weather-image
Rintelner Musiktage bescheren außergewöhnliche Raritäten: Verdi lässt grüßen

Nach Puccini Alte Musik mit Gamben

Rinteln (dis). Einen Abend mit Raritäten geistlicher Klänge konnte man bei der zweiten Veranstaltung der 32. Musiktage in St. Nikolai erleben. Wolfgang Westphal und dessen großes Ensemble hatten sich sehr erfolgreich für die "Messa di Gloria" des jungen Puccini und Poulencs "Gloria" stark gemacht, die nur selten zu hören sind.

Wolfgang Westphal dirigiert in St. Nikolai. Foto: la

Der Italiener Puccini ist zwar als Opernkomponist in die Geschichte eingegangen, schuf aber wie Verdi auch geistliche Werke. Dass diese Stücke üppig romantisch-belcantohaft wuchern, ist dem Komponisten von Puristen zum Vorwurf gemacht worden. Ungeachtet dieser Richtungskämpfe aber steht die Wirkung von seiner "Messa di Gloria" außer Frage. Besonders dann, wenn so involvierte Laiensänger wie der Schaumburger Oratorienchor zusammen mit kundigen Solisten und der vorzüglichen Jenaer Philharmonie unter Wolfgang Westphals inspirierter Leitung mit viel Espressivo bei der Sache sind. Genug zu singen gab es für den in allen Lagen staunenswert ausgeglichenen, wohlvorbereiteten Chor allemal in diesem dynamisch-bewegten Szenarium. Zweifellos besaß die Formation aber das nötige Know-how für eine schillernde Wiedergabe, denn sie überzeugte auf der ganzen Linie. Westphal entfaltete in genauer Kenntnis der ihm anvertrauten Mitwirkenden diese Missa so organisch, dass sich Choristen und Publikum gleichermaßen wohlfühlen mussten. Gemeinsam mit der differenzierten instrumentalen Unterstützung der Gäste aus Jena entstand ein plastisches Panorama der Musik. Tenor Michael Pflumm und Bass Manfred Bittner verliehen der engagiert und genau dirigierten Aufführung durchviel Stimmglanz und Intensität noch zusätzlichen Operngestus - Verdi ließ nicht nur hierbei grüßen! Bachs vielfarbige "Air" leiteteüber zu einem denkbar großen Puccini-Kontrast: Poulencs Gloria aus dem Jahr 1959, in dem impressionistisches Kolorit vorherrscht. Die wichtige Solopartie war mit Adelheid Fink treffend besetzt. Die Leistungen sämtlicher Interpreten sorgten zum Schluss für stürmischen, anhaltenden Applaus. Im Abschlusskonzert der Musiktage am kommenden Sonntag, 25. November um 17 Uhr in St. Nikolai kommen Freunde der alten Musik auf ihre Kosten. Marais Consort gilt als eines der führenden Gambenconsorts und Ensemble für alte Musik. Das Ensemble umfasst fünf Gamben und Cembalo und verwendet Kopien von italienischen Instrumenten der Spätrenaissance. Das Marais Consort ist auf zahlreichen internationalen Festivals wie die Bruchsaler Barocktage und Göttinger Händelfestspiele präsent. Langjährige Produktionsreihen beim WDR und CD-Einspielungen zeugen von der Qualität des Ensembles. Nicht zuletzt, betonte Wolfgang Westphal, gastiere das Ensemble in Rinteln, weil Kompositonen aus der Zeit des Liederdichter Johann Rist (1607 bis 1667) erklingen werden, der einst Theologie an der Universität Rinteln bei Josua Stegmann studiert hat. Rists Lieder stehen noch heute im Gesangbuch, zum Beispiel das Lied "Brich an du schönes Morgenlicht". Karten zu dem Konzert am 25. November gibt es an der Konzertkasse in St. Nikolai ab 16 Uhr.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt