weather-image
25°
Nabu startet Aktion für Geburtshelfer- und Kreuzkröten / Teiche im Steinbruch

Neue Tümpel und Teiche sollen Kröten das Überleben erleichtern

Kleinenbremen (rnk). Zwei Tiere haben sie im Frühling noch rufen hören, zehn waren es vor 24 Monaten: Höchste Zeit also, der Geburtshelferkröte beim Überleben unter die vier Füße zu greifen. Mit einem großen Radlader und einem Kettenbagger lassen Bruno Scheel und Dr. Holger Buschmann im Steinbruch Wülpker Egge an diesem Sonnabend große und kleine Gewässer anlegen, damit die Geburtshelferkröten- und auch die Kreuzkrötenpopulationen hier nicht aussterben.

Mit schwerem Gerät werden im Steinbruch Wülpker Egge neue Tümpel

Ehrenamtlich arbeiten Scheel, seit Jahrzehnten Naturschützer aus dem Schaumburger Land, und Buschmann als Artenschutzreferent des Naturschutzbundes Schaumburg, an diesem Morgen, wie immer halt. Aber immerhin: Probleme gab es im Vorfeld nicht. Für die Anlage der Tümpel musste der Rekultivierungsplan geändert werden, eigentlich sollte das Tal mit Fremdboden wieder aufgefüllt und dann mit Bäumen aufgeforstet werden. Aber die jahrzehntelange Arbeit für den Naturschutz trägt Früchte, wie Buschmann erklärt. Weder bei der Zusammenarbeit mit dem hier zuständigen Kreis Minden/Lübbecke noch beim Landkreis Schaumburg gibt es nennenswerten Widerstand, wenn beide Pläne vortragen: "Unser Wort gilt mittlerweile etwas", meint Buschmann. Generell werde zumeist nicht diskutiert, ob es sinnvoll ist, eine Maßnahme durchzusetzen oder nicht, "sondern nur noch, was machbar ist", erklärt der in Göttingen lebende und arbeitende Buschmann. Und die Antwort auf diese Frage hängt oft damit zusammen, wem die Flächen in den Steinbrüchen gehören. Meistens sind sie verpachtet, zuweilen sind dann in den Gesprächen dicke Bretter zu bohren, ehe die Naturschützer ihre Pläne umsetzen dürfen. In der Wülpker Egge ist dies nicht so, alles gehört hier den Barbara Rohstoffbetrieben, die wiederum heute zur Wesling-Gruppe gehören. Man kennt sich, man schätzt sich, zwei Mitarbeiter bedienen die Radlader, Scheel und Buschmann geben Anweisungen. Versuch und Irrtum, heißt die Methode, mit der die beiden vorgehen: Immer wieder neue Tümpel anlegen, immer wieder neue Angebote schaffen - und dann schauen, wo sich die Tiere heimisch fühlen; und daraus die entsprechenden Lehren ziehen. Das hat sich bei der europaweit gefährdeten Gelbbauch-unke schon bewährt, um deren Populationen sich Buschmann und Scheel seit Jahren bemühen (und die sie im Landkreis Schaumburg zur vermutlich niedersachsenweit größten aufgebaut haben), das funktioniert auch bei der Geburtshelferkröte. Für die hat der Nabu-Kreisverband vor ein paar Wochen im "Garten der Geliebten Steine" unterhalb der Paschenburg einen Teich angelegt: Hier sind jetzt die ersten Larven gesehen worden. Für die Geburtshelferkröte müssen die Teiche und Tümpel deutlich tiefer als für die Kreuzkröte angelegt werden: Die Larven überwintern im Teich. Es ist eine Arbeit, die hier im Steinbruch ein schnelles Verfallsdatum hat. Zwei, höchstens drei Jahre bleibt die Kreuzkröte in den kleineren Teichen, dann haben die Pflanzen die Oberhand gewonnen, ehe dann die Naturschützer die Tümpel wieder neu modellieren müssen.

Holger Buschmann
  • Holger Buschmann
0000456929-12.jpg
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare