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Gemeinderat beauftragt Coppenbrügger Schulleiter, Antrag zu stellen – und die sind darüber wenig glücklich

„Offene Ganztagsschule ist nur eine Sparvariante“

Coppenbrügge (hen). Die Leiter der Grundschulen Bisperode und Coppenbrügge sollen und werden zum 1. Dezember einen Antrag auf Einrichtung offener Ganztagsschulen stellen. Damit folgen sie der Aufforderung des Gemeinderates, der einstimmig den entsprechenden Beschluss gefasst hatte – allerdings sind sowohl Benedikta Simeth, Leiterin der Schule am Ith, als auch ihr Bisperoder Kollege Manfred Westram alles andere als Befürworter der offenen Ganztagsschule und auch nicht glücklich über die Vorgehensweise der Politiker.

„Die Schulen sind gehalten, in diesem Jahr einen genehmigungsfähigen Antrag einzureichen – sonst macht es der Schulträger“, drohte ein sichtlich ungehaltener Hartmut Greve (SPD) in der Sitzung des Rates in Marienau.

Wie berichtet, war das gerade erst eingeführte Angebot der nachschulischen Betreuung daran gescheitert, dass es zu wenig Kinder genutzt hatten. Und das hat nicht etwa am mangelnden Bedarf gelegen, sondern an den zu hohen Kosten. 75 Euro müssen die Eltern monatlich (auch in den Ferienzeiten) aufbringen. Da nicht genug Kinder angemeldet waren, musste die Gemeinde den Rest der Kosten decken; im neuen Haushalt 2010 sind rund 13 000 Euro eingeplant. „Wir waren erschrocken, wie viel beim Flecken hängen bleibt“, sagte Greve im Rat. „Die Schulleiter haben es in einem Jahr nicht geschafft, ein Konzept vorzulegen.“

Greve wolle nun wissen, wie das pädagogische Konzept einer Ganztagsschule aussehen könnte. „Wir müssen in die Socken kommen“, forderte auch Achim Küllig (CDU). Sein Fraktionskollege Carsten Stannehl bekannte, er sei über die unterschiedlichen Ansichten der beiden Schulleiter verwundert gewesen, die bei einer Schulausschusssitzung deutlich geworden seien.

Auf Anfrage der Dewezet bezeichnet Benedikta Simeth das gerade erst entwickelte Modell der nachschulischen Betreuung als „Mercedes“ der Betreuungsformen. Die offene Ganztagsschule sei dagegen eine Sparvariante, ein Billigmodell. Die Idee einer Ganztagsschule befürwortet die Leiterin der Coppenbrügger Grundschule, „aber dann für alle verpflichtend“ und mit entsprechenden Lehrkräften und pädagogisch geschultem Personal ausgestattet. Für die offene Ganztagsschule gebe es keinerlei Vorgaben oder Richtlinien, Angebote könnten von „allen möglichen“ Anbietern aufgenommen werden. Das hält die Pädagogin aber nicht für sinnvoll: „Gerade in dem Alter brauchen die Kinder eine entsprechende Bezugsperson.“ Eine weitere Erklärung, warum sie sich „bisher zurückgehalten“ habe, wird auch von Westram ins Feld geführt: Die Schulleiter seien in den vergangenen Jahren mit immer mehr Aufgaben betraut worden, darunter die Qualifizierungsmaßnahme zur Verbesserung der Unterrichtsqualität; die zeitlichen Ressourcen seien begrenzt. Zuletzt sei sehr viel Energie darauf verwendet worden, die Nachmittagsbetreuung zu realisieren. „Wenn der Rat den Wunsch nach einer offenen Ganztagsschule schon letztes Jahr im Herbst an uns herangetragen hätte, wären wir weiter und hätten nicht unnötig Energie verschwendet. (…) Wir fühlen unser Engagement (…) nicht wertgeschätzt“, schreiben die Schulleiter in einem Brief an den Rat, in dem sie ihre Haltung und die Gründe dafür ausführlich darlegen. Dass der Rat dennoch so entschieden hat – „Mir gefällt dieser Druck nicht“, sagt Westram.

Letztlich sei eine sinnvolle Betreuung der Kinder ohnehin nicht ohne eine finanzielle Beteiligung durch die Gemeinde möglich, sagen die Schulleiter. Westram: „Das geht nicht für lau.“ Auch bei einer offenen Ganztagsschule müssten die Schulen unterstützt werden, da die Mittel des Landes nicht ausreichen.

Am 10. März wird es eine Informationsveranstaltung geben, in der jemand von der Grundschule Salzhemmendorf berichten soll – denn dort funktioniere das Modell schließlich, sagt die Politik.

Isabell und Jule (beide 7) fühlen sich wohl bei der Nachmittagsbetreuung. Foto: ist




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