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Neuer Antrieb für das soziale Leben in Nienstedt

NIENSTEDT. Keine Bankfiliale, kein Arzt, keine Poststelle. Sogar die einzige Kneipe hat schon vor Jahresfrist dicht gemacht. So wie Nienstedt, das sich „die Perle im Deister“ nennt, geht es vielen kleinen Ortschaften im ländlichen Raum. „Ein Bus früh raus und abends wieder rein, das ist alles“, klagt eine Einwohnerin.

Weiß die Besucher für das Projekt zu begeistern, obwohl noch sichtlich viel in dem Gebäude zu tun ist: Herwig Glatzel (re.). Fotos: Huppert

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Christoph Huppert Reporter

Die Perle hat erheblich an Glanz verloren. „Wir haben keine Räume mehr für Gesellschaften“, bemängelt auch Armin Mehmke. Der 67-jährige ehemalige Polizeibeamte und passionierte Bergsteiger wohnt mit seiner Frau Anke seit 14 Jahren in Nienstedt. „Wir brauchen dringend etwas, das das soziale Umfeld festigt und die Leute wieder zusammenbringt“, stellt er fest.

Mit ihren „Schmiedebackhaus“-Plänen wollen Herwig Glatzel und Sabine Gatzemeier neue Impulse geben. Nach dem Erwerb von drei recht baufälligen Immobilien suchen Glatzel und seine Mitstreiter nun Helfer, die die angedachten Projekte auf den Weg bringen. „Wir wollen den Karren nur anschieben“, definiert Glatzel seinen Part. Und das Interesse ist groß. Viele Nienstedter sind zum Informationstermin am Sonnabend gekommen, um die alte Schiede, das Wohnhaus nebenan und die ehemalige Scheune in Augenschein zu nehmen. „Das ist toll. Hier könnte man so viel machen. Ja, wir sind ein Ort, in dem Ideen wachsen“, begeistert sich auch Stefanie Michel. Von Brotback-Kursen für Kinder, Kinderbetreuung im Mehrgenerationenstil durch Senioren, ein Café als neuem sozialen Treffpunkt bis zu einem Heuhotel für Wanderer zu Fuß und per Rad reicht die Ideenpalette. „Ich hätte am liebsten eine Kunstwerkstatt für Kinder oder ein offenes Atelier“, so Kunsterzieherin Anja Busse, die mit ihrer fünfjährigen Tochter Maria gekommen ist. „Ein Ort, wo man wieder feiern kann“, steht auf der Wunschliste von Brigitte Heide ganz oben. „Für Familienfeiern müssen wir nämlich jetzt immer zur Mooshütte rüber. Das ist umständlich“, klagt die Nienstedterin.

Glatzel, Gatzemeier und der ehemalige Vermessungsingenieur Hans-Wilhelm Hurt führen die Interessen durch die drei Gebäude. „Mit der Stadt haben wir ein nettes Gespräch geführt, die unterstützen uns, wenn auch nicht finanziell“, berichtet Glatzel. Man sei dabei, das Projekt genauer zu formulieren und einen Leader-Antrag auf EU-Mittel zu stellen. Doch das sei ein komplizierter Prozess, so Glatzel. „Wir sind ja Greenhorns, sind aber dabei, uns in dieser Sache schlau zu machen.“

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Einige Besucher tragen sich gleich als Helfer in die Listen ein.

Kritische Stimmen sind am Vor-Ort-Termin kaum zu hören. Stattdessen dominieren Zuversicht und Ideenreichtum. Glatzel: „Wir brauchen auch gesunden Pessimismus, vor allem aber Leute, die den Willen haben, mit anzupacken, in welcher Form auch immer.“ So wie Armin Mehmke. „Ich kann schleppen, tragen, Bäume fällen“, sagt der und trägt sich gleich in die Liste ein.

Auf gut 700000 Euro schätzt Glatzel die Sanierungskosten für die rund 600 Quadratmeter große Anlage. Hilfe in jeder Form, ob als theoretisches Know-how oder in handfesterer Art, ist jetzt vonnöten, damit die Vision vom neuen sozialen Zentrum in Nienstedt Wirklichkeit werden und die matte Perle neuen Glanz bekommen kann. Kontakt ist über die im Aufbau befindliche Webseite www.schmiedebackhaus.de möglich.



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