×
Zwei Einbrüche, viel Frust: Britta Kallikat schließt zu sofort / Kein Fahrkartenverkauf mehr im Bahnhof

Nach knapp zwei Jahren: Aus fürs Reisebüro

Rinteln (wm). Britta Kallikat gibt auf: Ab sofort ist ihr "Reisebüro im Bahnhof" - eröffnet im November 2006 - geschlossen. Eigentlich wollte die Reiseverkehrskauffrau erst im November dieses Jahres zumachen, bis sich gestern Morgen um fünf Uhr die Polizei meldete: "Bei Ihnen ist eingebrochen worden." Zum zweiten Mal übrigens. Das, schilderten gestern BrittaKallikat und ihr Vater Norbert Stuckenberg, habe endgültig das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Inhaberin bringt es so auf den Punkt: "Ich fühle mich hier nicht mehr sicher."

Entnervt haben sie nicht nur die beiden Einbrüche gestern und in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli, sondern auch die Preispolitik der Bahn, der Poker um die Immobilie - und nicht zuletzt Kunden, die nicht verstehen wollten, dass sie keine Bahnangestellte, sondern eine selbstständige Unternehmerin vor sich hatten, wenn sie Bahnkarten kaufen wollten. Dabei lief das Geschäft gut, drei Viertel ihres Umsatzes habe sie mit der Bahn gemacht, versicherte Britta Kallikat. Für sie kein Wunder, denn mit dem Buchen im Internet seien nicht nur Senioren überfordert und es hätten keineswegs so viele Bürger eine Kreditkarte, wie Bahnchef Mehdorn unterstelle - und die braucht man, um im Internet zu buchen. Norbert Stuckenberg hat da bei vielen Gesprächen mitgehört: "Wer findet sich wirklich im Preisdschungel der Bahn zurecht, kommt mit den Automaten klar - und bis man da die Karte hat, ist der Zug doch längst weg..." Dass sich ihr privates Reisebüro in einem Bahnhofsgebäude befindet, so die Unternehmerin, habe oft zu Missverständnissen geführt. Die Kunden seien unhöflich geworden, sogar ausfallend, wenn sie darauf hingewiesen habe, dass eine Servicegebühr fällig sei und sie für gewisse Missstände bei der Bahn nicht zuständig sei. Einmal sei die Situation so eskaliert, dass sie sogar ihren Hund zu Hilfe habe rufen müssen. "Ich kann ja meine Tochter nicht den ganzen Tag mit einer Waffe in der Hand bewachen", kommentierte gestern - eher scherzhaft - ihr Vater, der ein bekannter und erfolgreicher Sportschütze ist. Wie geht es weiter: Sie werde jetzt alle Kunden anschreiben und selbstverständlich alle laufenden Geschäfte abwickeln, betonte Britta Kallikat, dann von zu Hause aus weitermachen. Mit der modernen Computertechnik sei das kein Problem und sie habe zum Glück viele Stammkunden: "Denen ist es egal, wo ich sitze, wenn sie ihre Reise, ihren Service bekommen." Die Eröffnung der Reisebüros im Rintelner Bahnhofsgebäude im November 2006 war ein Politikum - mit Unterstützung der Stadt mühsam erkämpft. Sogar Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier war zur Eröffnung gekommen. Der erste Rückschlag kam dann im vorigen Jahr, als die Bahn angekündigt hat, die Provisionsstaffel für den Kartenverkauf zuungunsten der Reisebüros zu ändern - von sechs auf ein oder zwei Prozent. Zu wenig für den wirtschaftlichen Betrieb eines Reisebüros, warnte Britta Kalllikat. In Rinteln wurde daraufhin sogar eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Reisebüro initiiert, Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz schrieb persönlich an den Bahnchef. Dann hat die Bahn die Immobilie im Paket mit weiteren 489 Bahnhofsempfangsgebäuden an die Patron Kapital Ltd. in London und Procom Invest GmbH &Co. KG in Hamburg verkauft - Perspektive für den Bahnhof Rinteln: Ungewiss.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt