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Johannes Sander (38) aus Meierberg träumt von Fernost und gibt Sprachunterricht

"Nach Japan? Lieber gestern als heute"

Meierberg. "Zurück nach Japan? Lieber gestern als heute!" Johannes Sander (38), gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann aus de m Dörfchen Meierberg, liebt den großen Inselstaat am anderen Ende der Welt und auch die japanische Sprache. Seit einem halben Jahr bietet er privaten Japanischunterricht an.

Lieber heute als morgen würde Johannes Sander aus dem Dörfchen M

Autor:

Cornelia Kurth

Er entdeckte diese Sprache, als er sich, Gymnasiast damals noch, für den Karatesport begeisterte und irgendwann endlich mal richtig wissen wollte, was die ganzen Worte, die vor, während und nach den Kämpfen gesprochen werden, eigentlich genau bedeuten. Während es zunächst nur das Interesse an einer guten Fitness und Selbstverteidigung war, das ihn am Training reizte, erforschte er nach und nach die besondere Philosophie, die hinter dieser auf Gelassenheit, Verständigung und Respekt ausgerichteten Kampfsportart liegt - und damit begann sein Interesse an der asiatischen Kultur. Als sich dann herausstellte, dass er in der Holzbearbeitungsmaschinenfirma, wo er seine Ausbildung abgeschlossen hatte, nicht würde weiterarbeiten können, beschloss er, zu studieren und dabei nicht nur sein kaufmännisches Wissen zu erweitern, sondern die Möglichkeit zu nutzen, das Japanische von Grund auf zulernen. So zog er aus dem Extertal heraus nach Bremen und belegte an der Fachhochschule den Studiengang "Angewandte Weltwirtschaftsprachen und internationale Unternehmensführung". "Ich wollte meine Vorlieben in Einklang bringen mit guten beruflichen Möglichkeiten", sagt er, der übrigens ganz ruhig und gleichmäßig spricht, das fällt richtig auf, vor allem, wenn er dann sagen muss: Mit den beruflichen Dingen stand es nach dem Studium leider gar nicht gut. Eine vertrackte Prüfung im Bereich VWL wollte und wollte nicht gelingen, so dass er kurz vor dem Examen aussteigen musste. Dafür aber stieg er ein in die Geheimnisse der japanischen Schriftzeichen, die zum größten Teil aus dem Chinesischen übernommen sind, dazu aber noch über zwei Lautschriften verfügen, die für Verbindungswörter stehen oder angeben, wie man Fremdwörter auszusprechen hat. "Das alles ist gar nichtso schwer, wie viele denken", erklärt er. "Fast alle Laute, die die Japaner benutzen, können auch wir als Deutsche gut aussprechen." Seine eigene, ausgeglichene Sprechweise hat durchaus etwas mit der Art, wie Japaner reden, zu tun. Im Gegensatz zum chinesischen Singsang werden da nämlich alle Wörter auf derselben Tonhöhe angesetzt. Zwei Jahre war er während seines Studiums als Austauschstudent in Japan, lebte dort mit einem Freund zusammen in der Stadt Toyohashi, lernte wie verrückt, nicht ohne auch die Kultur- und Kneipenszene zu erforschen oder mit einer Japanerin zu flirten. Nebenbei gab er noch Deutschunterricht an einer Privatschule. "Ich war in einem Land der Gegensätze", sagt er. "Neben Moderne und Hochtechnologie existiert ein fast mittelalterliches, einfaches Leben. Das ist es, was mich dorthin zurückzieht." Im Moment steht so eine Reise aber gar nicht zur Disposition. Johannes Sander ist arbeitslos und gerade dabei, sich neue berufliche Perspektiven zu erobern. Nach einer Weiterbildung im Bereich Firmenmanagement wird er demnächst eine Internetseite für Firmenwerbung anbieten und sich als Marketingberater selbstständig machen. Fünf Japanisch-Schüler hat er bisher, weitere Interessenten haben sich bereits gemeldet. "Wenn ich genug Geld zusammen habe, dann fahre ich nach Japan. Das ist kein Traum - das ist eine Tatsache!"

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