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Re-Start in Disney World

NBA ist wieder da - LeBron James geht es nicht nur um Titel

141 Tage lang gab es in den USA kein NBA-Pflichtspiel mehr, wenn die stärkste Basketball-Liga der Welt in der Nacht zum Freitag in ihre Restsaison startet. Dass sportliche Themen dabei bislang nur eine Nebenrolle spielen, ist kein Zufall.

Autor:

dpa

Vor dem Start in die ungewöhnlichste Titelentscheidung der NBA-Geschichte geht es nur am Rande um die üblichen Themen wie Meisterfavoriten und Playoff-Chancen.

Für die Profis aus der besten Basketball-Liga der Welt dreht sich vieles um die zum Schutz vor Corona errichtete Blase auf dem Gelände von Disney World. Dazu sorgen LeBron James und viele andere Spieler ganz bewusst dafür, dass Monate nach den ersten Demonstrationen in den USA die gesellschaftliche Debatte um Rassismus und soziale Ungleichheit weiterhin im Fokus steht. «Die gleiche Energie, die wir auf dem Platz haben, die haben wir für Breonna Taylor», betonte James zuletzt. Die schwarze Amerikanerin war im März im Alter von 26 Jahren bei einem Einsatz in ihrem Haus von Polizisten erschossen worden.

Superstar James will mit den Los Angeles Lakers gleich zu Beginn in der Nacht zum Freitag (3.00 Uhr MESZ) dem Meisterschafts- und Stadtrivalen Los Angeles Clippers die Grenzen aufzeigen und dann im Oktober den vierten NBA-Titel seiner Karriere holen. Und er will gerne - auch wenn er das selbst nicht sagt - als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet werden und Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks nicht nur spätestens in den Finals, sondern auch bei dieser persönlichen Auszeichnung hinter sich lassen. Mindestens so wichtig sind dem 35-Jährigen aber mehr Gerechtigkeit für Afroamerikaner und ein Fortschritt in der US-Gesellschaft.

Und so beginnen nicht nur bei James, sondern bei vielen Profis Antworten auf x-beliebige Fragen zum Fortgang der Vorbereitung oder Eindrücken aus den Testspielen derzeit sehr häufig mit Kommentaren zu den nicht verhafteten Polizisten, die am Tod Taylors beteiligt waren. Oder wie bei Trainer Rick Carlisle von den Dallas Mavericks mit einem Verweis auf den Jahrestag tödlicher Unruhen. Die NBA hat sich dem Thema als Ganzes verschrieben und will das große Bedürfnis nach Basketball in vielen US-Haushalten nutzen. Ohne diese Zusicherung hätten sich viele der Stars eine Teilnahme am Rest der Saison wohl noch intensiver überlegt als wegen der Gesundheitssorgen ohnehin schon.

So steht auf dem Spielfeld in schwarzen Großbuchstaben der Slogan «Black lives matter» (Schwarze Leben zählen). Einige Profis tragen das Motto auch statt ihres Nachnamens auf dem Trikot-Rücken. Möglich sind auch andere Botschaften. Maxi Kleber von den Mavericks etwa hat sich mit seinen Teamkollegen auf «equality» in der Landessprache geeinigt und wird mit «Gleichberechtigung» über der Nummer 42 auflaufen. «Das hat fast nicht aufs Trikot gepasst», erzählte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Spieler nutzen die Zeit in Orlando, weg von ihren Familien und ihrem üblichem Umfeld, zudem, um sich gegenseitig aufzuklären und Aktionen abzustimmen.

Nettigkeiten auf dem Platz sollte deswegen aber niemand erwarten - auch wenn es in den ersten Partien nach 20 Wochen Pause für die meisten Mannschaften einzig um ihre Position in der Setzliste für die Playoffs geht. «Das war nur ein Testspiel - aber es gab schon Trashtalk», berichtete Mavericks-Profi Kristaps Porzingis. «Wenn die Saison erst mal startet, dann wird es richtig intensiv, weil wir uns alle fühlen werden wie in den Playoffs. Und wenn es dann tatsächlich die Playoffs sind, dann wird es noch intensiver. Ich freue mich darauf, ich bin heiß.»

Die Mavericks mit Kleber und die Oklahoma City Thunder mit Dennis Schröder müssen sich keine Sorgen um ihren Einzug in die Playoffs machen, ebenso wenig Daniel Theis mit den Boston Celtics. Nach Meinung des Nationalspielers ist seine Mannschaft sogar das beste Team im Osten und der Titel im Bereich des Möglichen. «Wir haben große Teile des Teams schon länger zusammen, waren 2018 in den Conference Finals, wurden 2019 aus den Playoffs rausgeprügelt. Diese Erfahrungen können wir jetzt kombinieren, mental sind wir ideal vorbereitet», sagte er zuletzt in einem Interview bei «spox.com».

Die schwierigste Aufgabe auf dem Weg in die Playoffs haben von den deutschen Profis Isaac Bonga und Moritz Wagner mit den Washington Wizards. Nur wenn die Mannschaft aus der Hauptstadt es in den acht Partien schafft, ihren Rückstand von derzeit sechs Siegen auf maximal vier zu verkürzen, kommt es zu einer kleinen Qualifikation um den letzten Startplatz für die K.o.-Runde. Dem jungen Team fehlen dabei die Stammspieler Bradley Beal (verletzt) sowie Davis Bertrans (verzichtet) - und wie allen Mannschaften ihre Zuschauer. Per Videowand sollen 300 Fans zumindest in einer Art Videokonferenz zugeschaltet werden.




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