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Warum Sie sich getrost an den Kochtopf verziehen können

Nach dem C-Jahr lauter K-Fragen

Nennen Sie etwas total Überflüssiges mit C. Ich mache jede Wette, dass solch eine Stadt-Land-Fluss-Kategorie im Nullkommanichts in großer Mehrheit dieselbe Antwort ergibt. Camping? Computer? Clinch? Chef? Coro....?

Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Ressortleiter zur Autorenseite

Ach ja, da war ja was in diesem vertrackten letzten Jahr. Corona. Manche mögen es als echtes Scheißjahr bezeichnen, das auch viele Tage nach dem Jahreswechsel immer noch nicht enden will. Dennoch – es bleibt die Hoffnung. Auf Besserung und Normalität, auch wenn in vielen Bereichen noch nicht klar ist, wohin denn die Reise überhaupt gehen wird.

Und doch: Dieses C-Jahr 2020 hat am Ende für mich persönlich doch noch etwas ganz Versöhnliches, Überraschendes und Erstaunliches hervorgebracht. Es begann erst spät, am Silvesterabend, nur meine liebe Gattin und ich. Wir machten eine Neuentdeckung: die „Reise nach Jerusalem.“

Ok, das klingt jetzt sehr nach Polonaise im Stuhlkreis. Aber das würde ich öffentlich ganz bestimmt nicht eingestehen. Nein, die Reise beginnt mit dem Geschenk eines Freundes: einem Kochbuch. Wenn ich nun sage, dass ich mich über dieses Geschenk wirklich diebisch gefreut habe, schwingt da außer Ironie erst mal gar nichts mit. Kochen – das ist nämlich eines unserer ernsthafteren Beziehungsprobleme. Hat bislang nie geklappt mit mir und der Gattin.

Ich erinnere mich zu gut an gemeinsame Kochversuche, die bislang ausnahmslos alle zum Scheitern verurteilt waren – und schuld daran war gewiss nicht der Kochwein. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie etwas in der Pfanne brutzeln, sich kurz zur Spüle umdrehen und plötzlich jemand anders das Zepter und den Kochlöffel übernommen hat? Plötzlich in Ihrem Topf herumrührt – und mal wieder meint: „Da fehlt aber noch ’ne Prise Salz?“

Für gewöhnlich sind das diese Augenblicke, in denen ich mich voller Theatralik schmollend vor den Fernseher zurückziehe und trotzig auf immer und ewig beschließe: „Das war’s mit uns! Mit Dir koche ich nie wieder!“

Verstehen Sie mich, es ist ja wohl auch wirklich kein Wunder, wenn Dir stets das Gefühl vermittelt wird, Du bist in der Küche so überflüssig wie das C in 2020! Vielen Dank auch, dann eben nicht!

Zum Ende dieses besonderen C-Jahres kam es dann aber anders. Mit dem Jerusalem-Kochbuch des Freundes (ISBN 978-3-8310-2333-2) – und viel gutem Willen. Wir kochten außergewöhnlich harmonisch (und daran war erneut nicht der Kochwein schuld). Es gab Fisch-Kebab, Auberginenpüree, Kräuterreis – hergestellt und verspeist in ungeahnter Eintracht. Völlig unerwarteter Wahnsinn! Das hat richtig geböllert am Silvesterabend! Noch nie zuvor sind wir uns zwischen Pötten und Pannen sooo nahegekommen. Ich bin immer noch ganz verliebt (und daran ist diesmal nicht das Salz schuld)!

Wenn ich nun vorausblicke auf das Kommende, dann nehme ich diese Erfahrung vom letzten Jahr des alten C-Jahres gerne zum Anlass für Zuversicht.

Vergessen wir doch einfach das C! Zeiten- und Buchstabenwechsel! Das dürfte ja ziemlich einfach sein, denn es stehen ja reichlich K-Fragen an im Jahr 2021: Wer wird Kanzlerkandidat? Können wir wieder nach Mallorca? Kriegt der Trump noch mal die Kurve?

Doch auch in diesen K-Fragen liegen noch viele Unwägbarkeiten. Also verlasse ich mich doch erst einmal auf ein bewährtes Modell – im neuen Jahr gewiss mit anderem Vorzeichen. „Kochen oder Kneipe?“, habe ich gestern Abend die Gattin gefragt. Sie hat die Augen verdreht.

Manche Antworten ergeben sich dieser Tage eben von selbst, die Kneipen sind ja dicht. Aber gemeinsam kochen, sagt sie, das sollten wir auf jeden Fall wiederholen!

Kürbissuppe? Kichererbsensalat? Karotten-Kartoffel-Auflauf?

Also: Es gibt da schon noch Momente, in denen ich mir das alte Jahr zurückwünsche und mir sage: „So schlecht war es ja doch nicht!“ Sie wissen schon, das alte Jahr mit C. C wie Currywurst.




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