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NDZ-Interview mit Singer/Songwriter Johannes Oerding

Musikalischer Hochkaräter

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Autor:

von Lars Andersen

HANNOVER. „Ich möchte schon gerne mal ein Nr.-1-Album in den Händen halten – irgendwie ist man ja auch Sportler und will sich von Album zu Album verbessern“, erklärte uns Johannes Oerding im Rahmen des Interviews, das wir dem Singer/Songwriter im Backstage-Bereich der Gilde Parkbühne führten.

Der Wahl-Hamburger ist auf dem besten Weg, sich seinen herbeigesehnten Wunsch zu erfüllen, denn seit seinem Debütalbum „Erste Wahl“ (2009), kann er sich einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreuen. Die darauffolgenden Longplayer „Boxer“ (2011) und „Für immer ab jetzt“ (2013) gaben die grobe Richtung vor: der Popthron ist zum Greifen nahe. Das wurde bereits 2015 mehr als deutlich, als sein aktuelles Album „Alles brennt“, schoss von 0 auf 3, nur haarscharf am erstrebten Ziel vorbeischrammte. Doch für Oerding sind Hitlisten nicht alles.

Johannes: An manchen Tagen denke ich: Ist doch egal, auf welchem Platz du in den Charts stehst – die Hauptsache ist, die Leute mögen deine Musik. Man weiß aber auch, dass eine gute Platzierung noch so manche Tür öffnen kann. Neben Downloads, wird jetzt auch noch Streaming in die Chart-Wertung integriert – irgendwie ist das schon alles wie eine bunte Wundertüte, in der viele Überraschungen stecken. Schön ist es, dass bei mir alles Schritt für Schritt passiert – daher kann ich letztendlich alles besser verarbeiten und genießen.

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  • Smalltalk: Scorpions-Percussionist PiTTi Hecht und Johannes Oerding
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  • Johannes Oerding – für sein Publikum immer noch „Erste Wahl“. Texte und Konzertfotos: Lars Andersen

Ob 2013 als Support in Joe Cockers „Fire It Up“-Tour, ein Jahr später als Gast auf der Unplugged-Tour der Scorpions oder im Line Up der „Night Of The Proms“ (2015) – Johannes Oerding wurde seinem Ruf als grandioser Performer immer mehr als gerecht.

Johannes: Mit so erfolgreichen Künstlern auf der Bühne zu stehen, ist natürlich toll – das sind schon Momente, die deine musikalische Karriere prägen. Dennoch: Die Auftritte mit Udo Lindenberg im Rahmen seiner Tour gehören für mich bis dato zu meinen musikalischen Highlights. Man darf ja auch ein bisschen träumen: Ich bin ja ein großer Fan von Pink – wenn ich mit ihr einmal ein gemeinsames Projekt starten könnte, wäre ich schon schwer begeistert.

Dass der begnadete Singer/ Songwriter zu den besten seines Faches zählt, hat sich unter anderem auch in Kollegenkreisen herumgesprochen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass dem Multitalent in letzter Zeit vermehrt Kompositionswünsche anderer Künstler ins Haus flattern.

Johannes: Es fällt mir besonders schwer, für vergleichbare Kollegen so richtig einen rauszuhauen, weil ich oft den kompletten Song so gut finde, dass ich ihn dann natürlich auch selber singen möchte. Es sei denn, der Künstler ist genre-mäßig weit entfernt von mir. Oder es ist eine Frau – dann ist das noch ein anderer Blickwinkel. Ich muss sagen, dass ich mich auch nicht als den klassischen Auftrags-Komponisten sehe.

Oerding schreibt gerne Songs – manchmal, wie er betont, auch im stillen Kämmerlein zu Hause. Der folgende Aufnahmeprozess im Studio und das weitere Drumherum ist dann nicht mehr ganz so sein Ding. Welcher Song es zu guter Letzt auf eines seiner Alben schafft, hängt bei ihm von vielen Faktoren ab.

Johannes: In den letzten Jahren habe ich ein gutes Gefühl dafür entwickelt, welcher Titel für ein Album geeignet ist. Ich achte sehr darauf, dass ich mich nicht wiederhole – insbesondere über die Themen, die ich schreibe. Das Lied muss mich und natürlich auch die Fans sofort berühren. Wenn ein Song durch mehrfaches Hören nicht abflacht, dann ist er gut. In letzter Zeit habe ich viel geschrieben, befinde mich auf einem guten Weg, dass ich voraussichtlich im Mai nächsten Jahres mein neues Album veröffentlichen kann. Zu 80 Prozent wird es wieder Autobiografisches beinhalten – der Rest, was so Drumherum passiert. Als Sänger und Songschreiber ist es auch deine Aufgabe immer mit offenen Augen und Ohren herumzuspazieren, damit du einfach viele Dinge einfangen kannst.

Ob Club, Open Air oder Festival – Johannes Oerding versucht bei Livekonzerten, seinen Fans immer ein Mittendrin-Gefühl zu vermitteln.

Johannes: Es ist jedes Mal eine andere Energie, die du mitbringen musst. Wir passen uns dann auch den örtlichen Begebenheiten an, spielen ein anderes Programm – unter anderem auch mit neu arrangierten Songs. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, egal wie weit ich von den Fans entfernt bin, immer eine gewisse Intimität und Nähe zum Publikum zu erzeugen.

Noch immer hat sein Debütalbum „Erste Wahl“ für ihn eine besondere emotionale Bedeutung.

Johannes: Da höre ich noch oft rein, stelle fest, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon viele Sachen gut gemacht habe – aber auch manche Dinge heute anders angehen würde. Natürlich mag ich alle meine Alben – packe auch von jedem vier oder fünf Titel auf die Setlist, weil ich sie immer noch gerne live spiele. Zu meinen Lieblingsliedern gehören zum Beispiel Titel wie „Traurig aber wahr“, „Engel“ oder „Einfach nur weg“. Andere Stücke haben sich dagegen im Laufe der Jahre auch als Live-Hits entwickelt.

Vom Rohdiamanten zum Hoffnungsträger in Sachen „Deutscher Pop/Soul“ – ein Reifeprozess, den Johannes Oerding glaubwürdig und ehrlich durchlaufen ist. Die Ampel steht auf Grün – weiterhin gute und freie Fahrt für einen Künstler, der in der deutschen Musiklandschaft schon lange sein Gütesiegel hinterlassen hat.



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