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NDZ-Serie: Als die Amerikaner Eldagsen befreiten

ELDAGSEN. Sie kamen von Dörpe aus dem Osterwald – und dort ging es für den amerikanischen Panzerverband nicht mehr weiter: Deutsche Soldaten hatten als Hitlers letztes Aufgebot Sperren aufgestellt und waren mit Panzerfäusten bewaffnet. Konrad Schäfer erinnert sich daran, wie er die Befreiung Eldagsens durch die Alliierten erlebt hat.

Konrad Schäfer hat das Kriegsende in Eldagsen miterlebt. FOTOS: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Ich war zwölf Jahre alt, als die Amerikaner kamen“, sagt Schäfer. Damals ging er an die Realschule Am Wöhlbach, „damals kamen dorthin alle zu Fuß oder mit dem Fahrrad“, das Eltern-Taxi gab es noch nicht.

Für die Schüler ab zehn Jahren – auch in Eldagsen – war zu dieser Zeit der Besuch des Jungvolks nahezu obligatorisch, der Nachwuchsorganisation der Hitlerjugend.

An die Stunden, in denen sich alles änderte, erinnert sich Schäfer noch genau: In der Nacht vom 7. auf den 8. April 1945, erinnert sich Schäfer, sei das Gebrüll von Panzermotoren im Tal unter dem Osterwald zu hören gewesen. Wenig später folgten Gefechtsgeräusche. „Wir sind dann in den Schutzkeller gegangen, den wir in unserem Haus ausgebaut hatten.“

Und: Während in Eldagsen die Panzer rollten, war in Springe noch alles ruhig. „Die Amerikaner waren zuerst in Tündern, wo sie die Weser überquert und sich dann über den Osterwald Richtung Eldagsen vorgearbeitet hatten.“

Bis sie auf die Panzersperren am Bergpass stießen. „Mein Großvater musste damals mithelfen, Bäume zu fällen und die Sperren aufzustellen“, sagt der Zeitzeuge. Verteidigt wurde die zur Abwehrstellung ausgebaute Straße nach Eldagsen von 30 Männern, die mit Panzerfäusten bewaffnet waren. Viele von ihnen sind gefallen, erinnert sich Schäfer.

Ausrichten konnten die Soldaten, allesamt Fahnenjunker und damit am Beginn der militärischen Laufbahn, nicht viel gegen die Heranrückenden amerikanischen Panzertruppen. Schäfer erinnert sich, dass 13 von ihnen gefallen sind, zehn Tote sind in den Chroniken überliefert. Ob es auch aufseiten der Amerikaner Opfer gab, ist unbekannt, aber unwahrscheinlich:

Nachdem der Weg in die Stadt frei war, passierte erst einmal nichts. Und dann schossen die Sherman-Panzer auf Eldagsen. „Die konnten wie Artillerie eingesetzt werden“, sagt Schäfer – er vermutet, dass der große Widerstand an der Panzersperre die Besatzung der Panzer vermuten ließ, dass auch in der Stadt mit Gegenwehr zu rechnen sei.

Deshalb könne man sich dazu entschlossen haben, auf Eldagsen zu feuern. „Gott sei Dank wurde aber mit Aufschlagzündern gefeuert, deshalb wurde nur relativ wenig zerstört“, sagt der Zeitzeuge. Er ist überzeugt, dass die Amerikaner, hätten sie gewollt, auch wesentlich mehr Teile der Stadt in Trümmer hätten legen können. Wären die Granaten nach dem Aufschlagen aufs Ziel erst mit einer Verzögerung explodiert, was sich einstellen lässt, wären wesentlich mehr Häuser kaputt gegangen, davon ist Schäfer überzeugt.

„Unsere ganze Familie saß im Keller – und wir haben die Einschläge gehört.“ Erst um sieben Uhr am nächsten Tag kamen die Panzer den Berg herunter und fuhren langsam in die Stadt. „Wir hörten das Dröhnen der Motoren.“ Der 85-Jährige schätzt die Zahl der Fahrzeuge heute auf 100. „Das muss eine ganze Brigade gewesen sein.“ Die Panzer fuhren demnach in zwei Reihen durch die Lange Straße, dabei zerstörten sie Alleebäume, die damals entlang der Ortsdurchfahrt gepflanzt waren. Warum sie das gemacht haben, versteht Schäfer bis heute nicht.

Gegen Mittag dann ratterten wieder die Maschinengewehre der Shermans: „Ein deutscher Jagdbomber griff sie an, die Panzer schossen zurück.“ Als der Flieger weg war, gab es zwar keine Opfer – aber die Scheune, die zum heutigen Hof Jänsch gehört, stand plötzlich in Flammen, brannte aus. „Die Amerikaner hatten gesagt, dass der Jagdbomber das verursacht habe“, weiß der Zeitzeuge. Das sei der letzte Schusswechsel in Eldagsen gewesen. Danach war er zu Ende, der Zweite Weltkrieg in der Stadt – und wenig später auch in Springe.

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