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Goldgräberstimmung am "Stolln": 800 wollen "einfahren" / Hauptstrecke soll 2008 erreicht werden

"Nur noch wenige Meter bis zum Durchbruch"

Feggendorf (tes). Mit einem leibhaftigen "Steiger" die Tiefen des Berges zu erkunden, diese Gelegenheit haben sich am Tag der offenen Tür im "Feggendorfer Stolln" rund 800 Besucher nicht entgehen lassen. Ein Spitzenwert, der nur noch von einer Nachricht übertroffen wird. Laut Bergbautechniker Florian Garbe (dem als "Steiger" bezeichneten Chef unter Tage) steht die Arbeitsgruppe Bergbau im Lauenauer Heimat- und Museumsverein kurzvor einem Etappenziel jahrelanger Arbeit: "Es fehlen nur noch wenige Meter bis zum Durchbruch auf die Hauptstrecke."

Besucherboom am Feggendorfer Stolln: Mit Helm und Lampe begeben

Als der "Stolln" im Jahr 1947 stillgelegt wurde hätte wohl kaum ein Bergmann zu hoffen gewagt, was sich 60 Jahre später hier abspielt. Ganze Familien, strahlende Kinder, Lehrer und befreundete Bergleute warten geduldig und gespannt in der Warteschlange vorm so genannten Stollenmund - dem Eingang. "Man kommt sich vor wie ein Goldgräber", erklärte Peter Felsen vom Unteren Deisterstollen die Faszination der Spurensuche im Berg. Angeleitet von den neun hiesigen "Bergleuten" tauchen jeweils zehn Besucher mit Helm und Lampe für 25 Minuten in die Bedingungen im Bergbau ein. Dunkelheit, erdrückende Luftfeuchtigkeit, Wasser tropft von den mit Balken abgestützen Wänden: Die Welt unter Tage verheißt viele Geheimnisse und ebenso viele Gefahren. "Ich war selbst schon zwei Stunden lang verschüttet", berichtet Helmut Bauer von seinem ehemaligen Berufsalltag als professioneller Bergmann im Sturzbachstollen "mit der Kontrollnummer 13865." Spätestens beim ersten Kopfkontakt mit der Decke wird klar wie schwer die Arbeit unter Tage war, warum man einen Helm tragen muss und welche Leistung hinter dem Projektder ehrenamtlichen Bergleute steckt. Trotz Führungen im Akkord fördern diese in Handarbeit tonneweise Gestein aus dem Berg. Rund 2159 Tonnen sind es seit Beginn der Arbeiten im März 2003. Aktuell wird mit großen Erwartungen dem Moment des Durchschlags in das alte Streckensystem entgegengegraben. Weil die Hauptstrecke an einer Stelle zu stark beschädigt ist, arbeitet die Gruppe seit 2005 an einer Umbruchstrecke, um das alte Grubenfeld zu erreichen. Dort sollen die alten Abbau- und Förderstrecken für Besucher zugänglich gemacht werden. "Das wird ein Rundweg", sagt der 23-jährige "Steiger" und hofft auf mehr: "Vielleicht stoßen wir sogar auf eine kleine Strecke, die auf ist." In jedem Fall ließen sich weitere Spuren von 120 Jahren Bergbau entdecken. Die Besucher können den Fortschritt der Arbeiten hautnah miterleben. Anders als in den meisten Besucherbergwerken wird dieser Stollen in den Originalzustand versetzt. Durchgehende Beleuchtungsanlage und saubere Wege? Fehlanzeige. "Authentisch soll es sein", betont Freizeit-Bergmann Frank Kuznik: "Uns ist wichtig, die Tradition und Handwerkskunst der Bergleute zu bewahren - und dazu gehört auch, dass der Besucher sich an den Berg anpassen muss und mit Helm und Geleucht, Overall und Gummistiefeln ausgestattet in die Grube einfährt." Ein kommerzielles Besucherbergwerk soll der "Stolln" nicht werden. Denkbar sei jedoch, das Bergwerk für Forschung und Lehre zugänglich zu machen. "Unser Projekt ist einmalig in Deutschland", berichtet Garbe. Eine Kamerafrau von RTL hat den Fortschritt der Arbeiten ein Jahr lang für eine Langzeitdokumentation begleitet. "Mit dem Durchbruch soll auch der Film fertig sein", so Garbe. Spätestens zur Saisoneröffnung im April 2008 sind die Führungen um diesen Höhepunkt reicher. Die überregionale Resonanz am letzten Besuchertag vor der Winterpause lässt einen Boom für den Bergbau-Tourismus im Deister erwarten. Der Bergbautechniker ist begeistert: "Sonst kommen sonntags 50 Leute, heute sind es bestimmt 800."

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