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Ackemann-Gelände: Niemand möchte eine Bauruine - aber es ist eine Gratwanderung

"Nach Aldi-Umzug bricht die Kernstadt weg"

Obernkirchen (rnk). Mit Händen zu greifen war die Sorge der Mitglieder des Vereins für Wirtschaftsförderung auf der Jahresversammlung: Wie entwickelt sich die Stadt, wenn Aldi vom Bornemann-Platz wegzieht? Das war die alles beherrschende Frage. Was wird aus der Innenstadt?

Alles frei auf dem Gelände einer potenziellen Bauruine: Am "Röse

Es wird eine Pokerpartie, prophezeite Bürgermeister Horst Sassenberg, der angesichts der Brisanz des Themas als politischer Vertreter für die Aufhellung des Hintergrundes sorgte. Die Politik habe mit dem Aldi-Wunsch, in das geplante Einkaufszentrum "Rösertor" umzuziehen, "größte Probleme". Aus mehreren Gründen: So seien die Auswirkungen auf die Geschäfte an der Friedrich-Ebert-Straße (wenn nicht gar darüber hinaus) gar nicht absehbar, wenn der Kundenmagnet nicht mehr vorhanden ist. Es bestehe durchaus die Gefahr, dass in der Kernstadt weitere Geschäfte "wegbrechen" würden. Eine weitere Frage, die der Aldi-Umzug aufwerfen würde: Was wird aus dem Bornemann-Platz? Da Aldi dort das Gebäude angemietet habe, stünde es nach einem Umzug leer: Was dann? Sassenberg ließ durchblicken, dass er sich nur schwer vorstellen kann, dass dort dann ein anderer Discounter eröffnen wird. Und nicht zu vergessen: Wenn der Kundenmagnetin der Innenstadt fehle, dann würden möglicherweise auch die gewöhnlich schnell auf Marktveränderungen reagierenden Ketten "Rossmann" und "Schlecker" die Konsequenz ziehen und ihre Geschäfte schließen. Kurzum: "Es ist eine starke Gratwanderung." Am kommenden Donnerstag wollen sich alle Beteiligten um 11 Uhr im Rathaus an einen Tisch setzen, um die Möglichkeiten auszuloten. Dabei, so erklärte der Bürgermeister, werde es auch darum gehen, inwieweit die Politik überhaupt Einflussmöglichkeiten hat. Für ihn sei es durchaus vorstellbar, das gesamte Projekt zu hinterfragen. Sassenberg: "Es wäre viel einfacher, wenn Aldi einen Nachmieter präsentieren würde." In die Gespräche wird Sassenberg vorsichtig optimistisch gehen: "Dass wir dann gar nichts mehr haben, sehe ich nicht." Den Grundtenor ließ er zweimal durchblicken: "Gegenhalten." Sehr intensiv müsse man sich mit den Plänen auseinander setzen, plädierte Sassenberg, und sah dabei auch die Politik in der Pflicht: "Das können wir nicht einfach durchwinken." In einem Punkt waren sich Sassenberg und der Verein für Wirtschaftsförderung auf der Jahresversammlung einig: Eine Bauruine auf dem ehemaligen Ackemann-Gelände möchte auch niemand. Bei dem Gespräch dabei sein werden auch die Vertreter des Wirtschaftsförderungsvereins, die das Ansiedelungsvorhaben auf dem ehemaligen Ackemann-Gelände grundsätzlich begrüßen würden, wie Vorsitzender Joachim Gotthardt erklärte, "aber dafür muss ein Innenstadtkonzept oder ein Einzelhandelskonzept erstellt werden". Vor allem die aus der Ansiedelung abzuleitenden städtebaulichen Auswirkungen müssten berücksichtigt werden. Denn die Ziele der 1985 begonnenen und 2005 beendeten Innenstadtsanierung wie die Attraktivitätssteigerung des Stadtkerns als Versorgungszentrum müssten weiter verfolgt werden, zumal da ja auch die Bürger, die im Sanierungsgebiet wohnen, entsprechende Zahlungen für die Sanierung der Stadt geleistet haben. Der Verein habe daher seine Bedenken der Stadt mitgeteilt und darum gebeten, bei allen weiteren Entscheidungen "zumindest" angehört zu werden. Eine Antwort hat Gotthardt schon von der Stadt erhalten: Keinesfalls werde eine nachhaltige Störung der Innenstadt gewünscht, ist dort zu lesen, schließlich sei niemandem an "einem Verlust urbaner Qualität" gelegen. Aber die möglichen Folgen hätten noch nicht ausreichend beraten werden können, weil die Aldi-Abwanderungspläne zum "Rösertor" eben erst seit ein paar Tagen bekannt sind. Wie die Zukunft des 15 500 Quadratmeter großen ehemaligen Ackemann-Areals aussehen könnte, wird auch die politischen Gremien noch etwas länger beschäftigen. Im Verwaltungsausschuss ist die Angelegenheit noch nicht endgültig beraten worden, bei der kommenden Ratssitzung am Mittwoch soll das Thema daher abgesetzt werden. Aktuelles Ziel ist es nun, alle Interessenvertreter zu einem Roundtable-Gespräch zu bitten. Inwieweit der Verwaltung planungsrechtliches Werkzeug hier zur Verfügung stehen, vermag heute noch niemand im Rathaus verbindlich zu sagen. Dies soll "hausintern" abgestimmt werden. Aber innerhalb der Verwaltungsspitze ist man optimistisch: Im Rahmen von vertraglichen Vereinbarungen wird einiges möglich sein.

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