weather-image
30°

Ohne Parteibuch auf die Liste

BAD MÜNDER. Drei von sechs Kandidaten auf der Liste der SPD für den Ortsrat Nettelrede/Luttringhausen haben kein Parteibuch. In seiner Anzahl sicherlich ein Extremfall, aber ansonsten nicht ungewöhnlich. Was sagen die Parteien dazu?

270_0900_7702_jas29_wahlen.jpg

Autor:

Mira Colic

Natürlich habe man immer die Hoffnung, dass aus den Kandidaten auch irgendwann Parteigenossen würden, gibt SPD-Stadtverbandschef Uwe Nötzel zu, aber er sei froh über jeden Münderaner, „in dem die Erkenntnis reift, dass es Sinn macht, sich politisch zu engagieren“. Gerade in den Ortsräten käme es auf den Parteienproporz, allein aufgrund ihrer Größe, kaum an. Auf anderen Ebenen sei es hingegen schon wichtig, einen Parteiapparat hinter sich zu haben.“

Auch Hamelspringes Ortsbürgermeister Susanne Bubat-Hahn (SPD) hatte mehrfach betont, dass nach der Wahl das Parteibuch in die Schublade wandere und bis zur nächsten Wahl bleibe. Auf der dortigen SPD-Liste gibt es mit Michael Stumme ebenfalls einen Parteilosen auf der Liste, nachdem es zuerst so ausgesehen hatte, als ob die Sozialdemokraten gar keine Kandidaten finden würden. Gezielt war Bubat-Hahn auf engagierte Hachmühler zugegangen.

Aber auch bei der CDU Hamelspringe ist einer (Olaf Fiß) der vier Kandidaten kein Parteimitglied, genauso wenig wie beispielsweise Nadine Hegewald, die in Nienstedt antritt, oder Nadine Prenzel aus Bakede. Das sieht der Vorsitzende des Stadtverbands, Hans-Ulrich Siegmund, jedoch gelassen. Er sehe dahinter keine Parteiverdrossenheit, sondern einfach den Weg, erst einmal in die politische Arbeit hineinzuschnuppern – um dann irgendwann vielleicht doch noch Mitglied zu werden.

Für Gisela Hahne ist dies indes nichts, was sie anstrebt. Die Eimbeckhäuserin kandidiert bereits zum zweiten Mal auf der Liste der SPD für den Ortsrat – ohne Mitglied zu sein. Und das obwohl ihre Familie immer sozialdemokratisch gewesen sei. Aber ihre Entscheidung ist anders ausgefallen. Dies liege nicht nur daran, dass sie sich nicht zwischen der SPD und den Grünen entscheiden könne, deren Positionen ihr beide nahestünden, „sondern es für den Ortsrat tatsächlich unerheblich“ sei. Solange die Grundhaltung feststehe – und diese habe man ja mit der jeweiligen Liste kundgetan – sehe sie keinen Vorteil in der Parteizugehörigkeit. Im Gegenteil, so führe sie sich freier, entgegen der Parteilinie ihre Meinung zu vertreten. „Mir geht es darum, etwas für mein persönliches Umfeld zu tun.“ Auch wenn ein Ortsrat kaum Entscheidungsbefugnisse habe, sei er als demokratische Institution wichtig – „gerade heutzutage, wo es so viele Beispiele gibt, in denen die Demokratie mit Füßen getreten wird“.

Die grundsätzliche Übereinstimmung mit den Zielen ist auch für Peter Lehmann das ausschlaggebende Argument, um einen Kandidaten auf die Liste zu setzen. Der Vorsitzende des FDP-Stadtverbands hält es auf der Ebene der Ortsräte ohnehin für unmöglich, sich auf eine Partei zu berufen. „Deswegen haben wir auch beschlossen, nur Bürgerlisten zu unterstützen.“ Mit Guido Westphal haben auch die Liberalen ein Nicht-Mitglied auf der Liste für den Stadtrat.

Bei den Grünen sind die Kandidaten für Orträte und den Stadtrat zwar alle parteizugehörig, aber mit Gerd-Dieter Walter geht ein parteiloser ins Rennen um einen Sitz im Kreistag. Für Grünen-Chef Helmut Burdorf kein Problem, jeder Kandidat sei ein „Gewinn. Selbst bei Parteimitgliedern gibt es unterschiedliche Meinungen und wir unterwerfen uns keinem Fraktionszwang“. Er könne nachvollziehen, wenn Menschen nicht beitreten wollen, um sich nicht in „vereinsmäßige Strukturen einbinden“ lassen zu müssen.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare