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Neuer Vikar setzt auf religiöse Bezüge in Filmen

BAD MÜNDER. „In dem, was die Leute in ihrem Leben am meisten beschäftigt, zum Beispiel Filme und Videospiele, können sie auch den Glauben an Gott finden“, sagt der neue Vikar der Petri-Pauli-Gemeinde, Hartmut Günther. Er teilt die Leidenschaft von Pastor Dietmar Adler, Gottesdienste mit Filmen gestalten.

Hartmut Günther war viele Jahre in der Hotelbranche tätig. Mit Mitte 30 wagte er den Schritt zum Theologiestudium. Foto: Lindermann
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Dabei hatte der gebürtige Schwabe ursprünglich gar nicht so viel mit dem Glauben an Gott zu tun. Ebenso vielfältig verlief auch sein Weg zu seiner heutigen Tätigkeit. Er habe im Laufe seines Lebens schon viele Berufe gehabt, erklärt der 40-Jährige. Der Schwerpunkt lag allerdings auf seiner Ausbildung zum Hotelfachmann und zum staatlich geprüften Betriebswirt. „So richtig wohlgefühlt habe ich mich aber nie“, sagt Günther. Über Umwege kam er schließlich auf die Idee, den Meistertitel zu erwerben, um so als Berufsschullehrer in ganz Deutschland arbeiten zu können.

Nach dieser Zeit sollte sich sein Leben grundlegend ändern. Durch einen Bekannten stieß er auf eine Bibelstelle, die ihn sehr berührt habe. Daraufhin „habe ich sozusagen einen Deal mit Gott gemacht und ihm gesagt: Du übernimmst jetzt mein Leben.“ Mit Erfolg – nur kurze Zeit später trat eine Gesetzesänderung in Kraft, die es Günther ermöglichte, durch seinen Meistertitel auch ohne Abitur ein Studium aufzunehmen.

„Ich habe mir dann überlegt, was ich gerne studieren wollte“, erzählt er. „Vieles fand ich interessant, zum Beispiel Archäologie und Geschichte. Bei der Theologie habe ich all das verbinden können.“ Und so drückte Günther mit Mitte dreißig noch einmal die Schul-, oder vielmehr die Unibank, nämlich an der Universität in Kiel.

Bereits während seines Studiums arbeitete er mit Konfirmanden, bot Seelsorge und hielt erste Gottesdienste. Sehr gerne nutzte er dabei auch Kinofilme, um theologische Botschaften zu unterstreichen und Menschen alter Altersklassen anzusprechen. Diese Arbeit setzt er jetzt in Bad Münder bei seinem Vikariat fort. Das Vikariat ist etwa vergleichbar mit einem Referendariat bei der Lehrerausbildung und besteht aus praktischen Teilen und der theoretischen Ausbildung im Predigerseminar.

Dass er mit Dietmar Adler, seinem Mentor im Vikariat, allerdings auf jemanden stieß, der die Leidenschaft zu Filmen im Gottesdienst teilt, war Zufall. Oder etwa nicht? „Ich glaube nicht an Zufälle, das war eine Vorhersehung“, sagt Günther schmunzelnd. Die Verbindung von Film und Glauben ist für ihn ganz selbstverständlich, denn „die meisten Filme beruhen in gewisser Weise auf biblischen Geschichten.“ So hätten etwa Superhelden den Ursprung im Alten Testament, Fantasyfilme thematisierten häufig ein Königreich und den Kampf von Gut gegen Böse und in der Reihe „Die Chroniken von Narnia“ symbolisiere der Löwe Aslan Gott. Auch christliche Inhalte wie Liebe, Opfer, ein vorbestimmter Weg, Tod- oder auch Nahtoderfahrungen würden in vielen Filmen thematisiert. Nach dem regulären Einstieg in den Gottesdienst zeigt er daher häufig kurze Ausschnitte aus Filmen, um im Anschluss daran einen religiösen Bezug dazu herzustellen. Nach dem Gottesdienst haben die Besucher die Möglichkeit, den Film komplett ansehen.

Für die Zukunft wünscht er sich, mit einem weiteren eher ungewöhnlichen Medium im Gottesdienst zu arbeiten: dem Videospiel. Denn auch hier gebe es vielfältige Bezüge zum Glauben, ob nun historische Videospiele mit Bezügen zu den Kreuzrittern oder moderne Spiele, die, wenn auch untergründig, die Angst thematisierten, ausgeschlossen zu werden.

„Es ist gut und wichtig, dass die Kirche anfängt, sich in den modernen Medien wohlzufühlen“, findet der Vikar. „Wir müssen weg von der 60er-Jahre-Theologie.“ Stattdessen wünsche er sich, dass die Menschen im Glauben einen Bezug zu ihrem Leben sehen, um so „ihre Spiritualität wiederzufinden und auch dazu zu stehen“, sagt Günther, dem die Seelsorge in seiner christlichen Arbeit sehr wichtig ist.

Für sein Vikariat ist Günther mit seiner Lebensgefährtin in die Kernstadt gezogen. In den ersten Monaten seiner bis Anfang 2020 dauernden dualen Priesterausbildung hat er schon eigene Gottesdienste sowie Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen geleitet. Am 23. Januar hält er seine erste Predigt. In seinem neuen Beruf fühlt sich Hartmut Günther sehr wohl – auch wenn er es nicht als Beruf sieht, sondern als „eine, wenn auch späte, Berufung“.

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