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Von Friedrich Engels bis Wayne Rooney: Wie sich die Stadt im Nordwesten Englands zur modernen Metropole wandelte

Musik statt Maloche – Manchester hat ein neues Gesicht

Manchester. Manchester-Kapitalismus ist bis heute ein geflügeltes Wort. Die drittgrößte Stadt Englands steht für die Schattenseiten der Industrialisierung. Doch sie hat den Übergang ins nachindustrielle Zeitalter, den Wandel vom schmutzig-grauen Moloch zu einer modernen, lebenswerten Großstadt geschafft. Längst gilt Manchester als lohnendes Ziel für einen Kurzurlaub.

Autor:

Detlef Berg

Wer die Stadt erkunden möchte, schließt sich am besten einem geführten Rundgang an. Mit mehr als 100 Themen ist das Angebot so vielfältig, dass auch Einheimische teilnehmen. Zum Einstieg empfiehlt Stadtführer Ray Hoerty die Kanal-Tour. Sie führt auf schmalen Wegen an den Kanälen entlang, die Manchester durchziehen.

Die Teilnehmer erfahren, dass diese Wasserläufe zur Zeit der Industrialisierung angelegt wurden, um die Güter zu transportieren. Deshalb liegen die meisten Industrieanlagen an den Kanalufern. Hoerty zeigt auf ein restauriertes Backsteingebäude auf der anderen Seite des Kanals: „Dort drüben sehen Sie ein Haus, in dem früher eine Fabrik für Regenschirme untergebracht war.“ Heute erinnert nur noch der Name der schicken Rain Bar im Erdgeschoss an die frühere Bestimmung des wuchtigen Gebäudes. In den anderen Etagen des denkmalgeschützten Hauses sind Loft-Wohnungen entstanden.

Einige Meter weiter erhebt sich ein massiver Backsteinbau aus dunkelrotem Ziegel, in dem mehrere Computerfirmen ihre Büros eingerichtet haben. In anderen Fabrikgebäuden sind Cafés, Restaurants, Fitnessclubs, Diskotheken und Apartments entstanden. „Es ist noch nicht so lange her, dass das Bild der Innenstadt von leeren Lagerhallen, verfallenen Fabrikgebäuden und stillgelegten Webereien aus viktorianischer Zeit geprägt wurde“, erzählt Hoerty. „Nur 400 Menschen lebten damals noch hier.“

Er weiß, wo’s langgeht: Stadtführer Ray Hoerty zeigt Besuchern die alten Industriegebäude entlang der vielen Kanäle Manchesters.

Manchester hat sich ähnlich schnell von einer Industriemetropole im Niedergang zu einer Stadt mit neuer Lebensqualität gewandelt, wie die Stadt zum industriellen Zentrum Englands aufgestiegen war. Das weiche Wasser eignete sich gut für die Bearbeitung von Tuchen und Stoffen, deshalb siedelten sich hier im 18. Jahrhundert die ersten Textilfabriken an. Es war der Startschuss zur industriellen Revolution. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden hier 60 Prozent des weltweiten Baumwollbedarfs gesponnen, gefärbt und in alle Welt verschickt.

Auch Friedrich Engels gründete in dieser Zeit eine Baumwollspinnerei in Manchester. Er lud seinen Freund Karl Marx ein, den Manchester-Kapitalismus kennenzulernen. „Fahren Sie mal zur Quarry Bank Mill nach Styal“, empfiehlt Hoerty. Das Industriemuseum zeige, wie die Menschen damals gelebt und gearbeitet haben. Es liegt nur einige Kilometer südlich des Stadtzentrums am River Bollin. Die Museumswärter erklären, wie die Baumwolle mit den alten Maschinen gekämmt, gesponnen und gewebt wurde. Die meisten Anlagen sind noch funktionstüchtig – und machen einen Höllenlärm. Im benachbarten Apprentice House, einst Unterkunft für die in der Fabrik arbeitenden Kinder, kann man erahnen, wie die Lehrlinge jener Zeit gehaust haben.

Kunst und Kultur am Wasser ist das Motto von The Lowry. Das moderne Kulturzentrum beherbergt hinter einer eindrucksvollen Hülle aus Glas und Metall zwei Theater, mehrere Galerien, Cafés und Restaurants. Der Komplex liegt im Hafenareal Salford Quay. Einst geschäftiger Umschlagplatz für Baumwolle, später dem Verfall preisgegeben, präsentiert sich das Viertel jetzt saniert.

Heute säumen futuristische Bürokomplexe und Wohnanlagen die Hafenbecken und Kanäle. Über eine kühn geschwungene Fußgängerbrücke, die den Manchester Ship Canal überspannt, spaziert man nach Trafford. Dort steht ein weiteres architektonisches Meisterwerk: das Imperial War Museum. Wie schon beim Jüdischen Museum in Berlin entschied sich der Architekt Daniel Libeskind für einen symbolischen Gebäudekörper. Die zerborstene Erdkugel, deren Teile er neu zusammenfügte, symbolisiert die Folgen von Kriegen.

In Gehweite befindet sich Old Trafford, die Heimat des Fußballclubs Manchester United. Im Theatre of Dreams können Besucher bei einer Führung einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Wer durch die schmalen Straßen des Northern Quarter im Herzen der Innenstadt streift, stößt nicht nur auf eine Fülle von Designerläden, Musik-Shops, Kneipen und Cocktailbars, auch Musikclubs, Jazz-Lokale und Independent-Bars haben sich hier angesiedelt. Das „Night & Day“ in der Oldham Street kennt man in ganz England. Jeden Abend spielen in der Musikkneipe lokale Bands, und es gibt Hunderte von Nachwuchsgruppen, die ins Rampenlicht drängen.

Informationen: Visit Manchester Information Center, 45-50 Piccadilly Plaza, Portland Street, Manchester, Tel. + 44 871/ 22 28 223, E-Mail: touristinformation@visitmanchester.com.




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