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Geldstrafe im Prozess um Skandalspiel

Nach 20 Zeugen: "Leichte Ohrfeige" kostet 805 Euro

Apelern/Bückeburg (ly). Im Berufungsverfahren um das Skandalspiel zwischen Gastgeber TuS Apelern und dem VfB Rinteln hat das Bückeburger Landgericht den Schuldspruch gegen einen früheren TuS-Fußballer bestätigt, die Geldstrafe jedoch deutlich reduziert. "Wir sind überzeugt, dass der Schiedsrichter eine leichte Ohrfeige bekommen hat", urteilte Richter Friedrich von Oertzen. "Um einen schwerwiegenden Vorwurf handelt essich aber nicht. Die Kirche muss im Dorf bleiben." Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung soll der unterdessen vom Spielbetrieb des Vereins ausgeschlossene Angeklagte (30) nun 805 Euro zahlen.

In erster Instanz hatte das Stadthäger Amtsgericht eine Geldstrafe von 2520 Euro festgesetzt. Jetzt werden aus 70 Tagessätzen 35. Hinzu kommt, dass das Einkommen des Angeklagten zwischenzeitlich gesunken ist, was sich auf die Höhe des einzelnen Tagessatzes auswirkt. Gegen das Berufungsurteil der 4. Kleinen Strafkammer ist noch Revision möglich. Am 1. Mai 2007 hatte der TuS-Mittelfeldmann in einer Partie der 1. Kreisklasse nach einem von ihm selbst begangenen Foulüber die Entscheidung des Schiedsrichters gemeckert, dafür die rote Karte gesehen und mit einer Ohrfeige reagiert. Einem Linienrichter wollte er die Fahne in den Hintern stecken. Die Begegnung endete mit Abbruch. Aus Angst vor aufgebrachten Zuschauern und TuS-Fußballern verschanzte sich das dreiköpfige Schiri-Gespann daraufhin in der Kabine, rief über Handy die Polizei und bekam beim Verlassen des Geländes Geleitschutz. Vorausgegangen war dem Urteil eine aufwändige Beweisaufnahme mit fast 20 Zeugen. Bei Richter von Oertzen "verstärkt sich der Eindruck, dass es sich bei Apelern, was Fußball betrifft, vielleicht um eine besonders ländliche Region handelt, wo man der Meinung ist, dass man so rustikal miteinander umgehen kann". Tatsächlich aber könnees nicht sein, dass jemand angegangen und beleidigt werde, der anderen ein Fußballspiel ermögliche. "Wenn wir Schiedsrichter nicht schützen, können wir den Sportbetrieb zumachen", so der Präsident des Landgerichts. Den drei Unparteiischen fühlt sich von Oertzen "in gewisser Weise verbunden: Es gibt immer Leute, die mit den Entscheidungen von Richtern und Schiedsrichtern nicht einverstanden sind. Aber damit kann man leben". Staatsanwalt Markus Schreiber hatte eine doppelt so hohe Geldstrafe gefordert, Verteidiger Volkmar Wissgott hingegen auf Freispruch plädiert. "Wegen der Vorbildfunktion des Sportes'' ist aus Sicht Schreibers "ein deutliches Zeichen nötig''. Wissgott geht nach den Zeugenaussagen davon aus, dass es nie eine Ohrfeige gegeben hat, sondern lediglich eine Berührung im Gesicht.



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