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Reichserntedankfest Thema auf dem Reichsparteitagsgelände

NS-Parallelen: Nürnberger blicken auf den Bückeberg

Emmerthal/Nürnberg (cb). Kaum ein anderer Ort ist so eng mit der NS-Zeit verstrickt wie Nürnberg, von den Nationalsozialisten zur „Stadt der Reichsparteitage“ erhoben. Baulich wie auch durch Veranstaltungen riesigen Ausmaßes setzte sich das NS-Regime dort in Szene, versuchte dadurch, das ganze Volk für sich zu vereinnahmen. Daran erinnert in Nürnberg das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Es widmet sich derzeit der Geschichte der Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg in Emmerthal mit den von Bernhard Gelderblom zusammengetragenen Dokumenten und Zeitzeugnissen.

Plakate zu den Reichserntedankfesten zeigen hier im Dokumentatio

Emmerthal/Nürnberg (cb). Kaum ein anderer Ort ist so eng mit der NS-Zeit verstrickt wie Nürnberg, von den Nationalsozialisten zur „Stadt der Reichsparteitage“ erhoben. Baulich wie auch durch Veranstaltungen riesigen Ausmaßes setzte sich das NS-Regime dort in Szene, versuchte dadurch, das ganze Volk für sich zu vereinnahmen. Daran erinnert in Nürnberg das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Es widmet sich derzeit der Geschichte der Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg in Emmerthal mit den von Bernhard Gelderblom zusammengetragenen Dokumenten und Zeitzeugnissen. Der Grund: Das Propagandafest am Bückeberg sei „ein eindrucksvolles Beispiel für die Verführungsgewalt des Regimes, die wie in Nürnberg nur eine andere Form gewalttätiger Politik war“, so erläutert es das Dokumentationszentrum. „Und so begrüßen wir die Initiative von Herrn Gelderblom, weil wir damit die Ausmaße des ,NS-Feierjahrs‘ auch in anderen Teilen des früheren Deutschen Reichs darstellen können“, meint der Leiter des Dokumentationszentrums, Hans-Christian Täubrich. „Das Echo des zahlreichen Publikums schon bei der Eröffnung hat gezeigt, dass es hierfür ein breites Interesse gibt.“

Den Nürnbergern bleiben die aktuellen Diskussionen in Emmerthal um den umstrittenen Denkmalschutz für den Bückeberg nicht verborgen. Aber auch bei diesem Thema gibt es Parallelen zwischen beiden Orten. „Die Zögerlichkeit im Umgang mit der eigenen Geschichte das 20. Jahrhunderts betreffend, ist ja beileibe nichts spezifisch Ortstypisches“, erinnert Täubrich daran, dass in Nürnberg der Umgang mit der NS-Zeit ebenfalls sehr schwierig war. „Hier hat es immerhin 55 Jahre gedauert, bis es soweit war“, verweist er auf die Eröffnung des Dokumentationszentrums im Jahre 2001 durch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau auf dem heute noch vier Quadratkilometer großen ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Inzwischen habe es sich zu einem international anerkannten Forum entwickelt, dessen zentrale Themen die Funktion der propagandistischen Motivationsmaschinerie sowie die Ursachen und Folgen der verbrecherischen Machtausübung des NS-Staates sind. Rund 185 000 Besucher wurden allein im vergangenen Jahr verzeichnet. Angesprochen auf die Situation in Emmerthal, stellt der Leiter des Zentrums fest: „Wir vergeben uns nichts angesichts der nachhaltigen Wirkung der Ereignisse des 20. Jahrhunderts, wenn wir an den wichtigen Orten, an denen sich Geschichte noch dingfest machen lässt, auf diese aufmerksam machen“, so Täubrich. „Man muss deshalb nicht alle diese Stätten rekonstruieren; aber eine sachliche Auseinandersetzung und eine objektive Information sind wir denen schuldig, die daran vorbeikommen.“

In der nächsten Woche ist übrigens der für den Denkmalschutz zuständige Landesminister Lutz Stratmann zu Gast in Emmerthal, um mit der Politik über das Thema zu sprechen. Die Ausstellung von Bernhard Gelderblom ist bis März in Nürnberg zu sehen.

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