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Jobs, Energie, Infrastruktur – hier setzen die fünf Kandidaten ihre Schwerpunkte / Wahlkampf-Bilanz

Noch zwei Tage buhlen sie um die Wählergunst

Weserbergland (jhe). Ob an Ständen in den Fußgängerzonen, auf Podiumsdiskussionen oder im Gespräch mit den Bürgern – unermüdlich sind die fünf Kandidaten des Wahlkreises 47 bereits seit Wochen im Einsatz. Nun bleiben ihnen nur noch zwei Tage, um die Wähler von sich und ihrem Parteiprogramm zu überzeugen. Und wofür wollen sich die Kandidaten einsetzen, wenn sie es in den Bundestag schaffen?

Die Verkehrsanbindung ist für vier der fünf Kandidaten ein wichtiges Thema. „In vielen Orten des Landkreises braucht man mindestens eine Stunde bis zur Autobahn – das wollen wir verbessern“, sagt Martina Tigges-Friedrichs (FDP). Auch Hans-Peter Thul (CDU) möchte die Region für Bürger, Touristen und Unternehmen attraktiver gestalten, indem er eine bessere Anbindung an die Autobahn 7 schafft und die Straßen dreispurig ausbaut. Für den Bau von Ortsumgehungen macht sich Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) stark. Vor allem die Südumgehung für Hameln ist ihr wichtig, um „die Innenstadt zu entlasten und Lärm und Feinstaub zu reduzieren“.

Ebenfalls für eine bessere Verkehrsanbindung, „aber nicht für größere Straßen“, spricht sich Dr. Marcus Schaper aus. Der Kandidat der Grünen möchte in die Bahninfrastruktur investieren und die Bahnhöfe Hameln und Holzminden durch Anbindungen an den Fernverkehr aufwerten. Jutta Krellmann meint: „Wenn ich keine Betriebe hier habe, brauche ich auch keine bessere Infrastruktur.“ Deshalb will sie sich lieber für Arbeitsplätze in der Region einsetzen. Es sei zu prüfen, ob zwei Jahre Kurzarbeit ausreichten, meint die Kandidatin der Linken. Und wenn schon Entlassungen, dann müsse wenigstens das Arbeitslosengeld verlängert werden.

Gabriele Lösekrug-Möller möchte zwar das Arbeitslosengeld nicht verlängern, setzt sich aber für eine „aktive Arbeitsmarktpolitik“ ein. Sie möchte, dass sich in der Region auch weiterhin Menschen weiterbilden und für Berufe qualifizieren können. Bewerber sollten ihren Bedürfnissen entsprechend beraten und gefördert werden, sagt die SPD-Kandidatin.

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Mit zukunftsfähigen Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien möchte Marcus Schaper mehr junge Menschen in die Region holen. Mit Betrieben wie dem Institut für Solarenergieforschung sei die „Kompetenz bereits vorhanden und muss nur noch in Arbeitsplätze überführt werden“, so der Grüne, der sich Hameln auch als Standort einer „kleinen Fachhochschule“ vorstellen kann. „Dann hätten die Betriebe auch nicht mehr das Problem, qualifiziertes Personal zu finden“, meint Schaper.

Auch Hans-Peter Thul will die Region für junge Familien interessant machen. Er setzt dabei auf verlässliche Angebote zur Kinderbetreuung. „Das würde dem demografischen Wandel und den sinkenden Geburtenzahlen entgegenwirken“, ist Thul überzeugt. Nicht nur die Kindergarten-, sondern auch die schulische Betreuung solle bis zum Nachmittag gewährleistet sein, meint der CDU-Kandidat. Wichtig sei ihm dabei, „den Eltern die Wahlfreiheit zu lassen“, ob sie die Angebote in Anspruch nähmen oder ihre Kinder selbst betreuten.

Noch einen anderen Weg, die Region zu fördern, schlägt Jutta Krellmann vor. Sie fordert einen flächendeckenden Mindestlohn und möchte damit die Kaufkraft in der Region stärken. „Wenn die Menschen ein vernünftiges Gehalt für ihre Arbeit bekommen, können sie auch in den Geschäften einkaufen oder in Restaurants essen gehen“, sagt die Kandidatin der Linken.

Martina Tigges-Friedrichs will erreichen, dass Energien „für alle bezahlbar bleiben“. Dafür sei es nötig, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern und die Subventionen für erneuerbare Energien nicht zu erhöhen, ist die FDP-Kandidatin überzeugt. Ganz im Gegensatz möchte ihre SPD-Konkurrentin, Gabriele Lösekrug-Möller, am Ausstieg aus der Atomenergie festhalten.

So verschieden die Schwerpunkte der Kandidaten sind, so unterschiedlich fällt auch ihre Bilanz zum Wahlkampf aus. „Ich bin froh, dass es bald vorbei ist“, sagt Martina Tigges-Friedrichs. Anstrengend sei es für sie gewesen, zumal in ihren beiden Hotels in Bad Pyrmont gerade Hochsaison sei. Auftrieb habe sie aber durch die positiven Gespräche mit den Bürgern erhalten.

Auch Gabriele Lösekrug-Möller freut sich nach zwölf Wochen Wahlkampf und 6500 gefahrenen Kilometern auf den Wahlsonntag. „Viele haben den Wahlkampf als langweilig abgetan, aber ich fand ihn anstrengend und gleichzeitig ermunternd“, so die SPD-Kandidatin.

Eine rundum positive Bilanz zieht Marcus Schaper. Riesig Spaß habe es dem Grünen-Kandidaten gemacht, mit den Menschen zu diskutieren und über Lösungswege nachzudenken. „Wenn ich nur bei dem einen oder anderen das Interesse an Politik geweckt habe, hat sich der Wahlkampf voll gelohnt“, meint Schaper.

„Viele spannende Gespräche“ hat auch Hans-Peter Thul in den letzten Wochen geführt. Für den Abgeordneten ist die „Wahlkampfzeit eine der interessantesten Zeiten in der Politik“. Jutta Krellmann machte die Erfahrung, dass die Linke nun auch im Westen „als Partei wahrgenommen wird, die die Interessen der Menschen vertritt“. Froh sei Krellmann vor allem darüber, ihre vier Konkurrenten nicht länger auf Podiumsdiskussionen sehen zu müssen.




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