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Nabu: Standort ist nicht die größte Katastrophe

Obernkirchen (rnk). Auch wenn die Ortsgruppe des Naturschutzbundes in ihrer bei der Stadt Obernkirchen eingereichten Stellungnahme zum Bebauungsplan für das Gesamtklinikum in Vehlen von einem „schwerwiegenden Eingriff in die Landschaft“ spricht: An die Spitze der Bewegung gegen den geplanten Standort wolle sich der Nabu nicht stellen, erklärte ihr Vorsitzender Leonhard Hielscher auf der Jahreshauptversammlung. Die Begründung: Man vertrete eine „differenzierte Ansicht“. Das habe man vor Monaten der Bürgerinitiative gegen den Vehlener Standort auch so mitgeteilt, sagte Hielscher: Aus naturschützerischer Sicht gebe es „keine durchschlagenden Argumente“ gegen den Bau in der Feldmark. Das Landschaftsbild werde „dadurch verhunzt“, aber der Bau des Großklinikums auf einem „sperrigen Hochleistungsacker“ sei nicht die „größte Katastrophe“.

In der in vier Punkte unterteilten Stellungnahme zum Bebauungsplan wird zunächst auf die Fläche selbst verwiesen. Sie erscheinen mit rund neun Hektar in der über 150 Hektar großen zusammenhängenden Feldflur auf den ersten Blick gering, doch die Anbindung an das Straßennetz zerschneide das bisher nur mit landwirtschaftlichen Wegen ausgestattete Gebiet. Durch die Zufahrt von Westen über die Aue müsse „wertvoller „Bewuchs - Bäume und Sträucher - für das Brückenbauwerk entfernt werden.

Insbesondere die Straßen würden dabei Wander- und Wechselwege von Amphibien und Wild zerschneiden, „eine erhebliche Beunruhigung und Gefährdung der vorhandenen Fauna ist die Folge“. Der schon spärliche Bestand der Feldlerche im Felsgebiet werde voraussichtlich weiter zurückgehen, für Wanderer und dort auch rastenden Vogelarten wie Kiebitze, Braunkehlchen oder Sumpfrohränger - würden die Nutzfläche weiter verkleinert; zudem störe die „großflächige Versiedelung“ die Grundwasserbildung. Stark beeinträchtigt werde auch die Nutzung für die Naherholung in den rundum liegenden Ortschaften.

Daher, so Hielscher, sei die „sanfte Einbindung“ des Klinikums in die Landschaft „unbedingte Aufgabe und Herausforderung.“ Der Nabu Obernkirchen erwarte daher, dass sämtliche Bäume und Hecken erhalten blieben und die durch Bebauung, Parkplätze und Wege beanspruchten Flächen mit heimischen Grüngehölzen, Bäumen, Hecken und Buschwerk eingegrünt werden.

Der erforderliche Feuerwehrlöschteich sollte mit mindestens 70 Prozent Naturufer ausgestattet werden, die Dachfläche sollten für die Energiegewinnung vorgesehen werden. Der Durchlass der Aue beim Brückenbauwerk solle rund 30 Meter von jedem Ufer eingeplant werden, damit flusswärts wandernde Tierarten nicht die Straße queren müssen.

Bei der Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen plädiert der Nabu dafür, den Schwerpunkt auf die Erweiterung des kreiseigenen Biotops zu legen. Dort sollten Flachwasserteiche, Grün- und Ruderalflächen sowie Hecken angelegt werden. Auf dem Areal des Klinikum und den Versorgungsgebäuden bestünden die „einmalige Chance“, Artenschutzmaßnahmen vorzunehmen, erklärte Hielscher in seiner Stellungnahme. Nistmöglichkeiten für Schleiereulen, Turmfalken und Mauersegler könnten vorgesehen werden, Fledermausquartiere könnte man einrichten, und für die bedrohten Mehlschwalben könnten entsprechende Häuser auf dem Freigelände aufgestellt werden. „Dies sind Maßnahmen, die wir unter der sanften, naturverträglichen Einbindung des Klinikums in die bisher ruhige Feldflur verstehen.“

Hielscher sah sich anschließend mit Vorwürfen von Ulrich Kuhlmann konfrontiert. Der ehemalige Leiter des Bauamtes der Stadt Obernkirchen sprach von einem „naturverachtenden Großprojekt“, mit dem gegen die Ziele des Nabus „geradezu brutal verstoßen“ werde. Kuhlmann vermisste eine Stellungnahme des Nabus zur Änderung des Flächennutzungsplanes, jetzt sehe es so aus, als habe der Nabu Obernkirchen keine Bedenken. Hätte der Nabu alle infrage kommenden Standorte bewerten können, dann, so Kuhlmann, hätte er wohl eine ganz andere Stellungnahme abgegeben. Die Erwiderung von Hielscher kam prompt: Es habe keine Argumente gegeben, die zu einer Änderung des Planfeststellungsverfahren geführt hätten. Die Chancen, dass der Nabu den Standort in der Gemarkung Vehlen verhindert hätte, bezifferte er auf „zwei Prozent“.

Vorstandsmitglied Bettina Wawrok konnte sich anschließend noch gut daran erinnern, dass der Nabu die möglichen Standorte geprüft habe - „der in Vehlen war nicht dabei“, erklärte sie zweimal auf der Hauptversammlung.




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