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Britta Daniel-Tonn erzählt Märchen neu

Ohne Gewalt, aber mit viel Magie und Fantasie

Bad Münder (lil). Märchen funktionieren auch ohne Hexenverbrennung, grausame Todesarten und böse Stiefmütter – davon ist Britta Daniel-Tonn (33) aus Bad Münder überzeugt. Die zweifache Mutter hat die bekanntesten Geschichten der Gebrüder Grimm umgeschrieben. Herausgekommen sind kinderfreundliche Märchen, die trotzdem viel Magie, Zauberei und Fantasie enthalten.

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Ihr fast vierjähriger Sohn Luke habe sie zu „Grimms neue Märchen 2.0“ inspiriert, erzählt die Autorin. „Er hat ein Lied von Hänsel und Gretel aus dem Kindergarten mitgebracht, ich habe ihm den Inhalt übersetzt und er war geschockt.“ Märchen seien schließlich ursprünglich als Unterhaltung für Erwachsene geschrieben worden, so Daniel-Tonn. Auch wenn sich die 33-Jährige als Kind nicht vor dem bösen Wolf und Konsorten fürchtete, hat sie ihrem Sohn bereits eine abgewandelte Version von Winnie Pooh erzählt, denn: „Das Ende der Geschichte ist so deprimierend.“

Vier Monate lang hat Daniel-Tonn in ihr Projekt gesteckt. „Ich habe abends bis Mitternacht daran gearbeitet“, berichtet die zweifache Mutter, die eigentlich Medizin studieren wollte, sich aber dann für Pädagogik entschied. Ihr Fachwissen spiegelt sich in „Grimms neue Märchen 2.0“, das bisher als E-Book und als Hörbuch erschienen ist, wider. „Hänsel und Gretel reden etwa lange darüber, ob sie alleine in den Wald gehen sollen“, so Daniel-Tonn, die Rotkäppchen den richtigen Umgang mit dem Wolf lernen lässt. Bei Schneewittchen zählt die innere Schönheit statt der Optik. Einzig kinderfreundlich sei Grimms Version der Bremer Stadtmusikanten, ist die Autorin überzeugt.

Die 33-Jährige hält zwar manche Märchen für veraltet, will aber auf die Märchensprache nicht verzichten. „Ich bin ja kein Kulturbanause“, sagt sie. Daniel-Tonn geht auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie Patchwork-Familien ein – die böse Stiefmutter entfällt, weil die 33-Jährige selbst Stiefmutter ist – doch kommunizieren ihre Figuren nicht über Handys.

Besonders intensiv hat sich die gebürtige Rintelnerin mit dem Rattenfänger von Hameln beschäftigt. „Wahr ist die Kinderentführung, aber der Grund dafür ist fraglich“, weiß Daniel-Tonn. In ihrer Version nimmt der Rattenfänger die Kinder mit, weil sie von ihren Eltern schlecht behandelt werden. „Das Moralische bleibt erhalten“, betont sie. Ihr gehe es darum, auf die Rechte der Kinder aufmerksam zu machen.

Begeisterung hat Daniel-Tonn nicht von allen Seiten erfahren. „Ein ehemaliger Schulfreund schrieb mir auf Facebook, dass ich dann doch gleich die Bibel umschreiben könne.“ Von Kritik lässt sich die Autorin nicht beirren, schließlich gebe es die alten Märchen auch weiterhin. „Jeder entscheidet abends auf der Bettkante für sich selbst, was er seinem Kind vorliest.“

Nach dem E-Book und dem Hörbuch, das ihr Mann Hans-Peter im eigenen Studio produziert hat, plant die 33-Jährige nun etwas zum Anfassen: ein Bilderbuch. An den Illustrationen arbeitet sie bereits.



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