weather-image

Ohne Netz und doppelten Boden – aber am Kletterseil

EIMBECKHAUSEN. Der Opa ist schuld. Nicht an den Sturmschäden, die Thomas Krohn gerade am Kirchturmdach in Eimbeckhausen in schwindelerregender Höhe beseitigt – sehr wohl aber an dem Umstand, dass Krohn keine Angst vor Höhe hat.

In 27 Metern Höhe kontrolliert Till Dörpmund das Turmdach – aufmerksam vom Boden aus beobachtet.
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Deshalb hat er sich vor vielen Jahren, als in seinem erlernten Berufsfeld Dachdecker gerade Flaute am Arbeitsmarkt herrschte, als erster Industriekletterer im Großraum Hannover selbstständig gemacht. Großvater Krohn verdiente sein Geld im Allgäu als Zapfenpflücker. Und er pflegte einen recht unkomplizierten Umgang mit dem Enkel. Der wurde in ein Seil geschlagen, ein paar anständige Knoten an den richtigen Stellen, und auf ging’s in luftige Höhen. „Ging auch. Moderne Kletterausrüstungen sind komfortabler und auch sicherer, aber grundsätzlich hat das damals schon funktioniert“, stellt Krohn fest.

Jetzt hat er sich mit seinem Mitarbeiter Till Dörpmund auf den Boden des Kirchturms in Eimbeckhausen vorgearbeitet und inspiziert die Schäden, die ein Sturm am Dach angerichtet hat. Mit seltenen Sandsteinplatten ist das Dach des markanten Baus, der die Inschrift „1499“ trägt, eine kleine Besonderheit. Krohn hatte sich vorab schon auf die schwierige Suche nach geeigneten Ersatzmaterial gemacht, dann aber festgestellt,, dass hoch oben auf dem Turm noch Ersatz eingelagert ist. Und so wird die Aufgabe des Tages deutlich einfacher. Krohn und Dörpmund schneiden eine geeignete Tafel zu, bereiten sie vor. Dann schwingt sich Dörpmund mit einer Tasche voll Werkzeug aus einer Turmöffnung und seilt sich zu der Schadstelle ab. 30 Meter Seil wirft er aus – ein Arbeitsplatz in luftiger Höhe. Unten stehen Küsterin Heidrun Huber, Pfarramtssekretärin Undine Salzmann und Pastorin Sonja Weiland und bewundern den Mut, der zu der Tätigkeit auf dem Dach zweifelsohne dazugehört.

Krohn sieht das allerdings ganz ohne Allüren. „Wir sind Dienstleister. Wenn etwas benötigt wird, machen wir das.“ Und so werden Abwasserrohre über viel befahrenen Schifffahrtsrouten ebenso repariert wie ein Lamborghini von der Wand in der Autostadt Wolfsburg geschraubt. Oder ein Kirchturmdach in Eimbeckhausen abgedichtet. Großer Vorteil der Kletter-Methode dabei: Es muss kein kostenintensives Gerüst aufgebaut werden, um einen Schaden beheben zu können. Und darüber ist auch Pastorin Wieland sehr froh.

270_0900_104871_lkbm1018_1808_Kirchturm_Eimbeckhausen_Kl.jpg
270_0900_104870_lkbm1013_1808_Kirchturm_Eimbeckhausen_Kl.jpg
270_0900_104869_lkbm1053_1808_Kirchturm_Eimbeckhausen_Kl.jpg


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt