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Brüderquartett vereint: Beharrliche Suche führt Dänen schließlich nach Müsingen zur Familie Otto

Nach 62 Jahren findet er endlich seine Brüder

Müsingen. Mehr als sechs Jahrzehnte nach seiner Geburt im dänischen Korsoer hat Erik Galvid in Müsingen und im westfälischen Neuenknick etwas gefunden, von dessen Existenz er lange Zeit nicht das Geringste ahnte - und das gleich in dreifacher Ausführung. Dem Dänen wurden im Alter von 62 Jahren drei leibliche Brüder geschenkt.

62 Jahre wusste der eine Bruder nichts von dem anderen: Jetzt kö

Autor:

Herbert Busch

Die in Müsingen (Friedhelm) und Neuenknick (Herbert und Norbert) wohnenden Gebrüder Otto erhielten im Januar 2005 Post aus Dänemark. "Fritz Otto war die große Liebe meiner Mutter. Aber durch den Krieg und durch die schweren Zeiten nach dem Krieg musste sie das Leben ohne ihn fortsetzen", schreibt der Absender. Wovon er erst kurz vor dem Tod seiner im Oktober 1992 gestorbenen Mutter erfahren habe. "Von da an habe ich versucht, meine Wurzeln zu finden, und nun sieht es so aus, dass es mir geglückt ist." Im weiteren erschloss sich den deutschen Söhnen von Fritz Otto, dass Erik erst am Sterbebett seiner Mutter wesentliche Erkenntnisse über seinen biologischen Vater erfahren hatte. Die Suche nach dessen Herkunft oder Verbleib gestaltete sich überaus schwierig und nahm zwischenzeitlich aussichtlosen Charakter an. Erst nach Ansammlung und Auswertung von insgesamt 175 Dokumenten brachte Galvid Feldpostnummer und Heimatanschrift von Fritz Otto in Erfahrung. Unrühmlicher Höhepunkt der Suche aus deutscher Sicht: Auf ein 2004 an die Stadt Petershagen gerichtetes Schreiben erhielt der Däne keinerlei Antwort. Schließlich zahlte sich die Beharrlichkeit des Suchers aus. "Wir bekamen von amtlicher Seite die Anfrage, ob wir mit der Herausgabe rechtsrelevanter Daten einverstanden sind", erzählt Friedhelm Otto. Nach anfänglicher Ratlosigkeit seien sie dem Einverständnis nicht nur ohne zu zögern, sondern auch mit großer Freude nachgekommen. Im Februar 2005 kam es dann zu einem ersten Zusammentreffen der vier Brüder in Bückeburg. "Das war für uns alle ein tief bewegender Augenblick", erinnert sich der Polizeibeamte, der den Müsingern unter anderem als Verwalter des örtlichen Dorfgemeinschaftshauses bekannt ist. Mittlerweile sind die mehr als 60 Jahre unbekannten Familienbande bestens geknüpft. Besuche und Gegenbesuche und ständige Kontakte per Post und E-Mail haben die dänisch-deutsche Verwandtschaft eng zusammenrücken lassen. Friedhelm Otto: "Wir sind in der kurzen Zeit ein richtiger Clan geworden." Leider habe Bruder Erik seinen im November 2001 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Vater nicht mehr persönlich kennen lernen können, bedauerte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Sozusagen als kleine Entschädigung hätten die amtlichen Mühlen, über deren bedächtiges Mahlen der "dänische Bruder" ein 425 Seiten starkes Buch geschrieben hat, aber eine Namensänderung erlaubt: Erik Galvid, seit 1968 verheiratet mit Birthe, zwei Söhne, drei Enkelkinder, wohnhaft in Karrebaecksminde auf der Insel Seeland, heißt jetzt mit hochoffizieller Genehmigung Erik Otto-Galvid.



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