×
Kontaktpflege beim „Café International“ im Gemeindehaus

„Muslim, Christ oder Jude? Ist egal!“

Bückeburg. Auf den ersten Blick wirkt die bunt gemischte Gesellschaft, die sich in dem großen Saal des Gemeindehauses der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bückeburg eingefunden hat, wie ein ganz normales Nachmittagskränzchen: Rund drei Dutzend Leute sitzen an Tischen beisammen, erzählen, lachen und gönnen sich zu einer Tasse Kaffee oder Tee ein, zwei Stück Kuchen oder ein paar belegte Brote. Entsprechend gut frequentiert ist das kleine Buffet, das im Eingangsbereich des Raumes aufgebaut ist. Dass bei diesem mit „Café International“ überschriebenen Treffen auch Menschen mit von der Partie sind, die augenscheinlich einen Migrationshintergrund haben, würde dabei an sich nicht weiter ins Gewicht fallen. Doch gerade sie sind die Hauptpersonen, für die die Bückeburger Initiative „Alle unter einem Dach“ diese Veranstaltung seit gut einem Jahr einmal monatlich ausrichtet.

Autor:

Michael Werk

Denn das „Café International“ soll ein Treffen sein, bei dem Flüchtlinge und Asylanten sowie einheimische Bürger miteinander in Kontakt kommen, um einander gegenseitig kennenzulernen und sich im gemeinsamen Gespräch auszutauschen.

Vor ungefähr drei Monaten seien sie nach Deutschland gekommen, nachdem sie bereits vor drei Jahren aus Syrien geflohen seien, berichtet Ghazi Affach. Dass sie und Heerscharen anderer Flüchtlinge aus dem Nahen Osten derzeit „wie ein Magnet“ von Deutschland angezogen würden, erklärt er damit, dass Deutschland ein demokratisches Land sei, in dem die Menschenrechte gelten.

Für den 32-jährigen Familienvater und seine 21 Jahre alte Ehefrau, die beide aus Damaskus stammen, kommt hinzu, dass sie bereits in Syrien eine westliche Lebensweise gepflegt hatten. So ist beispielsweise Lena Aashaar in ihrem figurbetonten, modischen Outfit nicht anzusehen, dass sie muslimischen Glaubens ist, zumal sie kein Kopftuch trägt.

Die Freiheit hierzulande sei mit ein Grund, warum sie sich für Deutschland als zukünftigen Lebensmittelpunkt entschieden haben, bestätigt Lena Aashaar, die – wie in Syrien üblich – trotz Heirat ihren Mädchennamen behalten hat. Denn obwohl die Gesellschaft in Damaskus im Vergleich zu anderen Regionen Syriens eine durchaus offene Gesellschaft ist, sei sie dort mitunter schon schief angeschaut worden, weil sie sich sehr westlich gekleidet habe.

Die beiden Eheleute sind sich jedenfalls sicher, dass sie sich mit ihrer weltoffenen Art in Deutschland gut integrieren werden. Jedenfalls haben sie nach eigenen Angaben in Bückeburg, wo sie sich sehr wohlfühlen, schon jetzt mehr deutsche Freunde gefunden als Freundschaften mit Menschen anderer Nationalitäten geschlossen. Bei aller Aufgeschlossenheit wollen sie ihre dreijährige Tochter allerdings so erziehen, dass diese, wenn sie zu einer jungen Frau herangewachsen ist, von sich aus „über bestimmte Themen“ mit ihrer Mutter sprechen wird, sagt Ghazi Affach. Soll heißen: Allzu viel Freizügigkeit der Tochter im Umgang mit dem anderen Geschlecht wäre nicht im Sinne der Eltern.

Aber: Ihren Freund solle sich seine Tochter später selbstverständlich selbst aussuchen. Und ob sie einmal einen Deutschen respektive einen Muslim, Christen oder Juden heiraten werde, sei egal, betont der 32-Jährige, der in Syrien als Lkw-Fahrer gearbeitet hatte. Außerdem spiele es keine Rolle, ob der zukünftige Mann ihrer Tochter deren Konfession übernimmt oder nicht, ergänzt Lena Aashaar.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt