weather-image
Berufskammer bestätigt erstinstanzliches Urteil: Neun Monate Haft wegen Volksverhetzung

Neonazi-Prozess: Marcus W. muss ins Gefängnis

Landkreis (rd). Es bleibt dabei: Neonazi Marcus W. (27) aus Lindhorst, Kopf und Sprachrohr der "Nationalen Offensive Schaumburg" (NOS), muss wegen Volksverhetzung neun Monate in Haft. Das hat gestern Nachmittag die Berufungskammer des Bückeburger Landgerichts entschieden und damit ein Urteil des Amtsgerichts Stadthagen aus erster Instanz bestätigt. Gegen die Entscheidung ist allerdings Revision möglich.

Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme zweifelt die Kammer nicht daran, dass der Lindhorster Ende Januar einenüblen Hetz-Artikel auf die NOS-Homepage im Internet gestellt hat. Überlebende des Holocaust werden darin in Nazi-Terminologie als "Volksschädlinge" verhöhnt, deren Nachkommen als "Mischpoke". Der Verfasser des Textes, bei dem es sich übrigens nicht um den Angeklagten handelt, fordert die Ausweisung der Opfer nach Israel: "Schmeißt die Bande endlich raus." In seiner Urteilsbegründung empfahl der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen dem Angeklagten den Besuch einer KZ-Gedenkstätte. In dem Artikel, der auf anderen Seiten noch immer im Internet kursiert, ist vom "so genannten Holocaust" die Rede, als habe es millionenfachen Massenmord nie gegeben. Überlebenden wird unterstellt, eine "nebenberufliche Einnahmequelle" entdeckt zu haben. "Unglaublich", kommentierte von Oertzen. "Da dreht sich einem der Magen um. Einfach schäbig." Wie bereits in der ersten Verhandlung hatte Marcus W. (Spitzname "Oberst") versucht, einen Gesinnungsgenossen aus Obernkirchen als Täter zu präsentieren. Vor Gericht nahm der 20-Jährige, der nicht zum Führungskreis gerechnet wird und vergleichsweise wenig Vorstrafen hat, tatsächlich die Schuld auf sich. Hätten die Richter dies geglaubt, wäre der junge Mann das Bauernopfer gewesen und als Heranwachsender wahrscheinlich nach dem moderaten Jugendstrafrecht verurteilt worden. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft wegen der mutmaßlichen Falschaussage bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie schon am ersten Verhandlungstag (wir berichteten) sorgte der Prozess erneut für großes Publikumsinteresse, die Reihen waren voll. Sicherheit und Ruhe im Saal garantierte ein größeres Polizeiaufgebot. Ob Marcus W. länger ins Gefängnis muss als neun Monate, steht noch nicht fest. Zum Zeitpunkt der jüngsten Tat hatte der wiederholt vorbestrafte 27-Jährige, der bereits in Haft gesessen hat, zwei laufende Bewährungen, deren Widerruf nun drohen könnte. Nach eigener Darstellung lebt W. zwischenzeitlich von Hartz IV, will sich aber mit Dienstleistungen selbstständig machen. Gegen das erstinstanzliche Urteil hatten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Berufung eingelegt. Beide Rechtsmittel wurden verworfen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt