weather-image
Podiumsdiskussion: Aldi will weg - Politik und Wirtschaft schlagen neues Gutachten vor

"Nach dem Umzug bleibt eine Handelsruine"

Obernkirchen (rnk). Die nackten Zahlen lauten so: 17 000 Pkw befahren täglich den Sülbecker Weg, 6400 den Weheweg und 6500 die Neumarktstraße, und alle kommen am geplanten Einkaufszentrum "Rösertor" vorbei - potenzielle Kunden, aber nicht der einzige Grund, warum Aldi umziehen will. Weg vom Bornemann-Platz, raus aus einem Gebäude, das zu wenig Verkaufsfläche bietet und zudem mit seiner Lage viele Probleme im verkehrstechnischen Bereich aufwirft. Aldi-Unternehmenssprecher Thorsten Effner drückte es auf der Podiumsdiskussion vorgestern Abend so aus: Innerhalb der 102 Märkte, die Aldi betreibt, rangiere Obernkirchen ziemlich weit unten. Ein Zustand, der sich durch einen Umzug ändern würde, denn die am Rösertor geplante Kombination von Vollsortimenter und Discounter ist "in dieser Kombination unschlagbar" - und liegt zudem an einer "so genannten Einflugschneise", so Effner: "Da werden die Konkurrenten die Ohren anlegen." Das "Rösertor" liege für Aldi wie auf dem "Präsentierteller".

Ein bisschen Aldi ist schon da: Geht es nach dem Willen der Inve

Seit drei Jahren werde, so Effner, an der Weiterentwicklung des Aldi-Marktes in der Bergstadt gearbeitet; jetzt, wo sich die Wechselgelegenheit ergeben habe, wolle man die Stadtmitte auch verlassen. Im "Rösertor" könne Aldi nicht nur geänderten Kundenwünschen deutlich besser entgegen kommen, der Standort sei zudem so groß, dass Vergrößerungen durchaus möglich seien. Effner: Dort müsse man in zehn Jahren nicht wieder umziehen. Zunächst rechnet das Unternehmen mit 1650 Pkw-Kunden, die täglich kommen sollen. Wenn Aldi nicht ans "Rösertor" umziehen könne, so Effner, werde man über andere Standorte nachdenken: gegenüber Lidl oder im Marktkauf-Bereich - Möglichkeiten gebe es durchaus. Auch ein Umzug nach Bad Eilsen sei denkbar, "ist im Moment aber nicht unsere Absicht". Heinz Plewnia, bisheriger Investor für Aldi am Borneman-Platz, ließ keinen Zweifel, was die Stadt nach dem Umzug erwarte: eine Handelsruine, denn "eine Nachnutzung ist nicht gegeben". Für die Stadt wäre der Umzug der "worst case". Es sei nicht auszuschließen, dass dann weitere Geschäfte in der Innenstadt schließen müssten, wenn die Aldi-Kundschaft fehle. Sein Vorschlag: am Bornemann-Platz von 700 auf 900 Quadratmeter erweitern und eine Vergrößerung der Pkw-Stellplatzkapazitäten auf 120. Mehr Fläche, mehr Parkplätze - ein Angebot, dass Effner aber ausschlug. Aldi denke langfristig, und "suboptimale Standorte werden schnell durchgereicht". Außerdem werde die Luft am Bornemann-Platz für Aldi "noch dünner", wenn am "Rösertor" ein dritter Discounter einziehe. "Wenn wir wollen, können wir diese Pläne aushebeln", hatte Oliver Schäfer die Stellung der Politik verdeutlicht. Der Bürgermeister führte die "Daseinsvorsorge" ins Feld: Natürlich wünsche sich eine Stadt möglichst viele Anbieter, "aber wirtschaftliche Interessen spielen nicht die einzige Rolle". Aber halten könne man auch niemanden, so Schäfer, der von einer "komplizierten Gemengelage" sprach, in der es "weder ein ,100 Prozent richtig' noch ein ,100 Prozent falsch' " gebe, schließlich würden durch den Vollsortimenter auch neue Arbeitsplätze geschaffen. 1600 Quadratmeter für den Rewe-Vollsortimenter, 350 Quadratmeter für ein Schuhgeschäft, 200 Quadratmeter für eine Filiale von Ernstings- Family, 900 Quadratmeter für Aldi und 183 Parkplätze: Das ist das "Rösertor", das Investor Dirk Wilhelm Rahlfs so schnell wie möglich realisieren möchte: Der Bauantrag sei "nahezu" abgabefertig, im Regelfall dauere nach der rechtsgültigen Verabschiedung die Bearbeitung drei bis vier Monate, im Oktober, November solle mit dem Abriss der Gebäude auf dem ehemaligen Ackemann-Gelände begonnen werden, daran würden sich gute fünf Monate Bauzeit anschließen. Joachim Gotthardt unterstützte als Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins das von Schäfer vorgeschlagene Zentrengutachten, in dem die gesamte Stadt auf den Prüfstand kommen soll: vom Marktkauf bis Lidl, von der Verkehrsanbindung bis zum leerstehenden ehemaligen WEZ-Gebäude. Danach sollten Arbeitskreise gebildet werden, in neun Monaten sei mit Ergebnissen zu rechnen. Gotthardt: "Es gibt Lösungen, die muss man sich erarbeiten." Die dahinter stehende Hoffnung: Neue Erkenntnisse - vor allem im Verkehrsbereich - , die Aldi von einem Umzug abhalten. Als die Zuhörer ihre Fragen stellen konnten, argumentierte auch Ratsvorsitzender Horst Sassenberg in die Richtung von Schäfer und Gotthardt. Er sah die Gefahr, dass in der Stadt nur Platz wäre für zwei Discounter - "und der Marktkauf ist ein gut laufendes Geschäft, in dem auch ein Schuhgeschäft realisierbar wäre". Marktkauf-Geschäftsleiter Werner Böger bestätigte dies im Anschluss. Auch Rahlfs konnte einem Zentrengutachten etwas abgewinnen, plädierte aber dafür, parallel zu dem zu erarbeitenden Konzept "unser Rösertor-Vorhaben auf eine positive Schiene zu bringen, damit wir beginnen können". Auf einen anderen Aspekt verwies Franz Kusnierski: Die Innenstadtbewohner hätten im Rahmen der Sanierung viel Geld als Ausgleich gezahlt - auch in der Erwartung, dass Obernkirchen eine attraktive Geschäftsstadt bleibe. Bei der Nachnutzung für den Bornemann-Platz machte Effner Mut: Aldi habe es durch längere Überzeugungsarbeit ja auch geschafft, die Firma Rossmann als Nachnutzer der ehemaligen Aldi-Filiale in der Fußgängerzone nach Obernkirchen zu holen. Mit Blick auf die Politik erklärte Effner, dass viele andere Städte, die durch Reglementierung versucht hätten, "Änderungen zu verhindern, Schiffbruch erlitten haben". Auch wenn der "gordische Knoten" an diesem Abend nicht durchschlagen werden konnte, so sei die Diskussionsrunde dennoch wichtig gewesen, wertete Moderator Frank Werner in seinem Schlusswort: "Vielleicht ist das Gutachten doch ein Weg."



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt