weather-image
Dr. Dirk Neumann: Hunde hätten in einem Wolfsrudel keine Überlebenschance

Nach "spielerischem" Angriff der Wölfe drei Wochen im Krankenhaus

Rinteln (cok). Dr. Dirk Neumann ist den Wölfen näher gekommen als die meisten anderen Menschen. Im Tierpark Kalletal arbeitet er mit ihnen in seiner "Wolfsschule", die erstmals entstand, als er vor über 20 Jahren ein Forschungsprojekt startete, das Haushunde und Wölfe in ihrer Beziehungsfähigkeit zum Menschen untersuchte. Von Wölfenund Hunden erzählte er am "Wolfsabend" im Bistro Stadtgarten.

Dr. Dirk Neumann: Wolf und Hund sind durch 15 000 Jahre Domestik

In einem Film, der seine Wölfe bei den zirkusähnlichen Vorführungen im Tierpark zeigt und gleich darauf Schäferhunde, wie sie in der Hessischen Polizeihundeschule trainiert werden, wurde ein entscheidender Unterschied zwischen den Tieren sofort augenscheinlich. "Wölfe wollen Bares". Das heißt: Ohne Belohnungsleckerli läuft bei ihnen gar nichts. Die Hunde dagegen sind glücklich, wenn sie nach vollbrachter Aufgabe liebkost werden oder mit ihrem Lehrer spielen dürfen. Wölfe brauchen den Menschen nicht, sie brauchen ihr Rudel. Zwar hat Dirk Neumann, wie es auf anrührenden Dias zu sehen war, die Wolfsbabys wie eine Mutter aufgezogen, sie als Winzlinge an die Brust gedrückt, mit der Flasche gefüttert und sogar in einem Raum mit ihnen geschlafen. Sie haben Vertrauen zu ihm und entwickelten eine vorher nie geahnte Fähigkeit, von einem menschlichen Lehrer zu lernen. "Ein Seelenbündnis aber entsteht daraus nicht", sagte er. "Mit Wölfen kommt man bestenfalls auf Du und Du." Ganz anders die Hunde. Während diese nämlich untereinander eine eher oberflächliche Beziehung haben und selbst als Wildhunde in "Banden", statt in sozialen Rudeln leben, schenken sie dem Menschen gewissermaßen ihr Herz. All ihre Bindungsfähigkeit richten sie auf ihr menschliches Gegenüber, und das ist auch kein Wunder. "Wolf und Hund sind durch 15 000 Jahre Domestikation voneinander getrennt", schildert Neumann. "Noch so zahme Wölfe werden immer Wildtiere bleiben, sie leben in ihrer eigenen Welt." Wenn man auf den Bildern sieht, wie Neumanns sechs kanadische Wölfe um ihn herumspringen, ihm Begrüßungsküsschen geben, dann könnte man - vor allem angesichts der manchmal absurd degenerierten heutigen Hunderassen - für einen Augenblick glauben, dass Wölfe vielleicht die besseren Hunde seien. Auch Dirk Neumann selbst hatte das ganz zu Beginn seiner Wolfsarbeit vor 23 Jahren ein bisschen so erhofft und war bald eines Besseren belehrt worden. Das damalige Rudel startete mitten aus dem kameradschaftlichen Gekabbel mit dem Tierlehrer einen spielerischen Angriff. "Und das bringt dann schon mal drei Wochen Krankenhaus mit sich...". Sicher ist: In Bezug auf den Menschen und seine Wünsche ist der Hund eindeutig die Weiterentwicklung des Wolfes. Nur er hört wirklich auf den Menschen und ist für dessen Zwecke als Polizei-, Blinden- oder Jagdhund erziehbar. Auch umgekehrt führt kein Weg vom Hund zum Wolf zurück. Die kindlichen Hunde hätten kaum eine Überlebenschance im Wolfsrudel, weil sie die Körpersprache ihrer Vorfahren nicht mehr anwenden können und zum Beispiel dort keck die Rute anheben, wo schleunigst Unterwerfungsgesten angebracht wären. Wer vor Ort sehen will, wie Neumanns Wölfe in ihre "Wolfsschule" gehen: Jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat ist dazu Gelegenheit im Tierpark Kalletal. Anmeldungen unter Tel.: 05264/ 242



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt