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Comiczeichner Ralf König spricht im Interview über Humor, Lieblingsfiguren und den Einfluss Wilhelm Buschs

Nicht nur komisch

Wiedensahl. Alle zwei Jahre wird der Max-und-Moritz-Preis auf dem Comic-Salon in Erlangen an ausgezeichnete Künstler verliehen. Den „Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk“ bekam dort jüngst Ralf König (54) verliehen, der anlässlich der Ausstellung „Endlich Comic!“ nach Wiedensahl kommt. König zählt zu den populärsten deutschen Comic-Zeichnern. Seinen Durchbruch schaffte er 1987 mit der Graphic Novel „Der bewegte Mann“, die in den Neunzigern verfilmt und in 47 Ländern über die Kinoleinwand flimmerte. Im SN-Interview redet König über tragikomischen Humor, Lieblingsfiguren und Wilhelm Busch.

Welche Rolle spielt Wilhelm Busch für Ihre Arbeit? Irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Ich war noch sehr klein und konnte noch nicht lesen, da entdeckte ich das dicke Busch-Buch im Wohnzimmerregal meiner Eltern. Die reine Bildabfolge hat mich sehr fasziniert und auch ein bisschen verstört, da geht es ja doch stellenweise recht brutal zu. Ich denke, Busch hat mir den Anstoß gegeben, schon als Knirps selber Bildergeschichten zu zeichnen. Micky Maus und Asterix kamen ja erst viel später. Außerdem glaube ich, Wilhelm Busch war ein cooler Typ in seiner Zeit. Sein treffsicherer Blick auf deutsche Spießigkeiten und bigotte Frömmigkeit. Ich glaube, mit dem Mann hätte ich gut mal ein Bier trinken gehen können.

Was verbinden Sie mit Wiedensahl? Schon mal dort gewesen?

Nein. Ich bin neugierig auf dieses Geburtshaus. Als die Anfrage nach der Ausstellung kam, war mir gleich klar, dass ich zur Eröffnung komme.

Sie haben schon in Frankfurt, Köln und Berlin ausgestellt. Bereitet man sich auf eine Show in einem 1000-Einwohner-Dorf wie Wiedensahl anders vor?

Das müssen Sie die Crew vom Museum fragen. Ich versuche nur, die gefragten Zeichnungen zu finden in meinem Künstler-Chaos.

Was kommt zuerst: der Text oder die Bilder?

Beides entsteht miteinander im Wechsel. Das Bild bedingt den Dialog und andersrum. Es ist viel Spontaneität dabei, ich schreibe nicht zuerst ein festes Skript. Ich habe eine Idee und fange an. Allerdings zeichne ich mich mit der Methode auch gelegentlich in die kreative Sackgasse, das ist das Risiko. Da geht dann vieles in den Papierkorb.

Homophobie, islamistische Sexualmoral, HIV – Sie greifen Themen auf, die auf den ersten Blick nicht gerade nach Humor schreien. Warum und was kommt als Nächstes?

Im Drama liegt die Komik. Tragikomischer Humor ist der beste, finde ich, und so finde ich selbst in den trockenen Paulusbriefen den Witz und zeichne ein Buch wie „Antityp“ über den spaßfreien Apostel. Ich war sehr lange Woody-Allen-Fan, vielleicht kommt das daher. Ich will nicht nur komisch sein. Mein nächstes Buch dreht sich um allzu leicht zugängliche Internet-Pornografie und die Probleme damit – für Kinder, Jugendliche, Männer, Ehemänner, Ehefrauen, Beziehungen. Auch erst mal nicht komisch.

Haben Sie eine Lieblingsfigur aus Ihren Werken?

„Konrad und Paul“ sind mir am nahesten, die Dialoge fallen mir leicht. Ein schwules, langjähriges Beziehungspaar, der eine ein Feingeist mit Hang zur klassischen Musik, der andere der Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll-Lederkerl, der nichts anbrennen lässt. Das sind zwei Seelen in meiner Brust.

30 Jahre Max-und-Moritz-Preis: Wie hat sich der Stellenwert der Comics in Deutschland verändert?

Ich weiß nicht, es gibt inzwischen viele gute Bücher für Erwachsene, die nun Graphic Novels heißen, aber die kommen nicht in die Bestsellerlisten. Nach dem Lebenswerk-Preis auf dem Comic-Salon Erlangen hatte ich kaum ein Interview, was einiges aussagt. Die deutsche Comicszene brät leider noch zu sehr im eigenen Saft.

Wie kann man sich eigentlich eine Comic-Lesung vorstellen?

Ich werfe mithilfe eines Beamers die einzelnen Bilder auf die Leinwand und lese die Sprechblasen dazu vor, und das mit einigermaßen verstellten Stimmen, also möglichst „schauspielerisch“. Das macht Spaß, und ich habe das späte Vergnügen, direkte Publikumsreaktionen mitzukriegen. 25 Jahre lang lasen die Leute meine Bücher ja eher allein für sich auf dem Sofa oder dem WG-Klo, jedenfalls war ich nicht dabei.

Welchen Comic haben Sie zuletzt gelesen?

„Pyongyang“ von Guy Delisle, bei Reprodukt. Ein hochinteressanter Einblick in die bizarre Welt von Nordkorea, gezeichnet von einem, der eine Weile dort war und an einem Trickfilm arbeitete. Ein gutes Beispiel dafür, dass nur Comics können, was Comics können.kil, r




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