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Nato-Tanks als Dünger-Lager?

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Der Grund: Die Forstgenossenschaft Groß Hilligsfeld als Eigentümerin des ehemals militärisch genutzten Geländes will dort bis zu 15 Millionen Liter Flüssigdünger lagern lassen. Alarmiert ist nach Bekanntwerden der Pläne nicht nur die Politik im Sünteltal und in Flegessen. Auch Vertreter des Wasserbeschaffungsverbandes Süntelwald begleiten die Entwicklung kritisch – auf zu viele Fragen gebe es bislang keine Antworten, sagt Verbandsvorsteher Norbert Beine.

Aufhorchen ließ bereits im Juni eine Hamelner Verwaltungsvorlage, in der die Planung der Forstgenossen umrissen wurde. Demnach soll das Nato-Tanklager, das 1975 errichtet und bis 2003 betrieben wurde, zurückgebaut und das rund 12 Hektar große Gelände wieder als Waldfläche hergestellt werden. Zur Finanzierung sollen die vier vorhandenen Tanks genutzt werden – und zwar für flüssige Düngemittel, die ein Unternehmen aus Wietmarschen einlagern will. Jeweils für rund sechs Wochen im Frühjahr soll der Flüssigdünger im Umkreis von rund 100 Kilometern verteilt werden, dazu wie auch zur Einlagerung des bis Hannover verschifften Düngers ist der Transport per Tanklastzug notwendig.

Politisch beraten wird über das Vorhaben der Forstgenossenschaft, weil die Umnutzung des Tanklagers die Aufstellung eines Bebauungsplanes und auch die Änderung des Flächennutzungsplanes erfordert. Bislang gehört das Areal zum Landschaftsschutzgebiet Süntel, doch die Fläche soll aus dem Schutzgebiet herausgelöst werden.

Der Ortsrat Sünteltal hat sich einstimmig gegen das Vorhaben ausgesprochen, der Hamelner Ausschuss für Stadtentwicklung und der Verwaltungsausschuss stimmten mehrheitlich zu. Für Bettina Schultze, Ortsbürgermeisterin im Sünteltal, und ihre Mitstreiter sind aber noch zu viele Fragen nicht geklärt, um über das Vorhaben tatsächlich abstimmen zu können. Noch bis zum 19. September läuft die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung. Am vergangenen Sonnabend informierte der Ortsrat über Parteigrenzen hinweg (Schultze: „Im Schulterschluss, und das in Wahlkampfzeiten“) über die Pläne und sammelte auch Einwände und Fragen der Einwohner. Die Listen sollen am 15. September dem Hamelner Oberbürgermeister übergeben werden. Gefragt wird darin unter anderem nach der Dauer der Düngemitteleinlagerung, da es dazu bislang keine offiziellen Angaben gebe, sehr wohl aber Befürchtungen, die von bis zu 30 Jahren ausgehen. Die Eignung der Tanks, die Zusammensetzung des Flüssigdüngers, mögliche Trinkwassergefährdungen und hohe Verkehrsbelastungen für die Ortschaften sind weitere Befürchtungen, auf die der Ortsrat bislang keine ausreichenden Antworten erhalten hat.

Flegessens Ortsbürgermeister Detlef Olejniczak informierte seine Ortsratskollegen über die Entwicklung in unmittelbarer Nachbarschaft, auch er sieht ein Flüssigdüngerlager in der Nähe zu dem Brunnen, der die Orte am Süntelrand mit Trinkwasser versorgt, kritisch. Als Mitglied des Wasserbeschaffungsverbands-Vorstandes teilt er die Auffassung des Vorsitzenden: Noch viel zu viele Fragen seien nicht geklärt. Für Verbandsvorsteher Beine ist das beispielsweise die Frage nach dem Zustand der Tanks, noch einer Grundwasserkontamination nach einer Havarie. „Unser Beißner-Brunnen in Unsen liegt tiefer als die Tanklager. Eigentlich benötigen wir ein geologisches Gutachten, um eine Gefährdung des Brunnens ausschließen zu können.“ Er verweist auch darauf, dass der Verband 1978 beim Bau des Brunnens das Gebiet nicht zum Wasserschutzgebiet erklären lassen konnte – weil die militärischen Belange des Nato-Lagers Vorrang hatten. „Wir haben aber gedacht, dass die Festlegung des Landschaftsschutzgebietes ausreichenden Schutz bietet und deshalb nach Auflösung des Nato-Lagers darauf verzichtet, das Wasserschutzgebiet zu beantragen“, erklärt er.



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