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Pfarrer Stefan Engelkingüber eine Beisetzung in aller Stille und warum Gott ein Baby allein lässt

"Mona wird jetzt ganz fest im Arm gehalten"

Eisbergen. Auf dem kirchlichen Eisberger Friedhof hat die kleine Mona ihre letzte Ruhe gefunden. Genau einen Monat nach der Trauerfeier spricht Pfarrer Stefan Engelkingüber die Beisetzung. Anfang Juli hatte ein Angler die Babyleiche am Weserufer in Porta Westfalica-Barkhausen gefunden. Nach ihrer Geburt hat Mona mehrere Tage gelebt. Von der Mutter fehlt weiter jede Spur. Das Interview führte Stefan Lyrath.

Herr Engelking, Sie haben Mona in aller Stille beigesetzt. Warum? Vielleicht sollte ich erst sagen, warum die Beisetzung in Eisbergen stattgefunden hat: In einem Zeitungsartikel hatte gestanden, dass das Portaner Ordnungsamt eine anonyme Bestattung in Erwägung ziehe. Das habe ich persönlich für völlig unmöglich gehalten. Dann hätte es keinen Punkt der Erinnerung an dieses Kind gegeben. Warum in aller Stille? Das war insbesondere ein Wunsch des Anglers, der die Babyleiche gefunden hat und an der Beisetzung teilnehmen wollte, jedoch ohne großen Rummel. Wie groß war die Trauergemeinde? Acht Menschen, darunter Polizisten und ein Presbyter. Irgendjemand muss doch bemerkt haben, dass eine Frau hochschwanger war, ohne später ein Kind zu haben. Wäre eine öffentliche Predigt zu Monas Beerdigung nicht eine gute Gelegenheit gewesen, auf die Gleichgültigkeit der Menschen hinzuweisen? Die Situation der Mutter oder wer etwas bemerkt haben könnte, fällt in den Bereich der Spekulation. Dass auf Gleichgültigkeit von Menschen öffentlich hingewiesen werden kann, ist nicht abhängig davon, wie viele Menschen an einer Beisetzung teilnehmen. Klar war von vornherein, dass auf das Geschehen immer wieder aufmerksam gemacht wird, damit die Sache im Bewusstsein bleibt. Zum Beispiel bleibt Monas Grabplatte 30 Jahre liegen. Was haben Sie in der Trauerpredigt gesagt? Dass sich für uns natürlich die Frage nach dem Warum stellt. Und wieso Gott das zugelassen hat. Warum hat er nicht einen anderen Weg gewiesen? Dann wäre Mona vielleicht in eine Babyklappe oder auch vor die Tür eines Pfarrhauses gelegt worden, wie es vor einigen Wochen nicht weit von hier geschehen ist. Warum hat Gott Mona allein gelassen? Warum lässt er zu, dass so unschuldige Wesen sterben? Jesus Christus hat am Kreuz die Frage gestellt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Gott kennt also Gottverlassenheit und hat sie in Jesus Christus selbst am Kreuz erlebt. Er ist der einzige, der uns eine Antwort geben könnte. Jesus hatte die Wahl, Mona nicht. Ja, aber was ihr angetan wurde, das ist ihr von Menschen angetan worden. Welche Sünde hat Monas Mutter begangen? Und wie steht es mit Vergebung für sie? Wir wissen nichtsüber die Mutter. Wenn wir etwas wüssten, könnte vor Gericht ein Urteil über sie gefällt werden. Alle Menschen, die im Zusammenhang mit Mona schuldig geworden sind, werden sich spätestens vor Gott dafür verantworten müssen. Ob es Vergebung gibt, liegt allein in Gottes Hand. Haben sich jene Menschen versündigt, die weggesehen haben? Auch hier maße ich mir kein Urteil an. Gibt es Widerstände, ein nicht getauftes Baby zu beerdigen? Im Grundsatz war das bei unsüberhaupt kein Problem, in früheren Zeiten vielleicht. Im Namen der Gemeinde hatte ich mich nach Rücksprache mit unserem Kirchmeister Ulrich Prasuhn beim Portaner Ordnungsamt gemeldet. Weil die Leiche in Barkhausen gefunden wurde, war die Stadt Porta zuständig. Anfangs hieß es, Mona solle in Minden beerdigt werden. Es gab auch dieses Angebot. Doch das wäre auf einem speziellen Feld für Früh- und Totgeborene gewesen, was beides nicht auf Mona zutrifft, soweit ich weiß. Minden wäre im Prinzip aber genauso denkbar gewesen. Gehört Mona nun zur Kirchengemeinde Eisbergen? Sie liegt auf dem Eisberger Friedhof und ist in gewisser Weise nachträglich "adop- tiert" worden, weil Eisberger Gemeindeglieder eine Beziehung aufgebaut haben und Anteil nehmen. Mona ist jetzt bei Gott und Jesus Christus, wo sie fest im Arm gehalten wird. Nun erfährt Mona jene Liebe, die Menschen ihr nicht geben konnten oder wollten.




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