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Nabu Rinteln pflegt Wiese in Hohenrode / 43 alte Kirsch-, Apfel- und Birnenarten

Neue Bäume von alten Obstsorten: Streuobstwiese mit Modellcharakter

Hohenrode (mld). Wiesen, auf der Obstbäume verschiedener Sorten und verschiedenen Alters stehen, gewachsen ohne den Einsatz synthetischer Behandlungsmittel, nennt man Streuobstwiesen. Vor 50 Jahren waren sie in Deutschland noch fester Bestandteil der Landschaft wie Äcker oder Weiden. Jetzt sind sie eines der am stärksten gefährdeten Biotope Mitteleuropas. Der Naturschutzbund (Nabu) setzt sich seit den achtziger Jahren für Erhalt und Pflege von Streuobstwiesen ein - so auch die Rintelner Gruppe. Im Frauenkamp in Hohenrode haben die Naturschützer seit Jahren eine Wiese gepachtet und pflegen sie ehrenamtlich.

"Eine Streuobstwiese muss von Menschenhand gepflegt werden, um ihr Potenzial zu entfalten", erklärt Nick Büscher, erster Vorsitzender der Rintelner Nabu-Gruppe. Die Wiese im Frauenkamp nennt er "ein Modellprojekt, das beweist, dass man landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Naturschutz miteinander vereinbaren kann". Denn das wertvolle Erbe dieser durch Menschen geschaffenen Kulturlandschaft droht verloren zu gehen: durch Rodungen, Umwandlungen in monokulturelle Plantagen, Bebauung in städtischen oder Verbrachung in ländlichen Gebieten. Streuobstwiesen spielen eine große Rolle beim Erhalt tausender Obstsorten und Tierarten. Charakteristische Arten sind der Steinkauz, der Grünspecht oder der selten gewordene Wendehals aus der Familie der Spechte. Die Wiese in Hohenrode liegt geschützt am Waldrand und ist natürlich durch Hecken und Buschwerk begrenzt. Wie groß sie eigentlich ist, weiß nicht einmal der Nabu selbst. Eigentlich war sie einige Zeit in Vergessenheit geraten, bis die Naturschützer sich im letzten Jahr daran machten, das Stück Pachtland zu suchen und sich wieder darum zu kümmern. 43 Obstbäume stehen hier auf der Wiese: drei Walnuss-, vier Pflaumen-, sieben Birnen-, sieben Kirsch- und 22 Apfelbäume. Die Birnen sind französischer, englischer und belgischer Herkunft, etwa wie die Herbstsorte "Triomphe de Vienne", Kirschen wie die "Hedelfinger Riesen" kommen aus Frankreich oder Deutschland, Äpfel wie der knallrote "Kaiser Wilhelm" und der "Extertaler" kommen aus Deutschland, den Niederlanden oder Dänemark. Gepflanzt hat sie der Rintelner Lions-Club vor etwa 20 Jahren. Er bezahlt dem Nabu auch die Pacht für die Wiese, 250 Euro im Jahr. "Es ist eine Kostenfrage", erklärt Kathi Büscher vom Nabu. Viel Pflege braucht die Wiese nicht: Das Obst muss eingesammelt, das Gras gekürzt, die Bäume ab und zu ausgeschnitten werden. Bis jetzt standen Pferde auf der Wiese, die aber heruntergenommen wurden. "Entweder müssen wir das Gras mähen", überlegt Büscher, "oder wir stellen Schafe darauf." Schafe sind gute Landschaftspfleger, würden aber wiederum kosten - der Naturschutzbund müsste einen Zaun um die Wiese ziehen, jeder Baum müsste einzeln vor den Tieren geschützt werden. So oder so, die Streuobstwiese in Hohenrode hat Zukunft - der Nabuüberlegt sich bereits, neue Bäume der alten Obstsorten zu pflanzen.




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