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Neun-Kinder-Problem: In den münderschen Kitas wird es eng

BAD MÜNDER. Wer zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt wird, muss im gleichen Jahr eingeschult werden. Diese Vorschrift hat das Land aufgeweicht. Und beschert Kindergärten damit ein Problem. „Flexibilisierung des Einschulungsstichtag“ nennt sich die Änderung im Schulgesetz, die seit Februar gilt.

Eltern dürfen jetzt die Schulpflicht hinausschieben – das führt zu Problemen in den Kitas. Foto: dana
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Hinter dem bürokratischen Begriff verbirgt sich eine Stärkung des Elternwillens: Soll mein Kind schon in die Schule gehen? Oder lieber noch ein Jahr in den Kindergarten? Jeweils bis zum 1. Mai können sich Eltern entscheiden – eine recht knappe Frist, findet Bad Münders zuständige Fachbereichsleiterin Elisabeth Borcherding.

Denn in den Kindergärten müssen die Plätze der betroffenen Mädchen und Jungen solange freigehalten werden. Im laufenden Jahr bestand bei 34 Kindern im Stadtgebiet diese Möglichkeit – neun Eltern nutzten sie am Ende.

Auf den ersten Blick keine große Zahl. Auf den zweiten Blick nutzten immerhin 26,5 Prozent der Eltern das Angebot – Borcherding spricht von einer rechnerischen „Kleingruppe“, die nun zusätzlich Regelplätze in den Kitas belege. Und: Eltern, die dahinter in der Warteschleife steckten, erführen erst recht spät, ob es mit dem Wunschplatz etwas wird.

Natürlich versuche man, den Effekt abzumildern, indem die Kitas frühzeitig Gespräche mit den Eltern führten, erklärt Borcherding. Trotzdem sei der Effekt deutlich spürbar – zumal schon abzusehen sei, dass etwa für das Schuljahr 2020/21 schon 40 Kinder für die neue Regelung infrage kommen.

Gewisse rechnerische Unsicherheiten hätten auch schon vorher bestanden, räumt Borcherding ein: So wurden jedes Jahr vereinzelt Kinder während der Schuleingangsuntersuchungen zurückgestuft. Andere Eltern nutzen die Möglichkeit, ihre Kinder schon ein Jahr vor dem Pflichttermin einschulen zu lassen. „Aber dieser Effekt wird jetzt noch einmal verschärft.“

Die Münderaner CDU-Landtagsabgeordnete Petra Joumaah, die im Februar für die Änderung stimmte, erklärte diese Woche im Bildungsausschuss der Stadt, vor allem Abgeordnete, die wie sie auch in der Kommunalpolitik verwurzelt seien, seien „durchaus nicht einverstanden“ mit dem Stichtag 1. Mai gewesen, der nun zu den knappen Fristen führe.

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