weather-image
28°
Acht Lämmer mit schweren Missbildungen geboren / Experten: Keine Ansteckungsgefahr für Menschen

Neue Tierseuche erreicht Bad Münder

Bad Münder (mf). In Deutschland breitet sich derzeit eine neue Tierseuche aus: Das sogenannte Schmallenberg-Virus, das bei Schafen, Ziegen und Rindern zu Miss- und Fehlgeburten führt, wurde inzwischen in bundesweit rund 50 Betrieben nachgewiesen. Seit gestern gibt es offiziell auch einen Fall in Bad Münder.

270_008_5175784_lkbm_schaf_neu.jpg

Wie das Referat für Sicherheit und Verbraucherschutz beim Landkreis Hameln-Pyrmont mitteilte, hat das Veterinärinstitut Laves in Hannover einen entsprechenden Befund bestätigt. Betroffen ist laut Behörde ein Lamm, das vor wenigen Tagen in einem Stall in Bad Münder mit Missbildungen auf die Welt gekommen ist. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich allerdings keineswegs um einen Einzelfall. Der betroffene Schafzüchter bestätigte auf Anfrage, dass bei ihm seit Jahresbeginn schon acht Tiere mit schweren Fehlbildungen geboren wurden.

„Einige davon kamen schon tot zur Welt, andere hatten deformierte Unterkiefer, überlange Beine oder einen völlig krummen Rücken.“ Beim ersten Lamm habe er sich noch keine Gedanken gemacht, „als es dann wieder passierte, habe ich sofort die Behörden verständigt“, sagt der Münderaner, der knapp 60 Muttertiere in seinem Stall hält.

Das Schmallenberg-Virus, das offenbar durch Blut saugende Insekten übertragen wird, war im vergangenen Herbst zunächst in den Niederlanden entdeckt worden. Unklar ist noch, ob der Erreger neu eingeschleppt wurde oder schon länger unerkannt in Europa vorkommt. Für Menschen ist die Krankheit nach Meinung von Fachleuten ungefährlich. „Nach meinem Kenntnisstand besteht hier kein Risiko einer Ansteckungsgefahr“, sagt Kreisveterinär Dr. Peter Bolten.

In Deutschland war der Erreger erstmals im sauerländischen Schmallenberg nachgewiesen und deshalb Schmallenberg-Virus genannt worden. Nordrhein-Westfalen ist bislang denn auch am stärksten betroffen.

Bis Ende vergangener Woche wurden aber auch bereits etwa 35 missgebildete Schaflämmer im Laves Hannover obduziert. Nach Einschätzung von Experten ist dies womöglich nur die Spitze des Eisbergs. Man nehme die Lage sehr ernst, heißt es. Denn die Zeit, in der die Schafe ihre Lämmer bekämen, habe gerade erst begonnen. Bei den Rindern setze sie erst Ende Februar/Anfang März ein.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant deshalb kurzfristig die Einführung eine Meldepflicht für den Erreger. Impfstoffe stehen bislang nicht zur Verfügung.

Weitere Auflagen wurden dem Schafzüchter aus Bad Münder nach dessen eigenen Angaben nicht gemacht. Er halte seine Tiere im Winter ohnehin alle im Stall, sagt er. Und erst gestern habe wieder ein offensichtlich gesundes Lamm bei ihm das Licht der Welt erblickt.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare