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Vor Jugendlichen einer Internet-Community onaniert: 40-jähriger Hannoveraner zu drei Jahren Haft verurteilt

Münderaner hilft, Sexualstraftäter zu überführen

Bad Münder/Hannover (st). Drei Jahre Gefängnis und 12 000 Euro an die Familie des Opfers – für den Münderaner Christian Dreeke ist das Urteil, dass das Amtsgericht Hannover jetzt gegen einen einschlägig vorbestraften Sexualstraftäter aus der Landeshauptstadt ausgesprochen hat, ein Witz. Der 20-jährige Münderaner hatte durch seinen couragierten Einsatz maßgeblich zur Überführung des 40-Jährigen beigetragen – und ganz nebenbei einem Opfer, einem 13-jährigen Jungen aus Beverungen, dabei geholfen, sich seinen Eltern anzuvertrauen.

Überführt: Der Täter muss für drei Jahre ins Gefängnis.

Der Täter hatte seit Mitte des vergangenen Jahres über Monate hinweg minderjährige Mitglieder einer von ihm gegründeten Online-Radio-Community dazu gebracht, vor laufender Webcam sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen, während er selbst dabei onanierte. Dabei nutzte der 40-jährige Hannoveraner seine Machtposition innerhalb der Community aus, um die Jugendlichen unter Druck zu setzen. „Wenn Du nett zu mir bist, dann bin ich auch nett zu Dir“, hat der Täter laut Dreeke seinen Opfern versprochen. „Er hat den Jugendlichen angeboten, im Gegenzug deren Status in der Community heraufzusetzen“, erzählt der Münderaner. „Während einfache Mitglieder kaum Gestaltungsmöglichkeiten haben, können Mitglieder mit höheren Rängen selbst Radiosendungen moderieren und haben Einfluss auf die Musikauswahl“, erklärt Dreeke, der selbst Mitglied der Community war.

„Für einige Jugendliche scheinbar ein verlockendes Angebot. Zumal die Scham der Pubertierenden verhinderte, dass sie ihren Eltern von den kriminellen und schmutzigen Angeboten erzählten“, denkt Dreeke. Doch wie ist es dazu gekommen, dass einer der Jugendlichen letztendlich die Mauer des Schweigens durchbrochen hat?

Das ist der offenen Art und der Hartnäckigkeit Dreekes zu verdanken. Der 20-Jährige hatte nach eigenen Angaben schnell das Vertrauen der zahlreichen Teenager in der Community gewonnen. „Durch meine Tätigkeit als Jugendleiter für die Stadtjugendpflege kenne ich mich im Umgang mit Heranwachsenden aus. Ich habe den Mitgliedern von Beginn an mein offenes Ohr geliehen“, sagt Dreeke, und er fügt hinzu: „Ich habe meine Telefonnummer bekannt gegeben, falls einer der Jugendlichen jemanden zum Reden braucht.“

Und im Frühjahr dann hatte Dreeke plötzlich ein ihm bekanntes Mitglied der Community am Apparat. „Der 13-Jährige hat mich gefragt, ob er mir etwas anvertrauen könne, er müsste dringen reden. Ich habe ihm dann einfach zugehört.“ Der Jugendliche berichtete Dreeke von den Videogesprächen mit dem Inhaber der Community und von den sexuellen Handlungen. Anschließend investierte der couragierte Münderaner eine Menge Zeit und Energie darauf, den Jugendlichen zu einem Gespräch mit seinen Eltern zu überreden. „Am Ende war ich erfolgreich, und die Eltern haben Strafanzeige gestellt.“

Vor Gericht ist dem Jugendlichen jetzt eine Aussage erspart geblieben, da der Täter geständig war. Der 40-Jährige hatte bereits seit 2001 fünf Jahre Haft für ein ähnliches Delikt bekommen – und seine Strafe abgesessen. „Ich gehe allerdings davon aus, dass der Fall, für den der Hannoveraner jetzt verurteilt worden ist, nicht der einzige im Zusammenhang mit dem Internet-Radio war. Die Community hatte mehr als 50 Mitglieder – die meisten minderjährig“, sagt Dreeke.



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