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Thalia Gabriel (15) boxt seit einem Jahr als einziges Mädchen in der VTR

"Natürlich will ich kämpfen dürfen!"

Rinteln (cok). Das Zirkeltraining mit seinen zwölf Stationen hat es in sich und einige der jungen Boxer aus der VTR sind nach der ersten Runde schon ganz schön verschwitzt. Thalia Gabriel aber, die 15-jährige Nachwuchsboxerin, sieht so frisch aus, als hätte sie noch gar nicht angefangen.

"Ich suchte irgendwas, wo ich meineüberschüssige Kraft loswerden

Bis vor kurzem war sie das einzige Mädchen unter lauter Jungs (gerade ist eine Mitstreiterin dazugekommen), wie ja überhaupt die Frauen einen verschwindend geringen Anteil in diesem kämpferischen und kräftefordernden Sport bilden. "Na ja", sagt sie. "Ich suchte irgendwas, wo ich meine überschüssige Kraft loswerden könnte. Und als ich Boxkämpfe im Fernsehen sah, da dachte ich: Das ist genau das Richtige für mich!" Boxtrainer Thomas Meyer, ein Hüne, der seine Truppe mit vollkommen unangestrengter Autorität zusammenhält, er hatte nicht die geringsten Bedenken gegen Thalias Entscheidung. Die Zehntklässlerin am Gymnasium Ernestinum ist schon seit Jahren Kunstturnerin und spielt außerdem leidenschaftlich Volleyball, beides Sportarten, die eine hervorragende Grundlage bilden für das Boxen: Die Turnerei sorgt für kräftige Armmuskeln und eine gute Grundspannung des Körpers, Volleyball ergänzt diese Trainiertheit durch das Ausbilden schneller Reaktionsfähigkeit. Auch Thalias Eltern, vor allem ihr boxbegeisterter Vater, unterstützen ihre Tochter, die so viel Zeit und Energie ins Sporttraining steckt. Angst, dass sie sich überfordern könnte oder gar Verletzungen einstecken müsste, hat keiner der Beteiligten. Die Verletzungsgefahr im Boxen ist eher geringer als in so manchen anderen Sparten, und dazu geht es auf unbestimmte Zeit ja noch gar nicht ums Kämpfen im Ring. Was allerdings schon jetzt zum Training dazugehört, ist das "Sparring", eine Form des Trainings, bei der es nicht um Sieg oder Niederlage geht, sondern darum, im Zusammenspiel Technik und Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Natürlich findet Thalia ihre Gegenüber dann unter den Jungs aus der Gruppe, und das ist überhaupt kein Problem. "Die Kollegen sind sehr nett", sagt sie lächelnd. "Wir halten alle zusammen und sowieso wird niemand ausgelacht, wenn er nicht mehr kann." Allzu sehr braucht sie das eh nicht zu fürchten. Beim Sparring mit ihrem Trainer sieht man, wie federnd und selbstbewusst sie sich bewegt, wie viel Kraft auch in ihr steckt. Trotzdem betont auch Thomas Meyer noch einmal das gute Klima in der Truppe. "Gegenseitiger Respekt, das ist etwas, was wir sehr ernst nehmen", sagt er. Dazu gehörtauch die Selbstverständlichkeit, mit der alle während der Zeit in der Turnhalle nur deutsch sprechen, obwohl die meisten "Kollegen" russlanddeutsche und türkische Jungs sind. "Wir bilden eine einzige Einheit", so Meyer. "Grüppchen, die andere ausschließen, das gibt es bei uns nicht." Tatsächlich ist die Stimmung beim anspruchsvollen Kraft- und Zirkeltraining eindrucksvoll. Keine lauten Worte, keine Rumalberei, keine Zwistigkeiten, keine irgendwie geartete Ablenkung. Stattdessen konzentrierte, hingebungsvolle Trainingsarbeit, die gleichzeitig einen eigenartig entspannten Eindruck macht. Und genau das ist es auch, was die jungen Boxer verinnerlichen sollen: Ihre Emotionen unter Kontrolle zu haben und in jeder Situation auf ihre technischen Grundlagen zurückgreifen zu können. Sehnt sich Thalia Gabriel nach ihrem ersten richtigen Kampf? Immerhin erzählt sie, dass sie keineswegs jeden Fernseh-Boxkampf verfolgen würde, wenn sie nicht ihr Vater immer wieder vor den Fernseher lockte. Sie lacht. "Natürlich will ich kämpfen dürfen", sagt sie. "Mein ganzer Ehrgeiz geht in diese Richtung, dass ich irgendwann bereit dazu bin!"

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