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Sechs Tiere spurlos verschwunden / Auch Rehwild nimmt ab / Schüsse bei Nacht

Muffelwidder verschwunden! Haben Autobahn-Wilderer zugeschlagen?

Bernsen (rnk). Heinrich Schmieding und Lars Büttner, die Bernser Revierpächter also, werden ebenso wie ihre Heeßener Kollegen in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gefragt: "Wo ist eigentlich das Muffelwild?" Gute Frage, finden auch die Waidmänner. Denn die Herde ist in den letzten Jahren deutlich geschrumpft. Auffällig: Es sind mehrfach Widder, also männliche Tiere, verschwunden.

An einen Zufall glauben die Jäger nicht: In den letzten vier Jahren verschwanden insgesamt sechs Muffelwidder spurlos. Beweise gibt es nicht, nur Indizien. Und einen Verdacht: Kriminelle Personen, die illegal im Schutze der Nacht an der Autobahn ansitzen, die Tiere schießen und dann mit dem toten Widder im Kofferraum wieder verschwinden. Der Wilderer-Verdacht erhärtet sich, weil die Heeßener und Bernser Jäger die Tiere ganz offiziell hätten schießen können. Nur: Sie haben es nicht getan. Und Lars Büttner, Jäger im Revier Bernsen, würde seine rechte Hand dafür ins Feuer legen, dass seine Bernser und Heeßener Kollegen nicht zum Gewehr gegriffen haben: "Hundertprozentig nicht, zumal die Tiere viel zu jung zum Erlegen waren und Absprachen unter Revieren hervorragend funktionieren." Immerhin: Es gibt einen Ohren- und Augenzeugen. Einen Auetaler Jäger, der in der Nacht durch einen Schuss aufmerksam wurde und sofort aus dem Fenster schaute. Mitten auf einem Acker sah er ein Auto mit eingeschalteten Scheinwerfern, das dann schnell wegfuhr. Einen zweiten Hinweis auf Wilderei lieferte dann ein Widder selbst. In Schulterhöhe hatte er einen handballgroßen zähflüssigen Eiterball, wie er etwa nach einem etwas zu hoch gehaltenen Schuss entstehen könnte, bei dem das Tier verletzt wurde. Der Widder musste dann von den hiesigen Jägern erlegt werden. Eigentlich sollte er, wie ein zweiter auch, in Bernsen alt werden. Der andere Widder gehört zu den Tieren, von denen jede Spur fehlt. Auch Hans-Joachim Güttler kann von merkwürdigen Beobachtungen und Funden in seinem Rehrener Revier berichten. Abgeschossene Munition von einem Kaliber, das kein Kollege verwendet, volle Munition, die auf Hochsitzen zurückgelassen wird, große Autos mit fremden Kennzeichen, die nachts im Revier parken, frisch abgeschlagene Rehdecken, "wie ein roter Faden zieht sich das durch das Revier", sagt der Jäger und Pächter. Dass in seinem Revier gewildert wird, kann Güttler nicht beweisen, aber er verweist auf das Verhalten der Rehe, das sich in den letzten Jahren gravierend geändert hat. Die Tiere sind deutlich scheuer geworden. Sehen sie Autoscheinwerfer, sagt Güttler, "dann sind sie weg". Für ihn ein Indiz, dass die Tiere gelernt haben: "Sie haben begriffen, dass aus den Autos heraus gejagt wird." Ähnliche Vorfälle werden auch aus anderen Auetaler Revieren berichtet. Mehrfach wurden verdächtige Autos beobachtet und Schüsse wurden gehört, die keinem der Jagdberechtigten zugeordnet werden konnten. Auch verendetes Rehwild wurde bereits aufgefunden und ein Muffelschaf wies eine nicht zu erklärende Verletzung, vermutlich eine Schussverletzung, auf. Möglicherweise ist diese Art der modernen Wilderei, also das verbotene Beschießen von Wildtieren bei stockfinsterer Nacht aus dem Auto heraus, eine Ursache für die gesunkenen Rehwildbestände in einigen Teilen des Auetals. Schlimme Verletzungen und erhebliche Qualen für die Wildtiere werden von den Wilderern dabei offensichtlich billigend in Kauf genommen. Dass gewildert wird, so meint Hermann Platte, "das will ich nicht ausschließen". Doch zumindest für das Verschwinden des einen oder anderen Muffelwidders kommt für den Auetaler Hegeringsleiter auch eine andere Ursache in Betracht: Beim großen Erdrutsch im Steinbruch Steinbergen im Dezember 2005 könnten die Tiere auch umgekommen sein. Schmieding und Büttner haben inzwischen die Polizeireviere in Rinteln und Rehren informiert, in Rehren hat es ein gemeinsames Gespräch gegeben. Tenor: Die Polizei nimmt das Verschwinden und den nächtlichen Schuss sehr ernst, die Rintelner Kollegen wurden angewiesen, "im Rahmen der Möglichkeiten" wie es ein Polizeisprecher formulierte, "auf ihren Streifen ein Auge auf die Restherde zu haben". Wer nachts Autos mit fremden Kennzeichen in der Feldflur sieht oder in Waldesnähe am Straßenrand parkende Fahrzeuge bemerkt, oder gar beobachtet, wie mithilfe von Scheinwerferlicht ein Tier beschossen wird, sollte unverzüglich die zuständige Polizei in Rinteln unter (05751) 95450 anrufen oder sich mit den Revierpächtern in Verbindung setzen. Ein Anruf in Rehren wäre zwecklos, weil es sich um ein reines Tagesrevier handelt, und die 110 würde in Nienburg auflaufen - mit der entsprechenden Zeitverzögerung.




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