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Besuch im Simulatorzentrum der Heeresflieger in Achum / Leser als "Hubschrauberpiloten"

Nur Start und Landung haben ihre Tücken

Bückeburg (kk). Flughöhe 600 Fuß, Kurs Nordwest, gute Sicht. Ruhig steuert Hans Gründer die EC 135 über den Mittellandkanal. Vor den Cockpitfenstern taucht der Schaumburger Wald auf, der Hubschrauber zieht an Cammer vorbei. Ganz leicht vibriert die Kabine, als der Bückeburger den Hubschrauber in einer lang gestreckten Linkskurve Richtung M indener Krankenhaus lenkt.

"Sehen Sie, fliegen kann jeder!", lobt Carsten Severin. Der Oberleutnant ist Fluglehrer an der Heeresfliegerwaffenschule in Achum - und der Schüler neben ihm ist Leser unserer Zeitung. Hans Gründer ist einer der zehn Glücklichen, die gestern Nachmittag im Rahmen der Sommeraktion dem Simulatorzentrum auf dem Flugplatz in Achum einen Besuch abstatten durften. Und das Tollste daran: Jeder durfte einmal auf dem Pilotensitz in einem der modernsten Hubschraubersimulatoren der Welt Platz nehmen und die (virtuelle) EC 135 über das Schaumburger Land steuern. "Doch jetzt wird es schwieriger," warnt Severin, als am Horizont das Dach der Klinik mit dem Hubschrauberlandeplatz auftaucht. Start und Landung sind nämlich für jeden Fluganfänger eine regelrechte Herausforderung. Gilt es doch, mit beiden Händen und beiden Füßen die Steuerelemente des Hubschraubers zu bedienen und gleichzeitig noch alle wichtigen Anzeigeinstrumente im Auge zu behalten. Da ist Koordination gefragt. Doch mit etwas Unterstützung des Profis wird auch aus der Landung keine Bruchlandung. Pilotenwechsel: Werner Blome steigt auf den rechten Sitz, er "fliegt" die Maschine Richtung Rinteln, seinem Wohnort entgegen. Unter uns schlängelt sich die Weser ein wenig eckig durch die grüne Landschaft. Sein Wohnhaus entdeckt Blome zwar nicht, dafür aber alle wichtigen Landmarken wie Straßen oder den Nikolai-Kirchturm. Acht kühlschrankgroße Projektoren simulieren das Schaumburger Land vor dem Cockpitfenster. Steuer- und Bedienungselemente sowie die Instrumente entsprechen eins zu eins dem Cockpit des realen Schulungshubschraubers. Ein Hydrauliksystem bewegt den Simulator. Zusammen mit der Landschaftsprojektion und der passenden Geräuschkulisse entsteht die fast perfekte Illusion eines Hubschrauberfluges. Während gestern Nachmittag nicht nur über dem realen Flugplatz sondern auch auf der Projektionskuppel die Sonne lachte, haben angehende Piloten mit deutlich mehr Schwierigkeiten zu kämpfen. Per Computersteuerung lassen sich Wetterphänomene wie Nebel, Wolken oder Schnee ebenso darstellen wie kritische Flugsi- tuationen oder technische Pannen. 18 bis 20 Stundenüben angehende Piloten zunächst im Simulator, bevor sie die ersten Platzrunden mit einem "richtigen" Hubschrauber drehen. Vorausgegangen ist dann schon eine umfangreiche Grundlagenschulung. Im Laufe ihrer Aus- und Weiterbildung auch für andere Hubschraubertypen kehren die Piloten immer wieder inden Simulator zurück, um zu üben. Das spart eine Menge Geld und reduziert die Fluglärmbelastung. Eine "richtige" Flugstunde kostet ein Vielfaches einer Simulatorstunde. Und wie war der Flug? "Toll, einfach nur toll," freut sich Rosi Lengdobler. Auch Robert Pavlista ist begeistert. Für den Ahnsener gehören die Heeresflieger in der Nachbarschaft einfach dazu, Gelegenheit zu einem derartig intensiven Blick hinter die Kulissen hatte er aber zuvor nicht. Auch Tabea Theresa Requardt-Kastning ist begeistert. Die Jüngste in der LZ/SZ-Gruppe kann sich sogar eine berufliche Karriere als Pilotin oder bei der Bundeswehr vorstellen. So musste Oberleutnant Florian Geisler, der die Gruppe betreute, auch zahlreiche Fragen zu Berufschancen und Einstellungsvoraussetzungen beantworten. Technische Details der zwölf Simulatoren (acht für den Schulungshubschrauber EC 135, je zwei für die Transporthubschrauber Bell UH 1D und CH 53, erläuterte Hauptmann Jens Hesse in einem Einführungsvortrag. "Jederzeit wieder," lautete das abschließende Urteil "unserer Flugschüler". Ob sie dazu allerdings noch einmal Gelegenheit haben werden, ist fraglich: Immer größer wird die Nachfrage nach Simulatorstunden in Achum. Geschult werden nämlich nicht nur Militärpiloten aus aller Welt sondern auch Polizei- und Rettungsflieger.




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