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Wasseranalyse: Tod durch Sauerstoffmangel / Wasser muss fließen können / Anwohner: "Gemeinsam eine Lösung finden"

Nach Fischsterben: Ist der Mühlengraben noch zu retten?

Borstel (la). Über 100 Forellen sind Ende Juni im Mühlengraben in Borstel verendet. Laut der Wasseranalyse, die von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Schaumburg in Auftrag gegeben wurde, war das Fischsterben ein natürlicher Prozess und die Ursache Sauerstoffmangel. Ölableitungen vom Sägewerke konnten ausgeschlossen werden. Die ölig aussehenden Rückstände auf dem Wasser waren durch den Zersetzungsprozess der Fische entstanden. Auch ein zu geringer Wasserstand im Mühlengraben konnte als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen werden.

Doch warum war zu wenig Sauerstoff in dem Wasser? Warum fließt das Wasser in dem Graben nicht? Fragen, die die Anwohner Jochen Clausing und Hans-Joachim Bauer schnell beantwortet haben. "Der Graben wird nicht mehr von allen Anwohnern gepflegt. An vielen Stellen ist er verschlammt und zugewachsen. Da kann das Wasser nicht mehr fließen", sind sich die beiden einig. "Wir möchten, dass der Bach an unseren Grundstücken erhalten bleibt, also müssen wir ihn auch unterhalten", sagte Hans-Joachim Bauer. Seit 1986 sei die Mühle nicht mehr in Betrieb, der untere Teil des Mühlengrabens wurde 1988 verfüllt und von der Dorfgemeinschaft seien damals die schönen Kaskaden gebaut worden. "Die sind jetzt trocken", stellte Jochen Clausing fest. Früher habe Heinrich Wilkening im Mühlengraben Fische gezüchtet. Damals sei der Graben im Abstand von höchstens fünf Jahren per Hand ausgeschlagen worden. "Jetzt macht fast niemand mehr etwas", so Clausing, der sich gemeinsam mit seinem Nachbarn Bauer eine Pumpe angeschafft hat, mit der sie allezwei Jahre den Schlamm aus dem Mühlengraben abpumpen. Außerdem warten die beiden Männer das Wehr und sorgen damit auf ihren Grundstücken für eine nette Bachidylle. Etwas höher dagegen ist der gesamte Graben verschlammt und zugewachsen und das Wasser stinkt. Auf den ersten Blick kann man erkennen, dass dort kein Wasser mehr fließt. "Bei Starkregen fließt viel Wasser vom Osterfeld und den Feldern in den Graben und damit auch eine Menge Dreck", erläutert Jochen Clausing. Deshalb müsse der Graben gepflegt werden, damit das Wasser wieder fließen kann. "Sonst ist das Wasser tot, und ohne Sauerstoff sterben die Tiere", so Clausing. Vor einer größeren Reinigungsaktion des Mühlengrabens schrecken die Anwohner zurück. Alles selber zu machen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen, und Baggerstunden wären auch nicht gerade billig. Somit käme einiges an Kosten auf die Anwohner zu. "Die Gemeinde betont immer, dass sie außen vor ist, da derMühlengraben ausschließlich auf Privatgelände verliefe. "Er dient aber auch als Vorfluter und muss jede Menge Wasser aufnehmen, wenn es stark regnet. Daher ist nicht einzusehen, dass die Gemeinde sich nicht an der Grabenräumung beteiligt", so Clausing. Auch wenn vom Sägewerk kein Öl in den Bach abgelassen wird, so kommt doch eine Menge Dreck von dort in den Mühlengraben. Deshalb müsste sich auch der Sägewerkbetreiber an der Grabenreinigung beteiligen. "Wir müssen uns zusammensetzen und eine Lösung finden", sagte Clausing und mit Bauer war er sich einig, dass das Problem nur mit allen Beteiligten gemeinsam gelöst werden kann. "Da müssen alle mit anpacken und sicher auch etwas zahlen, aber dafür leben wir am Wasser", so Bauer.




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