weather-image
Lindhorster Chorleiterin Juliia Makarowa hat ein Hochschul-Diplom, das nicht anerkannt wird

Musiklehrerin soll im Altenheim arbeiten

Lindhorst (gus). Obwohl ein Diplom-Hochschulabschluss Juliia Makarowa als Musiklehrerin ausweist, darf die gebürtige Ukrainerin in Deutschland nicht als Pädagogin arbeiten. Das Diplom der Dragomanow-Universität in Kiew wird in Deutschland nicht anerkannt. Die SN versuchten, der Sache auf den Grund zu gehen.

Dem Vorstand des Männergesangvereins und Gemischten Chores Lindhorst stößt es sauer auf, dass Makarowa, die dort seit einem Dreivierteljahr als Dirigentin tätig ist, keine ihren Qualifikationen angemessene Tätigkeit findet, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. So ist die Ukrainerin auf staatliche Unterstützung angewiesen und verdingt sich als Honorar-Dirigentin in Lindhorst sowie bei einem Chor in Hannover.

Dabei würde sie gern als Pädagogin arbeiten, am liebsten an Grundschulen oder in Bad Nenndorf an der Schlaffhorst-Andersen-Schule. Chorvorsitzende Lina Amelung schätzt Makarowas Lehrmethoden bei den Proben in Lindhorst. Und sie ärgert sich, dass das Jobcenter der Musikerin eine Aushilfsstelle in einem Altenheim anbietet.

Eine Anfrage dieser Zeitung beim Kultusministerium zu den Gründen, warum Makarowas Diplom in Deutschland nicht anerkannt wird, erbrachte keine eindeutigen Antworten. Pressesprecherin Corinna Fischer verweist auf den „Orientierungsleitfaden zu Fragen der Anerkennung ausländischer Schul-, Berufs und Hochschulabschlüsse in Niedersachsen“. Ein mehr als 160 Seiten umfassender „Leitfaden“, eher ein dickes „Seil“, das sich aber im Großteil mit Abschlüssen an allgemeinbildenden Schulen befasst.

Zu Hochschulabschlüssen heißt es darin, dass es einige unreglementierte Berufe gibt, deren Diplome ohne Prüfung in allen Ländern der Europäischen Union anerkannt werden. Im Fall reglementierter Berufe, müssen die Diplom-Inhaber ein Antragsverfahren initiieren. Und aus eigener Tasche bezahlen. Pädagogen gehören in diese Gruppe.

Die Kosten entstehen wegen unterschiedlicher Formalien und weil beispielsweise eine beglaubigte Übersetzung des Originaldokuments angefertigt werden muss. In dem Verfahren werde geprüft, ob der entsprechende Hochschulabschluss auf Deutschland, genauer: Niedersachsen, zu übertragen ist.

Makarowa hat dies bereits getan. Die Übersetzung ihres 1995 in Kiew ausgestellten Diploms übersetzte im Januar 2009 der beeidigte Dolmetscher für die Gerichte des Landgerichtsbezirks Hannover, Ingo Rauzov. Gebracht hat es der Musikerin, die über ein absolutes Gehör und reichlich praktische Erfahrung verfügt, unter anderem auch als Pianistin, wenig. Sie darf nicht als Musiklehrerin arbeiten. Zumindest nicht in Niedersachsen.

Makarowa hat erfahren, dass es für deutschstämmige Ukrainer Ausnahmen gibt bei der Anerkennung eines Hochschulabschlusses. Tatsächlich stehen in dem „Leitfaden“ Passagen, die Ausnahmen für Spätaussiedler anreißen. Doch die Ausführungen sind ebenso allgemein wie die Angaben zu den „reglementierten“ Berufen.

Im Kultusministerium will man zu Makarowas Schicksal keine Stellung beziehen. Schließlich habe man keine Kenntnis des Einzelfalls. Das übersetzte Diplom der Ukrainerin lag dem Ministerium vor.

BU: Das übersetzte Diplom weist Juliia Makarowa als Musiklehrerin aus. Es nützt ihr in Niedersachsen aber wenig. Foto: pr.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt