabgabe würde Joachim Stefener übrigens, wenn jemand seine Stimme öffentlich abgibt, also nicht vor anderen Blicken geschützt, oder laut bekanntgibt, für wenn er stimmt. „Das Wahlgeheimnis muss gewahrt werden. So etwas ist bei mir aber noch nicht vorgekommen“, sagt Stefener.

Wenn’s mal ruhiger ist, vertreiben sich die Wahlhelfer die Zeit mit Gesprächen, der eine oder andere liest ein Buch, oder es werden vorbereitende Arbeiten für den Wahlabschluss erledigt. „Wir haben aber auch schon mal das Sudoku-Spielen bei einer Wahl gelernt“, erzählt Kristina Bandow schmunzelnd.

Richtig gefordert sind die Wahlvorstände dann noch mal nach 18 Uhr, wenn die Wahllokale geschlossen sind. Kristina Bandow: „Im Rathaus hatten wir es öfter, dass ein Pastor meist eine Minute vor der Schließung des Wahllokals kam.“ Doch auch er durfte noch seine Stimme abgeben. Wichtig sei, dass der Wahlvorgang vor 18 Uhr beginne. Wie lange er dann dauere, sei unerheblich.

Das Wählerverzeichnis mit den abgegebenen Wahlbenachrichtigungen abzugleichen, ist die erste Aufgabe nach 18 Uhr. Stefener: „Wenn die Zahlen übereinstimmen, hat man schon gewonnen.“ Fast immer sei das bei ihnen der Fall.

Dann werden die Stimmzettel ausgewertet. Kristina Bandow ärgert sich sehr über ungültige Stimmen, etwa, wenn Schimpfwörter auf dem Zettel stehen oder Bemerkungen wie „Die schaffen es doch nicht.“ „Das soll ja wohl eine Art Protest sein, doch der verhallt unbemerkt. Da gibt es doch andere Möglichkeiten“, meint die 54-Jährige.

Nach rund 40 Minuten können die Wahlvorstände in der Regel ihre Schnellmeldung ans Rathaus weitergeben. Nun heißt es noch, Stimmzettel und Wahlbenachrichtigungen verpacken, versiegeln und schließlich im Rathaus abgeben, wo die Schnellmeldung noch einmal mit dem Ergebnis verglichen wird. Dann ist die Arbeit der Wahlhelfer wieder mal erledigt. Zumindest, bis es wieder heißt: Sie haben die Wahl!

Kristina Bandow hat ihre Unterlagen erhalten, am Sonntag kann gewählt werden.

Foto: Wal




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