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Muckermann-Passage mit Gedenktafel "getauft" / Andenken an die Brüder Hermann und Friedrich

Nicht nur ein schönes Zeichen, sondern ein Signal

Bückeburg (bus). Die offizielle Namensgebung der Muckermann-Passage ist am Sonntag auf bemerkenswerte Resonanz gestoßen. Etwa 150 Menschen verfolgten die Enthüllung einer Gedenktafel durch Hans Steinhage. Mit der von der katholischen Gemeinde St. Marien auf den Weg gebrachten Benennung des entlang des Sparkassengeschäftsstelle von der Langen Straße zum Dr.-Witte-Platz führenden Durchgangs nach den Brüdern Hermann und Friedrich Muckermann setze deren Heimatstadt "nicht nur ein schönes Zeichen sondern vielleicht auch ein Signal: Bückeburg macht den Anfang - mögen andere folgen!", teilte Dr. Hubert Gruber in einem vor Ort verlesenen Grußwort mit.

Etwa 150 Personen nehmen an der Namensgebungsfeier teil. Hans St

Der Muckermann-Biograf würdigte Friedrich Muckermann als nonkonformistisch und radikal agierenden Ordensmann, dem die Ehrung aufgrund seiner kompromisslosen Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Regime und seiner Tätigkeit als Publizist in der Zwischenkriegszeit zu Recht zuteil werde. Dr. Johannes Schwarte, dessen Grußwort ebenfalls vorgelesen wurde, stellte Klarsicht, Einfallsreichtum, Schaffenskraft und Unbestechlichkeit des Jesuitenpaters heraus."Friedrich Muckermann hat diese Auszeichnung nicht nur verdient, sondern er kann uns auch unter veränderten Zeiten mit veränderten Herausforderungen Vorbild sein in seiner Klarheit des Urteils und seinem Mut zum Aussprechen unbequemer Wahrheiten", schrieb der Münsteraner Sozialethiker. Peter Kohlmann stellte die Brüder in eine Reihe mit den (derzeit noch) bekannteren Bückeburger Widerständlern Karl Wiehe, Wilhelm Mensching und Kurt Freiherr von Plettenberg. Beide hätten zu Beginn der NS-Herrschaft jeweils auf ihre Art das Unrecht angeprangert. Der stellvertretende Bürgermeister: "Friedrich wurde als Staatsfeind Nummer eins steckbrieflich gesucht und flüchtete 1934 nach Holland. Hermann erhielt wegen seiner Vortrags- und Lehrtätigkeit Rede- und Berufsverbot." Kohlmann lobte zudem das Engagement von St. Mariens Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Johannes Kersting, dem ein großer Teil der Realisierung des Projekts zuzuschreiben sei. Den niederländischen Part verkörperte während der Namensgebungsfeier Hans Steinhage. Der 88-Jährige verfolgte die Veranstaltung in Begleitung seiner Lebensgefährtin Jo van Harzten. Steinhage war 1940 in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert worden, weil seine Familie Friedrich Muckermann wesentlich bei der Herausgabe der Wochenzeitung "Der Deutsche Weg" unterstütz hatte. Der niederländische Gast, der fünf Jahre Lagerhaft überlebte, verfolgte die Zeremonie ebenso wie zahlreiche Muckermann-Verwandte und der größte Teil des Publikums relativ entspannt. Was nicht zuletzt dem strahlend blauen Himmel und der relaxten musikalischen Umrahmung durch das Saxophon-Quartett der Musikschule Schaumburger Märchensänger zu verdanken war. Die Musiker intonierten nicht etwa molllastiges Besinnungsmaterial sonder durchaus flotte Kompositionen der Beatles. Bei "When I am Sixtyfour" war in der Zuhörerschaft ein vorsichtiges Fußwippen wahrzunehmen.

Eine Gedenktafel an der Passage erinnert an das Wirken der Mucke
  • Eine Gedenktafel an der Passage erinnert an das Wirken der Muckermanns. Fotos: bus
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