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Anwohner der in Langelsheim geplanten Anlage fürchten um ihre Gesundheit / Bürgermeister warnt vor Panikmache

Müllofen stößt auch in Goslar auf Protest

Hannover. Energie aus Pappe und Kunststoff – diese Technik findet auch bei Umweltschützern Anklang. Das Heidelberger Umweltinstitut IFEU hat dem in Langelsheim im Harz geplanten Müllkraftwerk jedenfalls ein positives Zeugnis ausgestellt. Es helfe Kohlendioxid einzusparen, weil andernorts dadurch weniger Kohle verbrannt werde. Doch die Anwohner beruhigt dieses Gutachten nicht. Sie fürchten um ihre Gesundheit. Auch in der Nachbarstadt Goslar regt sich jetzt Widerstand.

Autor:

Margit Kautenburger

Die Firma Maxxcon aus Osterode will in dem sogenannten Ersatzbrennstoffkraftwerk jährlich 220000 Tonnen Verpackungsabfälle und Folien verbrennen. Es handele sich um harmlosen Müll wie Pappe oder Kunststoff, Umweltbelastungen oder gar Gesundheitsgefahren seien von der Anlage nicht zu befürchten, betont ein Unternehmenssprecher. Das habe der TÜV Nord in einem Gutachten bestätigt.

Die Langelsheimer Bürgerinitiative Sophienhütte spricht hingegen von einer „Billiganlage“, die nur die niedrigsten Standards einhalte. „Das größte Problem sind die Feinstäube“, erklärt Klaus Koch vom Hamburger Umweltnetzwerk, der die Bürgerinitiative berät. In Langelsheim seien nicht einmal Nassfilter vorgesehen, wie sie in zwei Drittel der deutschen Müllöfen eingebaut seien.

Ein Gutteil der Giftstoffe wird im Umkreis von fünf Kilometern um die Verbrennungsanlage niedergehen. Auch in Goslar wächst daher die Sorge – zumal der Schornstein des Müllofens höher als geplant ausfallen soll. „Wir haben an 80 Prozent der Tage Westwind, das heißt die Abgasfahne trifft das östlich gelegene Goslar noch stärker als Langelsheim“, sagt Olaf Bokemüller von der Arbeitsgemeinschaft Goslarer Umweltverbände.

Die Aktivisten haben erreicht, dass die Goslarer ein Wörtchen mitreden dürfen im Genehmigungsverfahren. Sie haben die zuständigen Behörden erst darauf aufmerksam gemacht, dass in den Planungsunterlagen des Betreibers ein 70 Meter hoher Schornstein auftaucht. Ursprünglich sollte dieser nur 52 Meter hoch gebaut werden. Das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig musste einen Verfahrensfehler einräumen.

Nun dürfen auch Goslarer Bürger wie Claus Pruck von Mitte November an Einwendungen gegen den Müllofen vorbringen. „Als Hüttenmann weiß ich: Immer wenn Kunststoff verbrannt wird, entstehen Stoffe wie Dioxin, die in höchstem Grade krebserregend sind“, sagt der frühere Chef des Walzwerkes im Stahlwerk Salzgitter. Dabei sei die Region bereits wie keine andere mit Rückständen aus dem Bergbau verseucht. „Viele hier leben vom Tourismus“, gibt Pruck zu bedenken. „Die Verbrennungsanlage vernichtet mehr Arbeitsplätze als sie schafft.“

Umweltberater Koch sorgt sich auch um die zwei Kilometer entfernte Granetalsperre, die Trinkwasser bis nach Hannover und Bremen liefert. Die zuständigen Harzwasserwerke prüfen derzeit, ob das Wasser belastet wird. „Wir können keine Einschätzung abgeben“, sagt ein Sprecher.

Die Stadt muss sich indes vorwerfen lassen, mit dem Verkauf des Grundstücks an Maxxcon ihre Einflussmöglichkeiten aus der Hand gegeben zu haben. Andere Kommunen sind da vorsichtiger. So hat Arzberg in Bayern den Bau eines Müllheizkraftwerks durch die Firma Maxxcon wieder abgeblasen – nach Angaben des Unternehmens, weil sich keine Abnehmer für die Wärme fanden. Müllexperte Koch sieht andere Gründe: Maxxcon habe den Politikern nicht darlegen können, woher die Abfälle kommen sollen und wer der finanzielle Teilhaber der geplanten Anlage sei. „Genau diese Fragen sind auch in Langelsheim noch völlig offen.“




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