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Wie ein ehemaliger Journalist sein Rentnerdasein meistert

Nur noch die Kür des Lebens

Rentner, so heißt es, haben doch nie Zeit! Gilt so, wenn dem so ist. Denn dann haben sie eine Beschäftigung gefunden – vielleicht mit sich selbst, mit ihrem Hobby oder in einem Ehrenamt. Wie aber bereitet man sich auf die Zeit nach der Arbeit vor? Wie wird man Ruheständler, ohne einzurosten?

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Fast auf den Monat genau hat der Autor dieser Zeilen 33 Jahre in der Redaktion der Dewezet mit Spätdiensten, Sonntagsdiensten und zahllosen Wahlabenden gearbeitet. Da bedurfte es schon einer gründlichen Vorbereitung, um nach dem Abschied nicht in das berühmt-berüchtigte schwarze Loch zu fallen, das so manchem Rentner zum Schicksal wird. In Altersteilzeit das Arbeitsleben ausklingen lassen, das wollte ich nicht. Aber im Jahr vor dem Abschied nahm er doch ganz gezielt eine siebenwöchige Auszeit: „Ich wollte einfach wissen, wie das sein wird, wenn der Redaktionsstress fehlt, man morgens ausschlafen kann und keine Termine drängen.“

Es war ein vernünftiger Entschluss, denn es war eine Zeit, in der Pläne für die Zukunft gemacht wurden – ganz realistische Pläne und keine Träumereien von großen neuen Unternehmungen. Als ein klares Ordnungselement sollte sich das mittägliche Essen erweisen, das die fast schon erwachsenen Kinder nach der Schule pünktlich auf dem Tisch haben sollten – Ehefrau Ulrike ging schließlich weiter ihrem Job nach. Einkaufen, Waschmaschine bedienen, die Kinder zu ihren Terminen chauffieren – eben das kleine Programm des Hausmannes. Dazu ehrenamtliche Tätigkeiten als Leseförderer an einer Grundschule, als Presseverantwortlicher des Kreissportbundes, als journalistischer Begleiter des Neubaus der liberalen Synagoge in Hameln und semiprofessionell als Medienberater des Soltec-Veranstalters.

Und nicht zu vergessen: Die Lust am Schreiben ist geblieben, die Verbindung zur Redaktion intakt. Aber: War bei aller Freude am Beruf früher doch jegliche Aufgabe auch Pflicht, so sind es jetzt nur noch Themen, die auch Spaß machen oder mit den ganz persönlichen Interessen in Einklang zu bringen sind. Pflichtaufgaben waren lange genug zu erfüllen. Im Unruhestand als „Eigentum der Rentenversicherung“ stand als klar vorgegebenes Ziel die Kür des Lebens im Vordergrund.

Dass dies nicht jedem gelingen kann, der plötzlich und unerwartet aus dem Berufsleben gerissen wird oder mit seinen beruflichen Talenten im privaten Dasein nicht reüssieren kann, ist auch klar. Es kommt halt auf die Vorbereitung an, damit man eben nicht plötzlich und unerwartet als Rentner dasteht und auf einmal viel zu viel Zeit zum Grübeln hat.




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