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Weg mit dem Körperschmuck: Tattooentferner haben einen komplizierten Job

Nichts muss für immer sein

Früher hieß es: Ein Tattoo ist für die Ewigkeit. Doch dieser Satz stimmt nicht mehr. Längst lassen sich Tätowierungen wieder entfernen. Dafür sorgen Tattooentferner. Das Verfahren ist aufwendig. Und selten verschwindet der Körperschmuck spurlos.

Sich ein kleines, chinesisches Schriftzeichen tätowieren zu lassen, dauert zwei oder drei Sitzungen, erklärt Carsten Philipp. Er ist leitender Arzt im Zentrum für Lasermedizin einer Klinik. Um es wieder zu entfernen, müssen Patienten deutlich öfter kommen. Dabei kostet eine Behandlung zwischen 120 und 140 Euro.

Soll ein Tattoo entfernt werden, sendet ein Lasergerät Lichtimpulse aus und zerstört die Farbpigmente in der Haut, erläutert Prof. Wolfgang Bäumler, der zum Thema Tattoos an der Universität Regensburg forscht. Die Teilchen sind dann so klein, dass sie über die Lymphe abtransportiert werden können. Mit den derzeit verfügbaren Lasern bekommt man manche Farben wie Gelb aber oft nicht weg. Im schlimmsten Fall bleibt das Tattoo deshalb am Ende zum Teil stehen, erklärt Prof. Bäumler.

Beim Lasern trägt Carsten Philipp eine Spezialbrille, welche die Augen vor den Strahlen schützt.

Im Prinzip kann die Dienstleistung jeder anbieten, der einen Laser und einen Gewerbeschein hat. Die Laser kosten ab 10 000 Euro aufwärts. Um so ein Gerät betreiben zu können, braucht es einen Laserschutzkurs. Der lässt sich an ein bis zwei Wochenenden absolvieren und kostet nicht mehr als ein paar Hundert Euro.

So hat auch Markus Lühr angefangen. Er ist Geschäftsführer einer Entfernungskette mit mittlerweile sieben Standorten in Deutschland. Eigentlich ist er gelernter Marketingkaufmann. Vor acht Jahren hat er sich mit seiner Frau zusammen selbstständig gemacht. Pro Tag behandeln die beiden in ihren Studios bis zu 60 Tätowierungen. „Wir sind selbst vom Erfolg überrascht.“

Lühr und seine Frau haben sich die Tattooentfernung autodidaktisch beigebracht. Inzwischen bieten sie selbst einen Wochenendkurs zum Thema an. Zu ihnen kommen zum Beispiel Kosmetiker und Heilpraktiker, die das Entfernen von Tattoos als Zusatzgeschäft anbieten wollen.

Doch zu einfach sollte man sich das Handwerk nicht vorstellen. Wer beim Lasern Fehler macht, kann die Haut schwer schädigen. Es kann zu Schwellungen und Blasen kommen, und die Kunden können im schlimmsten Fall Schmerzensgeldforderungen stellen.

Eins bleibt den Kunden nicht erspart: Genau wie das Tätowieren schmerzt auch die Entfernung. Das ist bei Carsten Philipp in der Laserambulanz gut zu beobachten. Als der Laser auf die Haut seines Patienten trifft, ballt der Mann die Hand fest zur Faust zusammen. Die Adern am Arm treten hervor, die Muskeln zeichnen sich ab. „Geht‘s noch“?“, fragt Philipp, bestimmt zum dritten oder vierten Mal. Ein leises Brummen. Dann nimmt er einen neuen Eiswürfel, drückt ihn auf das Sonnen-Tattoo am Oberarm seines Kunden, setzt den Laser an und schießt. Die Haut des Mannes ist geschwollen und rot.




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