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Hinter den Kulissen: Die Vorbereitungen für ein Musical auf Rollschuhen

„Niemand von uns hat nur eine Rolle“

Aerzen. Bis ein Rollschuhmärchen zustande kommt, ist viel Arbeit nötig. Sehr viel mehr, als die meisten Leute vielleicht denken. Im Rahmen meines Praktikums bei der Dewezet erzähle ich ein wenig von den Aspekten unseres jährlichen Märchens, die den Zuschauern verborgen bleiben. Ich bin seit 2008 Mitglied im VfR Aerzen. Robin Hood ist das siebte Musical, bei dem ich mitwirke.

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Autor:

Lina Rinne

Viele Monate vor der ersten Aufführung einigen wir uns in einer Konferenz auf eine Geschichte. Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Der Text muss angepasst und aufgenommen werden. Dazu brauchen wir passende Musik. Trainerin Manuela Bormann und ein paar Kotrainer kümmern sich darum, die Einzelküren und Gruppendarbietungen zu planen und auszuarbeiten. Die Kulissen werden, unter Regie von Anke Töpperwien, bemalt, herangeschafft und aufgebaut. Die Cafeteria muss organisiert werden und Freiwillige aus dem Verein oder von außerhalb backen Kuchen, Brezeln oder kümmern sich um den Salat. Auch für uns Läufer gibt es immer Kuchen, Obst und etwas zu trinken, damit wir in kleinen Pausen etwas essen können.

Wenn das Training anfängt, ist es bereits Herbst und wir haben nur noch wenige Monate Zeit, um unsere Küren zu lernen. Die Gruppennummern trainieren wir etwa alle zwei Wochen einmal. Vor dem ersten Märchen haben wir also nur wenige Trainingsstunden. Oft klappt erst bei der Generalprobe alles so gut, dass unsere Trainerinnen zufrieden sind. Die Hauptrollen haben mehr zu tun, denn sie müssen auch ihren Sprechtext auswendig lernen. Obwohl natürlich alles fertig aufgenommen ist, muss jeder seinen Einsatz kennen und den eigenen Text durch Mimik und Gestik verständlich machen.

Derweil entstehen die neuen Kostüme, denen meist erst am Tag der Aufführung der letzte Schliff gegeben wird. Einige Kostüme von vorherigen Märchen können wir wiederverwenden. Meistens fügen wir auch ältere Kulissen, wie die Windmühle vom Glöckner von Notre-Dame nun bei Robin Hood, in das Bühnenbild ein. Wichtig ist auch das Besorgen von Requisiten. Dabei kann es sich um sehr kleine Dinge, wie eine Halskette, handeln. Manchmal müssen wir aber auch einen Anhänger zu einer Kutsche umfunktionieren oder Dinge wie Schwert und Bogen selber basteln.

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  • V. li. Trainerin Manuela Bormann als Freundin von Robin Hood, hier dargestellt von Jennifer Schacht.

Am Tag der ersten Aufführung sind alle sehr aufgeregt. Schließlich soll alles klappen. Die Kulissen werden immer schon am Freitag aufgebaut, aber trotzdem ist noch viel zu tun. Hier fehlt ein Rollschuh, dort ist ein Kostüm zerrissen und manch einer sucht seinen Szenenplan. Wenn die Frisuren sitzen, die Gesichter geschminkt sind und alle Kostüme passen, kann es losgehen. Wir warten alle auf unseren ersten Einsatz. Hinter den Kulissen herrscht immer reges Treiben. Viele müssen sich innerhalb von Minuten umziehen oder zur nächsten Position laufen, bevor ihr Einsatz beginnt. Denn niemand von uns spielt nur eine Rolle. Zwei oder drei Rollen sind normal. Deshalb haben viele Läufer wenig Zeit zwischen den kurzen Auftritten. Wir versuchen immer, ein perfektes Märchen aufzuführen, aber eigentlich geht jedes Mal etwas schief.

Wenn ein Musical stattfindet, sind wir Läufer und alle Helfer oft den ganzen Tag in der Turnhalle. Deshalb sind die letzten Töne der Musik und der abschließende Applaus des Publikums sehr erleichternd. Und es zeigt uns auch, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat.

Nach der letzten Aufführung hat dann der ganze Stress ein Ende. Zumindest für ein halbes Jahr, bevor die Vorbereitungen wieder anfangen. In dieser Zeit passiert aber trotzdem etwas: Mehrmals in der Woche findet Training statt und viele bereiten sich auf deutschlandweite Wettkämpfe vor.

Die Glühwürmchen bei der Probe. Bei der Aufführung im Schwarzlicht sind die jungen Rollschuhläufer nicht zu sehen, es leuchten nur die gelben Elemente.



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